Montag, 10. April 2017

Heilkunde und Nebengeschäfte

Vertrauen in Heilberufe hilft bei Nebengeschäften

Gedanken eines um die Heilkunde als besondere Tätigkeit Besorgten.

Die Ausübung der Heilkunde ist kein Gewerbe und kein Handelsgeschäft. Sie hat nichts mit freiberuflichen Dienstleistungen zu tun, die man zum Zwecke des Verbesserns der tagtäglichen sportlichen, beruflichen usw. Leistungsfähigkeit (Coaches, Personal Trainer) oder der Interessensdurchsetzung, auch aus wirtschaftlichen Interessen (z.B. Rechtsanwälte und Steuerberater) buchen kann. Damit kann der Mensch für sein tagtägliches Leben zusätzlichen Gewinn erzielen. Diese freien Berufe sind deswegen der Umsatzsteuer unterworfen.

Die Ausübung der Heilkunde hat als Kennzeichen, dass der, der diese in Anspruch nimmt, im Grunde sich das nicht selbst frei ausgesucht hat. Er ist wegen krankheitsbedingter Einschränkung des täglichen Lebens dazu gezwungen. Der Patient lässt durch die Heilkunde seine Leistungsfähigkeit, seine "Lebensfähigkeit" wieder herstellen, die er "schicksalhaft" verloren hatte. Ein Zusatzgewinn, der letztlich Vermögen, Prestige usw., vergrößern könnte, ist durch Gesundheit wiederherstellende Heilkunde nicht gegeben.

So sind z.B. kosmetische und schönheitschirurgische Eingriffe, die nicht zur Behandlungen von Erkrankungen erforderlich sind, private "Lebensverbesserer", auch wenn zur Durchführung heilkundliches Wissen und die Erlaubnis zur Heilkundeausübung vorhanden sein müssen.

Gerade wegen der Angewiesenheit des Leistungsempfängers auf Maßnahmen zur Erkennung und Linderung/Heilung von Krankheiten ist die Heilkundeausübung besonders gestellt. Man kann (sollte) einfach kein Geld damit verdienen, dass man dafür wirbt, dass sich Leute krank fühlen, gar tatsächlich krank werden um dann irgendwelche von diesen „gewonnenen Kunden“ ausgewählte Behandlungen zu „verkaufen“.

Kann man nicht? Es scheint mir so, dass das zumindest versucht wird. Ich habe den Eindruck, dass auf der einen Seite Personen, die davon leben (vielleicht reich werden wollen) dass sie Kranke - die keine andere Wahl haben, wenn sie nicht leiden wollen - gegen Honorar behandeln, die Kriterien dafür, wann man behandlungsbedürftig krank ist, nach Gusto festlegen können. Siehe die immer mal wieder sich ändernden "Normwerte", nach denen selbst Personen, die gar keine Symptome haben - vielleicht nie bekommen, als dringend behandlungsbedürftig eingestuft werden. Denn: Die Herstellung und der Verkauf von Arzneien ist keine Heilkunde, sondern ein umsatzsteuerpflichtiges Geschäft zum Kapitalzuwachs. Über den Einsatz der Arzneien entscheidet der Heilberufler gemäß den treuhänderischen Grundsätzen (dem Patienten gegenüber) von Notwendigkeit und Angemessenheit. Es ist dem Heilberufler, ob Arzt oder Heilpraktiker deswegen verboten, Arzneien nach „Vergütung durch den Händler/Hersteller“ abzugeben. Betreffend den Ärzten ist inzwischen auch das Strafrecht entsprechend ergänzt worden („Korruption“).

Auf der anderen Seite leben so manche "Medien", besonders im Internet, davon, solche Angaben (die Patienten erst schaffen, Menschen, die sich behandlungsbedürftig fühlen, erzeugen) zu verbreiten und vielen Menschen nahezulegen, sich in die Behandlungen zu begeben. Ansonsten: Früherer qualvoller Tod, auch wenn man derzeit noch gar nichts bemerkt. Die Branche der Prävention - die inzwischen immer mehr in die Heilkunde verschoben zu werden scheint, obwohl gerade gewerbliche (freiberufliche) Dienstleister OHNE Heilkundeausübungserlaubnis hier tätig werden -, boomt und wirbt offen oder versteckt für ihre Geschäfte. Darf sie. Und diese Branche will möglichst den Wunsch des Einzelnen, noch besser leben zu können, in immer größere Gewinne verwandeln. Es wird ja oft nicht nur statistisch ermittelte Krankheitsvermeidung (Angst vor Krankheiten beim Konsumenten angestoßen) sondern auch Erhöhung der normalen Leistungsfähigkeit und Vorteile im täglichen Konkurrenzkampf damit verbunden.

Und der Heilkundler, der im Grunde nur davon lebt, dass andere ungewollt krank werden und nur davon lebt, solange die noch krank sind, was hat der davon? Als Heilkundler als solcher gerade nichts. Die Ansprüche an ihn sind hoch: Er darf nur anbieten, was tatsächlich bei der tatsächlich vorhandenen Krankheit (nicht Lebensunzufriedenheit oder irgendwelchen anderen Wünschen) im konkreten Einzelfall sinnvoll und notwendig anzuwenden ist. Auch wenn man vielleicht in vorliegenden Fall damit keine großen Gewinne machen kann. Gewinn mindernd ist es, wenn man als Heilberufler dann noch mit wenig gezielten Mitteln rasch viel erreicht. Gerade das ist im Interesse des Patienten, dessen Wohl der Heilkundler im Zentrum seiner Tätigkeit sehen muss. Es wird erwartete, dass man als im Grunde für den Patienten treuhänderisch Tätiger ("Anwalt dessen Gesundheit"), diese objektiv und umfassend berät und keine versteckten Nebengeschäfte (neben der zu zahlenden Heilkundeleistung) erbringt. Die Frage: „Darf es ein wenig mehr sein“, hat in der Heilkunde im Grunde nichts verloren. Zusatznutzen wäre Umsatzsteuer pflichtig.

Daraus, aus diesem „treuhänderisch Tätigsein“ entsteht das große Vertrauen, welches Patienten in ihre Heilkundler setzen (können müssen!).

Kann man das nicht doch noch anders nutzen? Einkünfte neben der Heilkundeausübung erzielen? Das Grundgesetz kennt die Berufsfreiheit als hohes Gut. Warum nicht noch NEBEN (nicht in, das wäre ja treuwidrig?) der Heilkundeausübung weitere Berufe/Geschäftstätigkeiten? Z.B. im provisionierten Verkauf - der Verkaufsförderung - von Waren und Dienstleistungen tätig werden? Es muss ja nicht im Sinne der Korruption sein. Passend wäre dabei der Gesundheits/Wellnesssektor, denn mit der Nennung der heilkundlichen Berufsbezeichnung erhöht man gewaltig seine Glaubwürdigkeit in Kompetenz, wenn man Gesundheitsaussagen macht. Dazu hat man den Vertrauensvorschuss, dass man ja nicht Menschen etwas empfehlen würde, was denen schaden könnte, schon aus Berufsethos nicht.


Da bieten sich verschiedene Modelle an:

Man kann in Firmen aus der Gesundheits-Wellnessbranche gegen "Aufwandsentschädigungen" in "(wissenschaftlichen) Beiräten" sitzen und die Firma kann damit dann werben. Man verkauft gar nichts und ist ja als Beirat im Grunde nur Berater (wenn man gefragt wird), ohne dass man die Produkte tatsächlich für gut halten muss. Schauen Sie sich mal um, wie viele Personen mit Rang und Namen - oder mit dem Interessen diese zu bekommen - als solche Beiräte erwähnt werden.

Wie wäre es mit einem Buch (zu irgendwelchen Gesundheitsdingen oder wunderbaren alternativen Therapien)? Zum einen kann man am Buchverkauf verdienen - gerade auch, wenn man schnell im Selbstverlag oder mit entsprechenden "Verlegern für das eigene Buch" kostensparend zusammenarbeitet. Natürlich sollte es ein wenig reißerisch und wunderbar erscheinen. Das kann dann vielleicht zusätzlich mehr Patienten in die Praxis bringen? Man kann ja seiner Praxisseite im Internet zufügen: "Der bekannte Autor des Buches ... zu dieser und jener Krankheit oder Heilmethode." Hebt die Kompetenz für diese Heilkundeausübung (Methoden) gleich noch hervor.

Wie wäre es mit Blogs im Internet? Nicht als Praxisseite, da wäre man zu sehr über das Heilmittelwerbegesetz in den Darstellungen beschränkt, nein: als Blog für „Meinungsverbreitung“. Erscheint man mit interessanten, am besten alternativ zur Schulmedizin und vielleicht passend zu bestimmten Interessengruppen, Themen, bekommt man rasch viele "Aufrufe", Leser. Und das Bekanntmachen des Blogs geht über soziale Medien und Netzwerke, auch gerade berufliche, schnell und kostengünstig. Nun kann man die Blogs mit Werbung versehen lassen (verschiedene Modelle werden da angeboten) und bekommt dafür Geld, dass man seinen vielen Leser mit der Werbung konfrontiert.

Noch besser: Man wählt die Beiträge so, dass sie passend zu Produkten oder Dienstleistungen sind, für die Werbeanzeigen zugefügt werden. (Auch passend für die eigene Praxis, auf deren Seiten sich der Blogleser vielleicht umsieht?) Man hat dadurch zweierlei erreicht: "In diesen Informations- und Meinungstexten" kann man Aussagen treffen, die gar nicht haltbar sind, vielleicht gegen die Beschränkungen verstoßen, die bei der direkten Produktwerbung oder den Verkaufsaussagen dazu verboten sind. Solche Beiträge kann man sich dann besonders honorieren lassen.

Passend könnte noch dem Blog eine "Shopseite" zugefügt werden, über die man als Verkäufer oder Vermittler "passende" Produkte direkt anbietet. Man hat so einen Laden. Wer als Heilkundler (wenn er irgendwie mit entsprechende Berufsbezeichnung erscheint) nicht als Ladenbetreiber direkt auffallen möchte, kann ja diesen Shop als "Empfehlungsseiten" bezeichnen und darüber, dass entsprechende Produkte direkt verlinkt sind mit dem Händler Provisionen erzielen?

Das ist alles legal und vielleicht auch eine clevere Einkommensschaffung.

Dem steht allerdings der Beruf des Heilkundeausübenden (Arzt, Heilpraktiker, Psychotherapeut, sektoraler Heilpraktiker) mit seinen besonderen Anforderungen, Patientenerwartungen und dem riesigen Vertrauen entgegen, wenn man diese Geschäfte mit der Heilkundeausübung am Patienten verbindet.

Wie geht das zusammen? Kann man sich so trennen, dass der eine Teil objektiv und ehrlich den Patienten (Kranken) berät und alles von dem fern hält, was nicht für die KONKRETE individuelle Behandlung unnötig, vielleicht schädlich ist und der andere Teil solches breit auf den Markt bringt, vielleicht damit diesem Patienten empfiehlt? Kann man den Patienten warnen und vor unnötigen Geldausgaben schützen, überzogene Werbeaussagen aufdecken, vom Produkt abraten usw.?

Gerade in einem Bereich, - bei den Heilpraktikern, auch bei sektoralen, die nur in einem Bereich überhaupt tätig werden dürfen -, in dem der Konkurrenzdruck immer mehr steigt, aber die Nachfrage nach konkreter Heilkunde nicht im gleichen Maße, ist die Notwendigkeit für "Nebengeschäfte" vielfach gegeben. Und der Wunsch nach Werbung für die eigenen Heilkundeangebote, die am besten nach dem ausgerichtet werden, was gerade - auch in Blogs - als besonders toll dargestellt wird, ist der nicht verständlich?

Doch letztlich wird dann die Öffentlichkeit mit immer mehr "verkaufs-zielgerichteter Information" überschüttet, aus vielleicht glaubwürdig erscheinender Quelle, sodass der Laie kaum noch erkennen kann, was richtig und falsch ist.

Schadet sich so der Heilkundler betreffend der Heilkundeausübung nicht am Ende selbst?



Übrigens: Die ursprüngliche Version der 1. Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz sah ausdrücklich vor, dass der Antragsteller für die Erlaubnis zur Heilkundeausübung ausdrücklich erklären musste, dass die Heilkunde NICHT neben einem anderen Beruf ausgeübt werden soll.

Danach wäre die gewerbliche/freiberufliche Vermittlung/der Verkauf von Waren und Dienstleitung nicht erlaubt, da es sich gerade nicht um die Ausübung der Heilkunde gemäß Gesetzesdefinition handelt. Vor allem nicht unter Ausnutzung des Heilberufes. Man sah wegen der Berufsfreiheit, die das Grundgesetz später garantierte, keinen gewichtigen Grund, dieses Mehrfachbetätigungsverbot in der Heilkunde aufrecht zu erhalten.

Für Ärzte ist vorgesehen:

§ 3 Berufsordnung für Ärzte
Unvereinbarkeiten
(1) Ärztinnen und Ärzten ist neben der Ausübung ihres Berufs die Ausübung einer anderen Tätigkeit untersagt, welche mit den ethischen Grundsätzen des ärztlichen Berufs nicht vereinbar ist. Ärztinnen und Ärzten ist auch verboten, ihren Namen in Verbindung mit einer ärztlichen Berufsbezeichnung in unlauterer Weise für gewerbliche Zwecke herzugeben.
Ebenso wenig dürfen sie zulassen, dass von ihrem Namen oder vom beruflichen Ansehen der Ärztinnen und Ärzte in solcher Weise Gebrauch gemacht wird.
2. Ärztinnen und Ärzten ist untersagt, im Zusammenhang mit der Ausübung ihrer ärztlichen Tätigkeit Waren und andere Gegenstände abzugeben oder unter ihrer Mitwirkung abgeben zu lassen sowie gewerbliche Dienstleistungen zu erbringen oder erbringen zu lassen, soweit nicht die Abgabe des Produkts oder die Dienstleistung wegen ihrer Besonderheiten notwendiger Bestandteil der ärztlichen Therapie sind.

Copyright K.-U.Pagel 04.2017

Sonntag, 2. April 2017

Einsamkeit macht kränker - und abhängigkeitsgefährdet?

Soziale Einsamkeit als pathogener Faktor

Die Süddeutsche hat ein Thema aufgegriffen und (am Beispiel einer banalen Erkältung) auf eine Studie verwiesen:

URL: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/psychologie-einsame-kranke-leiden-besonders-1.3443278

<Wer sich sozial ausgeschlossen fühlt, leidet stärker unter Krankheits-Symptomen.>

Zitate:

<"Es ist zwar schon länger bekannt, dass Einsamkeit die Wahrscheinlichkeit erhöht, an diversen chronischen Leiden zu erkranken und früher zu sterben", sagt Angie LeRoy, die an der Studie beteiligt war.>

<Das Gefühl der Einsamkeit war interessanterweise auch bei jenen Menschen vorhanden, die zwar etliche Bekannte haben, sich aber nicht wirklich aufgehoben und in die Gemeinschaft integriert wähnen.>


Haben wir hier eine Variante des "Placebophänomens" (Nocebophänomen, es macht ja kränker) zu tun? Nein, mit Physiologie/Biologie (dazu zählen auch Prozesse der Anpassung des Organismus an Umwelt- und soziale Bedingungen).

Es ist ein biologischer Unterschied, ob man einfach nur so mit anderen Lebewesen auch der gleichen Art zusammen ist oder sich als Einheit mit diesen erlebt. Das Zusammen-Vorhanden sein bedeutet biologisch-soziologisch-psychologisch immer auch Bedrohung, anhaltenden Stress. Denn man konkurriert um gleiche Nahrung und Resourcen im gleichen Lebensraum. Immer ist zu befürchten, dass "feindliche" Übergriffe dem anderen Vorteile dabei bringen sollen. - Vielleicht ein Phänomen, das auch zum Fremdenhass gehört?

Man kann also durchaus mit Vielen Kontakt haben, also nicht alleine sein, ohne dass das Gemeinschaft und Sicherheit bedeutet. Hier bieten so manche "Arbeitsteams" erschreckende Beispiele. Man ist oberflächlich einem gemeinsamen (Gewinn-)Ziel (fremder Interessen - Firma, Kapitalgeber) verbunden, aber im Grunde bietet der dabei sehr intensiv bestehende Konkurrenzdruck - auch Boni und Wunsch nach Weiterbeschäftigung am nächsten Projekt spielen da eine Rolle - Anlass zu Selbstausbeutung und Mobbing.

Fühlt man sich irgendwie in einer Gruppe geborgen - auch wenn das nur über die Verbundenheit einer gemeinsamen Ideologie oder auf die eigene Person bezogene Zielsetzung ist - und hat den Eindruck, dass die Gruppe (Familie, Glaubensgemeinschaft) unterstützt und schützt, vermag das das Selbstempfinden, auch Empfinden von (Krankheits-)Leid zu verändern. Manches wird erträglicher. Etwas unerträglich zu empfinden verstärkt das Gefühl, dass man hilflos und kaputt, eingeschränkt lebenfähig, ist.

Eine Gefahr, die aus "angstmachenden " Präventionsvorgaben entstehen kann. Da wirkt der Eindruck, dass man sich nicht aus sich selbst erhalten kann (wenn man nicht Bestimmtes tut), vielleicht als Bremse für die Aktivierung genetisch programmierter Selbstkorrekturen. So wie das positive Selbstgefühl, "WIR schaffen das" als Verstärker dienen kann.

Es scheint mir so, dass schon das tiefe Vertrauen, dass ein Gott bei einem ist, solche Selbsterhaltungsfunktionen etwas stärker aktivieren kann, als das Gefühl im Grunde (trotz der Vielen drumherum) einsam zu sein. Allein "auf die Jagd gehen zu müssen, ohne Gruppenschutz und -unterstützung".


Zitat:
<In früheren Untersuchungen hatten Wissenschaftler gezeigt, dass einsame Menschen auch empfindlicher auf Schmerzreize reagieren. Ihre Schmerzschwelle ist durch das Gefühl der Isolation verändert, sodass die Ausgrenzung geradezu körperlich nachempfunden wird.>

Menschen, die insbesondere in Glaubensgemeinschaften (egal in welchen) leben, scheinen länger zu leben und auch eher mit Krankheiten fertig zu werden (und sei es nur, diese besser ertragen zu können). Beispiele können sein die sogenannten "Heilungsgottesdienste" bestimmter Glaubensgemeinschaften, das Treffen vieler im gemeinsamen Glauben und Hoffen auf Wunder in Lourdes oder Fatima.

Schon die Ehe scheint das Leben länger währen zu lassen als das Singledasein im Alter.

Wieviel Raum nimmt denn eine solche soziale Anamnese, die die "Einsamkeit" erfassen soll, heute noch in der Heilkunde ein?

Wie sehr wird beachtet, dass Therapien, seien es psychische oder körperliche (Krankengymnastik u.ä) in der Gruppe den Kranken mit gemeinsamem Leid und Ziel, Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung geben können - über die Chance, Gemeinsamkeiten zu finden und Einsamkeiten zumindest im Bereich der Krankheitsempfindung zu reduzieren?

Da liegt meiner Auffassung nach auch der für manche helfende Aspekt von Yogagruppen, Abnehmgruppen, Fastengemeinschaften u.a. begründet. Nicht Yoga heilt, das Gefühl, hier zumindest in einem gemeinsamen Raum zu sein - und damit Leiden besser ertragen zu können - ist wohl wesentlich. Vielleicht mehr nur als ein reiner Placeboeffekt.

Man kennt den Effekt auch beim Yoga: Die Gruppe mit begleitenden Aktivitäten, gemeinsamen Ideen und Vorstellungen zur Welt, lässt die gleichen Übungen besser wirken als wenn diese alleine nach vorherigen Anweisung durchgeführt werden.

Da liegen auch Gefahren: So manche Patienten kommen zum Therapeuten, Arzt, Heilpraktiker nicht nur mit dem Leid sondern auch der Hoffnung eine "Minigruppe" bilden zu können, durch das Verständnis der Therapeuten zumindest nicht mehr ganz einsam mit seinem "Schmerz" zu sein. Schmerz nicht selten der Ausdruck (laute Schrei) der Einsamkeit?

Darüber können dann leicht "Zusatzgeschäfte" dessen, dessen Nähe der Patient zu bekommen hofft, geschehen: Man geht auf "Angebote von Verkauf oder Dienstleistungen zusätzlich" ein (mancher Grund z.B. für den Bezug von IGel-Leistungen), bis hin, dass man zum "Jünger bestimmter Weltanschauungen" des Therapeuten (und dessen selbst) wird. Ich sehe hier z.B. den Hang (Wunsch) zur "Neuen Germanischen Medizin", zu anthroposophischen oder theosophischen Weltanschauung, gar, verschwörungstheoretischen Kreisen zuzugehören, als mögliche Formen.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich vor ca. 40 Jahren Balintgruppern von Ärzten kennenlernen durfte, in denen die Mitglieder versuchten, gerade auch erkennen zu lernen, wenn sie als Therapeuten in die Gefahr kamen, Patienten für eigene Interessen auszunutzen - und das dann zu vermeiden und an sich selbst zu arbeiten.

Sehe ich es falsch, wenn ich heute eher das Gegenteil, gerade bei alternativen (weltanschaulischen) Therapeuten sehe? Es wird offensichtlich daran gearbeitet, gerade die Abhängigkeit zu nutzen? PatientenBINDUNG ist das Ziel, nicht diesen von der Therapie und von Therapeuten unabhängig zu machen?


Copyright K.-U.Pagel 04.2017