Dienstag, 20. Juni 2017

Impfkritik, was so berichtet wird

Impfkritik: Impfungen haben die Spanische Grippe ausgelöst?


Es gibt die Impfungen gegen verschiedene Infektionskrankheiten. Diese schützen in vielen Fällen den hinreichend Geimpften davor, die jeweilige Infektionskrankheit zu bekommen. Es gibt also gute Gründe dafür, dass sich jemand für sich oder seine Kinder für eine Impfung entscheidet. Natürlich nach objektiver Aufklärung über Risiken und Notwendigkeiten.

Es ist so mit den Impfstoffen, wie es immer ist, wenn Neues entwickelt wird. Zunächst sind die benutzten Materialien/Impfseren im Grunde von Effekt und Nebenwirkungen auf längere Sicht unklar. Sofort und kurzzeitig nach Impfung auftretenden Effekte/Nebenwirkungen fallen erkennbar ins Auge und werden registriert. In der Geschichte der Entwicklung von Impfstoffen ist zu berücksichtigen, dass die Erkenntnisse der Medizin im Verhältnis zu heute noch recht gering waren. Gering, was die Ursachen/Auslöser für Infektionskrankheiten sind. Bakterien (erste Beschreibungen um 1780, van Leeuwenhoek) als Krankheitserreger wurden erst ab ca. 1880 erkannt. Viren erst ab 1935 identifiziert.

Ein Überblick über die Entdeckung der Krankheitserreger z.B. bei:


In diesen Anfangszeiten, in die die Spanische Grippe fällt (drei Wellen auf, im Frühjahr 1918, im Herbst 1918 und in vielen Teilen der Welt noch einmal 1919), war die Medizin bei der Behandlung von Infektionskrankheiten noch relativ machtlos. Keine Antibiotika gegen Bakterien, keine antiviralen Medikamente, Aspirin als Mittel gegen Schmerzen und Fieber. Die Idee des Impfens, Gabe von abgeschwächten oder abgetöteten Krankheitserregern, um den Körper anzuregen, Abwehrstoffe gegen die „echte“ Infektionskrankheit bereits im Vorfeld der Infektion bereit zu stellen um einen Infektion zu verhindern oder den Verlauf leichter zu machen, war noch nicht vollständig ausgereift. Es gab erste Impfstoffe, länger schon den gegen die Pocken.

Die Herstellung der Impfstoffe war lange nicht so präzise möglich, wie heute und noch lange war es nicht möglich, so sicher wirksame und viele Risiken vermeidende Impfseren zu produzieren. Das war aber im Grund damals egal: Zu bedrohlich waren die Infektionskrankheiten und zu gering die effektiven Mittel dagegen. Dazu waren erhebliche Übertragungsrisiken zwar bekannt, aber kaum behebbar oder behoben: Das immer dichte zusammen Wohnen, teil unter miserablen hygienischen Bedingungen, schlechter Ernährungs- und gesundheitszustand unter schlechten Lebensbedingungen eines nicht geringen Teils der Bevölkerung. Besonders in den größeren Städten.

Auch wenn Impfungen hier einen Schutz bieten könnten, waren diese unter der Bevölkerung längst nicht so verbreitet, wie heute. Das auch, weil damalige Impfstoffe häufig akute heftige Nebenwirkungen hatten, manchmal Krankheitssymptome machten, die der durch Impfung zu verhindernden Krankheit ähnelten. Auch heute kennt man das noch, z.B. die „Impfmasern“.

So wurden manche Impfungen nur selten und nur aus besonderen Gründen angewendet, wie die Typhusimpfung, die ärztliche Nachbeobachtung erforderte. Gerade Typhus war wegen der schlechten Abwasserhygiene mancher/vieler Städte eine Herausforderung.

Gerade Sammelunterkünfte, wie z.B. Kasernen, Heime, waren die typischen Orte, an denen sich Infektionen rasch ausbreiten konnten und dann durch viele Zwischenträger unter der Bevölkerung verteilt werden konnten. Das ist auch heute noch ein Problem (z.B. die Sammelunterkünfte von Asylbewerbern mit oft schlechtem Gesundheitszustand durch lange Flucht und vorher schlechte Lebensbedingen in Kriegsgebieten).

Impfungen waren, wenn auch nur für einen Teil der Bevölkerung in Deutschland und Europa mengenmäßig überhaupt verfügbar, da eine Lösung des Seuchenproblems, auch unter dem Wissen der „Nebenwirkungen“ der damaligen Impfstoffe.

Die Impfstoffe heute sind nicht mehr mit denen von früher vergleichbar. Viele (negative) Erfahrungen haben zu Verbesserungen geführt und es werden immer wieder Impfstoffe dem Kenntnisstand angepasst. Wer von damals auf heute schließen will, gar etwas übertragen will, der beachtet so manches nicht. Schnell kann so eine irreführende „Information“ für den Impfwilligen entstehen.

Jeder sollte das Recht haben, sich frei für Impfungen zu entscheiden, auch für seine Kinder – niemand sollte dazu gezwungen werden.


Es gibt Menschen, die sich nur für einige der Impfungen entscheiden, andere für sich oder ihre Kinder als nicht notwendig ablehnen. Es gibt Menschen, die sich generell gegen Impfungen für sich und ihre Kinder entscheiden.

Dieses Recht zur Selbstbestimmung steht jedem zu. Weder die Impfbefürworter haben jemanden gegen dessen Willen eine Impfung aufzudrängen noch haben die Impfgegner das Recht, dem Impfwilligen bestimmte oder alle Impfungen schlecht zu machen, gar schlechtes Gewissen oder Ängste zu erzeugen.

Hinweise darauf, dass mit Impfungen nur Geschäfte werden sollen, unter Verschweigen bekannter Risiken, können keine sachlich zutreffenden Argumente zu den Impfungen und den Krankheiten ersetzen, denn auch die „Alternativen“ suchen ihren Markt. Unterstellungen von Böswilligkeiten bei den anderen und Verweise, dass nur man selbst die (Unterdrückte) Wahrheit verkünde, ist kein Argument und ebenfalls umkehrbar.

Ich beobachte, dass derzeit wieder massiv versucht wird, mit unzutreffenden, halbwahren oder einfach uminterpretierten (Tatsachen-) Behauptungen bei Impfwilligen Ängste vor den Impfungen zu schüren.

Dabei werden auch soziale Medien/Netzwerke benutzt, um „Berichte“ und andere Informationen über die Gefahren und Schäden durch Impfungen zu verbreiten – verlinken - teilen. Teils auch mit abgeschalteten Kommentarfunktionen, sodass niemand auf unzutreffende Aussagen eingehen kann. Eine Form der Diktatur von einseitigen Meinungen und Informationen?


Ein Beispiele:

Um die Schädlichkeit von Impfungen zu belegen wird ein Beitrag aus „Zentrum der Gesundheit“ (ZdG) aus dem Jahre 2016 verbreitet (in Sozialen Netzwerken geteilt).

Überschrift „Spanische Grippe - Eine JahrhundertlügeDer/die Verfasser/in wird nicht namentlich genannt.


Es finden sich Aussagen wieder, die bereits im Mai 2009 verbreitet wurden:

Titel damals: „Spanische Grippe 1918“


Zitat (jeweils kursiv) aus dem (anonymen?) Beitrag des ZdG – mein Kommentar jeweils in Normschrift darunter:

Auffällig ist, dass die Spanische Grippe die Eigenschaften genau jener Krankheiten hatte,
gegen die diese Leute direkt nach dem 1. Weltkrieg geimpft worden waren (Pest, Typhus,
Lungenentzündung, Pocken). Praktisch die gesamte Bevölkerung war mit giftigen Impfstoffen
verseucht worden.

Da fällt auf: Die erste beiden Wellen der Spanischen Grippe liefen bereits während des 1. Weltkrieges, der erst im November 1918 zu ende ging. Die Spanische Grippe trat in drei Wellen auf, im Frühjahr 1918, im Herbst 1918 und in vielen Teilen der Welt noch einmal 1919.

Es ist also unmöglich, dass die betroffenen Menschen der ersten und zweiten Welle dann schon geimpft worden sein können, wenn die Impfungen direkt NACH den 1. Weltkrieg stattfanden. Wie kann praktisch die ganze Bevölkerung damals mit giftigen Impfstoffen verseucht gewesen sein, wenn es in den meisten Teilen der Welt, in der diese Grippe auch auftrat so gut wie keine Impfungen gab und auch in Europa und den USA keine Massenimpfungen stattgefunden hatten. Gab es damals überall in der Welt Massenimpfungen von Impfungen gegen Typhus und Pest? Welche Lungenentzündung, gegen die geimpft worden sein soll, ist gemeint? Haben die angeblichen Impfstoffe von 1918 noch irgendwas gemein mit den modernen von heute?

Auch in der oben verlinkten andere, älteren Quelle (initiative.cc), eine ähnliche Aussage (als Zitat einer angeblichen damaligen Beobachterin):

Die Krankheit hatte die Eigenschaften des schwarzen Todes (der Pest), der typhusartigen Diphtherie, der Lungenentzündung, der Pocken und der Kinderlähmung in einem... und alle die Leute, die erkrankten und starben, waren mit (gegen?) diesen Krankheiten direkt nach dem 1. Weltkrieg geimpft worden.

Fakt ist, dass es Jahre VOR 1918 bereits Impfungen, vor allem von Frontsoldaten (längst nicht alle nahmen daran teil!), gegen Pocken, Typhus, Cholera, Ruhr – also typische Erkrankungen unter solchen miserablen Hygiene- und Lebensbedingungen gab – mit den damaligen Impfstoffen. Doch die haben ja nichts mit der Spanischen Grippe vor Kriegsende 1918 zu tun, und nichts mit Impfungen danach. Selbstverständlich waren solche Impfungen von Frontkämpfern nötig, da bereits Tausende von Soldaten an den Infektionen erkrankt und gestorben waren.

Ein Grund für die rasche Ausbreitung der Grippe in den letzten Kriegsmonaten ist sicher in den Lebensbedingungen der Soldaten im Feld und in den dicht belegten Kasernenunterkünften und Lagern zu sehen. Dazu den schlechten Ernährungs-und Lebensbedingung auf dem Schlachtfeld und auch in der Heimat. Auch in den USA lebten Soldaten dicht an dicht in Kasernenunterkünften, steckten sich und massenweise die Bevölkerung an, wenn sie in die Umgebung gingen. War die Bevölkerung der USA (da kommt die angebliche Augenzeugin her) vor Beginn der ersten Grippewelle nahezu flächendeckend durchgeimpft?

Und was ist gemeint,wenn es heißt die Spanische Grippe hätte die Eigenschaften der Erkrankungen, gegen die vorher geimpfte worden wäre? Gleiche Symptome? Oder nur ansteckend wie diese? Was ist eine „typhusartige Diphtherie“?

Wir wissen: Menschen mit manchen akuten und chronischen Vorerkrankungen haben deren Symptome auch weiterhin, wenn sie die Influenza dazu bekommen. Entsprechend kann die Grippe dann der Tropfen sein, der den vorbelasteten Körper „ertrinken“ lässt. Das war auch damals so.

Menschen mit Typhus hatten die Symptome des Typhus und überlebten dann wegen der Zusatzinfektion mit Grippe diese Typhus nicht. Typhus war damals immer mal auch in Großstätten im Deutschen Reich (vor allem Abwasserhygienemängel) eine Plage. Lungenentzündungen, egal welcher Ursache, waren bei Soldaten, die gesundheitlich geschwächt waren und bei der geschwächten Zivilbevölkerung nicht selten. Dazu dann die Grippe als Förderer des Versterbens. Tuberkulose war eine verbreite Krankheit in all den Ländern, in denen die Grippe sich verbreitete. Es ist kein Wunder, wenn dann Tuberkulosekranke, die zusätzlich die Grippe bekamen, sterben konnten.

Dazu kommt gerade bei den Soldaten im Krieg, die miserable kriegsmedizinische Situation. Die Ärzte waren weder von der Ausbildung noch von der Ausstattung damals für die Aufgaben gerüstet. Ein Beitrag des Spiegel oder auch des Ärzteblattes (nichts für schwache Gemüter) vermag einen Eindruck vermitteln, auf wie wenig Gegenwehr die Grippeerreger stoßen mussten:


Aber die Grippe damals hat nicht die Symptome von z.B. Typhus oder Pest gemacht, sonst wäre sie als Typhus oder Pest diagnostiziert worden, trotz den beschränkten Diagnosemitteln damals.


Zitat aus dem ZdG-Beitrag: „Soweit bekannt ist, erkrankten ausschliesslich Geimpfte an der spanischen Grippe. Wer die Injektionen abgelehnt hatte, entging der Grippe. So auch die Augenzeugin Eleanora McBean:...“

Es ist nicht bekannt, dass ausschließlich Geimpfte an der Spanischen Grippe erkrankten. Wer hat damals überhaupt in den vielen verschiedenen Ländern das notiert? Und vor allem, wäre dann doch in Ländern, in denen fast keine Menschen geimpft waren, die Ausbreitung – entgegen den Fakten – gar nicht möglich gewesen. Und für was ist diese Person damals 1918/1919 Augenzeugin gewesen? Hat sie die USA bereist? Europa? Asien? In welcher Region der USA lebte sie?

Wie viele Menschen – darunter auch Frontsoldaten -, die nicht geimpft waren starben an den entsprechenden Seuchen? Wie viele Menschen, die diese Krankheiten überstanden hatte, starben an er Grippe? In den verschiedenen Ländern, in denen sie auftrat? Es gibt keine verlässlichen Zahlen dazu, nur reine Spekulationen und Legenden zu den Grippekranken aufgrund von Impfungen nach Auftreten der ersten Wellen. So wie hier im ZdG-Beitrag.

Sie (die Augenzeugin) wird zitiert (aus einer Übersetzung und Bearbeitung eines englischen Textes durch einen Impfkritiker, Hans Tolzin): „"Meine Familie hatte alle Schutzimpfungen abgelehnt, also blieben wir die ganze Zeit wohlauf. Wir wussten aus den Gesundheitslehren von Graham, Trail, Tilden und anderen, dass man den Körper nicht mit Giften kontaminieren kann, ohne Krankheit zu verursachen."

Soll das etwas ein Versuch sein, zu beweisen, dass solche Gesundheitslehren, die im Grunde der alten Humoralpathologie entstammen, wirksam sein sollen?

Was kann so eine Einzelaussage Jahrzehnte später noch zum Geschehen auf der Welt belegen? Und vor allem, was kann diese belegen zu dieser Darstellung:

Nach der Unterüberschrift „Höchste Todesrate unter den geimpften Soldaten“ folgt de Aussage: „Cassel zitiert noch eine weitere Autorin, Anne Riley Hale aus dem Jahr 1935: "Wie jedermann
weiss, hat die Welt noch niemals solch eine Orgie von Impfungen aller Art gesehen, wie die
unter den Soldaten des (ersten) Weltkriegs." Auch diese Autorin stellt fest, dass gerade unter
den "gepiekten Männern der Nation" die höchste Todesrate bei Tuberkulose auftrat.


Was hat das, die Tuberkuloserate bei Soldaten unter den miserablen Hygiene – und Lebensbedingungen des Schlachtfeldes und der Lager, mit der Spanischen Grippe zu tun? Es ist ein Segen unter diesen Bedingungen, die jedwede Infektionskrankheit rasant sich ausbreiten lässt, wenn man damals schon erste Impfstoffen hatte. Viele Soldaten wären an solchen Infektionskrankheiten wie Gelbfieber, Typhus usw. gestorben. Schon die Grippewellen des letzten Kriegsjahres 1918 (Grippeviren waren unbekannt, Impfung dagegen gab es nicht) haben große Zahl von Soldaten betroffen, die natürlich allein schon wegen der extremen psychischen und physischen Belastungen der Umstände der Grippe erlagen. Nicht weil sie geimpft waren (soweit man das konnte) sind sie an Grippe verstorben. Weil sie geimpft waren, sind viele nicht an den geimpften Infektionskrankheiten elend verreckt.

Wenn man dem link folgt, der mit den Namen Anne Riley Hale verbunden ist, kommt man zu einem Beitrag, der über ein Buch dieser Person berichtet. Abgesehen davon, dass darin die Existenz von Viren als Ursache von Infektionskrankheiten bestritten wird, findet sich dieses Zitat:
Doch nicht nur die massenhaften Vergiftungen der Menschen mit den Impfstoffen, auch die Übermedikation sowie der allgemein schlechte Zustand der Menschen nach dem schlimmen Kriegswinter 1917/1918 (Unterernährung, hygienische Zustände, psychische Faktoren) liessen die Pandemie entstehen.“
Da wird genau auf die schlechten Lebensbedingungen damals hingewiesen, auf denen einen erhöhte Krankheitsanfälligkeit basiert. Da stellt sich erneut die Frage, welche „massenhafte Vergiftung mit den Impfstoffen“ sollen die Menschen in den Grippegebieten ohne Krieg und ohne geimpfte Soldaten (nur ein Teil der Bevölkerung!) und mit kaum Impfungen überhaupt gehabt haben? Und was ist unter Übermedikation (unter den miserablen Bedingungen 1918) überhaupt zu verstehen?


Zitat aus den ZdG Beitrag nach der Unterüberschrift "Mehr Tote durch Impfung als durch feindliche Gewehre":

Während des ersten Weltkrieges gab es in den USA das geflügelte Wort, es würden mehr Soldaten durch Impfungen umgebracht als durch feindliche Gewehre.

Hieß es nicht: „Mehr Tote durch Infektionen“ oder „mehr Tote durch Mediziner“...?

Der verlinkte Beitrag aus dem Ärzteblatt teilt den Spruch so mit:
der ab Mitte des Jahres 1915 unter Soldaten kursierende Spottspruch, keine Krankheit sei so harmlos, als dass sie nicht
durch Hinzuziehung eines oder mehrerer Militärärzte unmittelbar zum Tode führen könne.


Und weiter der Beitrag des ZdG:

Diese Aussage stamme von Dr. H. M. Shelton, dem Autor von "Vaccines and Serum Evils." Laut General Goodwin habe die britische Armee 7.423 Fälle von Typhus verzeichnet. In der französischen Armee habe es 113.165 Fälle bis Oktober 1916 gegeben. In beiden Ländern sei die Typhus-Impfung Pflicht gewesen.


Für wen war die Typhusimpfung Pflicht und ab wann? Für die gesamte Bevölkerung oder nur für die Soldaten? Auch angesichts der Millionen Soldaten an der Front sind die behaupteten Typhusfälle viele. Nun wäre es wichtig zu erfahren, wie viele der Erkrankten die Impfung - erst Pflicht geworden NACHDEM und weil so viele Fälle aufgetreten sind - nicht erhalten hatten oder nur unzureichend und dann an Typhus erkrankten.

Einen Eindruck auch von der Impf-und Seuchenlage bei Soldaten vermag dieser Beitrag vermitteln:


Weiteres Zitat aus ZdG: „Es gibt also viele Stimmen, die Massenimpfungen als mögliche Ursache der Spanischen Grippe in jener Zeit bestätigen. Diese Dokumente auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, ist ohne Vorliegen der Originalpublikationen natürlich nicht einfach.

Die Überprüfung ist einfach: Es gibt erst seit den 1960er Jahren diese Masernimpfung. Sie kann also keine mögliche Ursache der Spanischen Grippe gewesen sein. Also ist eine solche Stimme (viele Stimmen) erkennbar unwahres Gerede?

Aus den aufgezählten Schlussfolgerungen des ZdG Beitrages zitiert:
Die Symptome der Spanischen Grippe sind als mögliche Wirkung von Impfungen
bekannt.
Mehrere Ansteckungsversuche mit gesunden Freiwilligen, die von Erkrankten
angehustet wurden, blieben ohne Folgen. Die Spanische Grippe war also nicht
ansteckend.
Erst die Nachahmung einer Impfung, nämlich Injektionen bearbeiteten
Körperflüssigkeiten von Erkrankten, führte auch zur Erkrankung der Versuchspersonen.

Was sind das für Gedankengänge? Die Symptome einer Grippe sind die Symptome einer Grippe. Die Symptome einer Impfung sind wohl als Impfreaktionen anzusehen. Diese kennt man. Lokale Reaktionen an der Einstichstelle (kein Grippesymptom), kurzzeitige Temperaturerhöhung (kein Grippefieber), vielleicht kurzzeitige Muskel- und Knochenmissempfindungen. Kein typisches „Zerschlagenheitsgefühl“ wie bei einer echten Grippe. Vor allem gibt es solche (übrigens nicht genannten!) Symptome der Spanischen Grippe, wie jeder Grippe, auch bei vielen anderen Erkrankungen – ohne jeden Impfzusammenhang – in mehr oder minder starker Form. Ein völliges „Luftargument“ also. Denn was müsste alles noch Impffolge sein?

Zu den Ansteckungsversuchen schreibt die oben schon verlinkte Quelle (aus der das ZdG seinen Beitrag inspiriert bekam?):


Da ist die Rede von gesunden Matrosen (wo waren die alle schon auf dieser Welt) , die (seit wann?)
im Gefängnis saßen und denen eine Begnadigung versprochen wurde, die teilgenommen haben solle. 39 hätten angeblich keine Grippe vorher gehabt (woher weiß man das?), „„Die Marineärzte sammelten das zähflüssige Sekret aus den Nasen und Rachen todkranker Männer und sprühten es einigen Testpersonen in deren Nasen und Rachen, anderen in die Augen.“

Dann sind es 10 Personen, die sich von Kranken anhusten ließen, bei einer soll Nasensekret eines Kranken in die Nase gerieben worden sein. Niemand davon sein Grippekrank geworden. Ein ähnliches Experiment unter noch strengeren Bedingungen fand in San Francisco statt, diesmal mit 50 in Gefängnissen einsitzenden Matrosen. Das Ergebnis war für die Ärzte gleichermassen unvorhergesehen: „Zu aller Überraschung wurde keine einzige Testperson krank.
Wenn nicht an Grippe, woran erkrankten diese Männer dann? Und waren da nicht Personen dabei, die auch schon geimpft waren? Die hätten je dann sicher erkranken müsse? Mich erinnert das an Experimente, die deutsche Ärzte an Kriegsgefangenen und Häftlingen gemacht haben. Wer rühmt sich heute solcher Taten?

Dass die Spanische Grippe ansteckend gewesen sein muss, ergibt sich aus der Zahl der Erkrankten in kurzer Zeit weltweit. Und daraus, dass viele davon ganz eng unter schlechten Hygienebedingungen zusammenlebten.

Wenn man einem Erkrankten Körpersekrete entnimmt, in denen Grippeviren sein können, und das dann ohne Sterilisation und ohne Fremdeiweiße zu entfernen (?) anderen Menschen injiziert, hat das nichts mit einer Impfung (abgetötet oder abgeschwächte Erreger) zu tun, sondern mit gefährlicher Körperverletzung. Und muss zum Krankheitsausbruch führen. Doch ich kann nicht nachlesen, was so etwas gemacht worden wäre.

Das Fazit des ZdG Beitrages:

Eine angemessene Schlussfolgerung
Die vielfach übereinstimmenden Berichte und Zitate sprechen eher dagegen, dass die
Spanische Grippe durch irgendein mutiertes Virus verursacht wurde, das quasi mit
Überschallgeschwindigkeit für die gleichzeitige Ausbreitung auf mehreren Kontinenten sorgte.
.
Fazit: Die vielfach übereinstimmenden Berichte und Zitate sprechen eher dafür, dass die
Spanische Grippe in Wirklichkeit ein globales Impf-Desaster war.

Von Überschallgeschwindigkeit kann keine Rede sein. Die Berichte und Zitate sprechen nicht gegen eine Viruserkrankung und legen in keiner Weise die Idee eines globalen Impfdesasters nahe. Nicht könnte so etwas als Fakten belegen und im Grunde ist nicht nachzuvollziehen, wie jemand sich eine solche Meinung bilden könnte.

Doch verbreitet sich dieser ZdG Beitrag durch eifriges Teilen in sozialen Netzwerken und Zitieren in Blogs.


Ich habe den Eindruck:

Es ist eine immer wieder benutzte logisch nicht nachvollziehbare Argumentation von (einigen) Impfgegnern: Man stellt Vermutungen an, teils mit erkennbar fehlerhafter Grundlage, ist aber nicht bereit, diese irgendwie nachzuweisen. Man dreht dann das ganze um: die rein spekulative Vermutung gilt als belegt, solange nicht andere (natürlich auf eigene Kosten) mit teuren langwierigen wissenschaftlichen Studien das Gegenteil belegt haben. Etwa in dem Stil: „es laufen viele grüne Marsmännchen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind, bei uns herum. Dass man sie nicht sieht, beweist ihre Existenz, denn sie sind ja unsichtbar. Und das gilt so lange, bis jemand nachgewiesen hat, dass es etwas nicht gibt, was es nicht gibt.“

Zum Abschluss noch eine „Anekdote“, die Quelle, aus der sich vielleicht der ZdG Beitrag inspirieren lies, hat veröffentlicht:


Da müssen die Masernimpfungen, die es damals gar nicht gab, für solche unschlüssigen Ideen herhalten:
Zwar gibt es bei keinem Impfstoff einen wissenschaftlich fundierten Wirkungsnachweis in Form eines Vergleichs der Gesundheitsdaten von Geimpften und Ungeimpften, die "veröffentlichte Meinung" ist sich jedoch sicher, dass die Pocken ganz und die Kinderlähmung beinahe durch Massenimpfungen ausgerottet wurden.


Masernimpfungen sollen also Pocken ausgerottet haben und Kinderlähmung beinahe!


Und weiter im Text:
Merkwürdig nur, dass die Massenimpfungen gegen Pocken weltweit ca. 160 Jahre lang ohne jeden Wirkungsnachweis durchgeführt wurden und ihr Ziel nicht erreichten: Erst als die Weltgesundheitsbehörde WHO in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die Massenimpfungen schrittweise zurückfuhren, verschwanden die Pocken innerhalb weniger Jahre.
Merkwürdig: Als festgestellt wurde, dass es keine Pockenfälle mehr weltweit gab (in den 70ern) , wurde die gesetzliche Impfpflicht gegen Pocken aufgehoben. Mit Masernimpfungen hat das nichts zu tun. Auch nicht damit, dass Masernimpfungen angeblich schrittweise zugeführt wurde. Die begann sich da erst zu verbreiten. Auch als Doppelimpfung zusammen mit Mumps. Doch eine Masernimpfung gegen Pocken, die weltweit 160 Jahre lang ohne jeden Wirknachweis durchgeführt worden wären? Wer glaubt denn an so was?


Ein aktiver Impfkritiker mit eigener Zeitschrift und Webseite, schreibt betreffend seinem Internetauftritt

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Hans U. P. Tolzin


Vielleicht wäre das auch passender Risikohinweis für den ZdG Beitrag? Wer sich nicht in der Lage sieht, Texte auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu reflektieren und dazu neigt, Internet-Inhalte kritiklos zu übernehmen, dem sei dringend davon abgeraten, diesen Beitrag zu lesen und die verlinkten Seiten zu besuchen.


Impfkritiker haben es manchmal nicht schwer, einem Laien etwas „vorzumachen“ wenn der die Fakten nicht kennt aber mit eigenartiger Logik konfrontiert wird. Es ist die Aufgabe von Heilkundigen, hier klare Informationen dagegen zu stellen. Schon um Menschen, die sich für sich und ihre Kinder frei für die Impfungen entscheiden nicht in Angst behaftete Zweifel zu treiben. Meine ich.


Freie Entscheidung braucht zutreffende Informationen – ob für oder gegen Impfungen

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Donnerstag, 1. Juni 2017

Krebskranke nicht zum Werkzeug machen

Immer wieder lese ich, wie Angehörige, Freund, Bekannte, oder einfach nur Personen, die von jemandem mit schwerer Erkrankung (einer Krebsform z.B.) berichten, der von der „Schulmedizin“, von Ärzten miserabel behandelt worden wäre und durch deren Therapien (meist wird Chemo genannt) Schaden genommen hätte, vielleicht wegen dieser Therapie statt einer (im Regelfall gar nicht konkret genannten) alternativen Therapie überlebt hätte.


Das zeigt ein Problem auf, das mir in den nun rund 35 Jahren als Heilpraktiker immer wieder begegnete, in der Zeit, in der über das Internet „Verschwörungstheorien“ verbreitet werden und Geschäfte mit alternativen Verfahren beworben und betrieben werden, meine ich es zunehmend zu sehen: Die Betroffenen (Kranken) werden immer wieder von Angehörigen, „Freunden“ und gar nicht sach- und fallkundigen „Ratgebern“ bedrängt. Sie werden verunsichert, eigene Entscheidungen aus sich heraus zu treffen, es wird die zunächst begonnene (schulmedizinische) Therapie madig gemacht. Es werden Zweifel, insbesondere durch Verschwörungstheorien, sogar an der Redlichkeit der Behandler geweckt und erst recht an den begonnenen oder vorgeschlagenen Therapie: „Die Pharmamafia will nur Geld verdienen mit Menschen, die krank gemacht werden. Die Ärzte werden davon gelenkt. Die Pharmamafia will mit allen Mitteln verhindern, dass wirksame alternative Therapie, manchmal nur in Form von Vitaminen oder Gemüsesmoothies, an der diese Mafia nichts verdient, bekannt werden“. So klingt es nicht selten.

Da werden angebliche Berichte von Tausenden angeblich geheilter Menschen durch „Wundermedizin“ eines mehr oder minder berühmten Arztes (?) angeführt, die die Wirksamkeit (verschiedenster) Heilweisen und Mittel (von Blausäureabkömmlingen bis geheimnisvollen Energiestrahlen) sicher beweisen sollen. Jedoch gibt es keine von der Diagnose über alle durchgeführten Maßnahmen bis zum Endergebnis dokumentierten Fälle zum nachlesen. In manchen Fällen finden sich in „Lobhudelbüchern“ zitierte Mail, in denen jemand behauptet, durch das jeweilige Wunderding geheilt worden zu sein. Sind das die Hauptanteile an den „Heilungsfällen“?

Es fällt auf, dass die vielen Ratgeber, von Familienangehörigen an bis zu Bücherschreiber und Blogaktivisten, in vielen Fällen nicht mal wirkliche Kenntnisse über die Fülle der Krebserkrankungen, Verläufe und auch „Heilungsquoten“ zu haben scheinen. Wer nur immer verallgemeinernd von Krebs schreibt oder schreibt weiß vielleicht gar nicht, über was er sich auslässt?


Ich möchte hier aus meiner langen Erfahrung berichten:

Der Erkrankte ist die Person, die die Entscheidungen über sich zu treffen hat. Und im Regelfall kann sie es auch am Besten. Gerade bei Erkrankungen die zum Tode führen können, kommt es zu Konflikten, die der Betroffene überhaupt nicht zusätzlich braucht. Er hat genug damit zu tun für sich selbst, keinen anderen, Kräfte zu haben. Er hat an sich selbst zu denken.

Da mischen sich nun Angehörige ein, für die der Betroffene etwas empfindet, deren Befinden im immer wichtig war und weiter ist. Diese haben viel mehr Schwierigkeiten – und das obwohl sie gar nicht von der Krankheit selbst betroffen sind – dass die eigentliche „Hauptperson“ dem Sterben nahe sein könnte. Warum sie damit nicht zu Recht kommen, warum sie immer wieder versuchen, dem Kranken durch was für Ideen und Ratschläge auch immer, abzuverlangen, dass er Hoffnungen haben soll, die ihm selbst fern liegen, müssten diese Personen für sich klären.

Es ist für Angehörige wichtig, Unterstützung zu bekommen, den Zustand eines nahestehenden Kranken einfach mal zu akzeptieren und dem Kranken es zu überlassen, was er für sich machen oder lassen will.

Es ist nicht selten so, dass die Angehörigen wegen eigenem Leidens nicht wahr haben wollen, was der Kranke längst spürt und auch (ja es ist oft so) für sich akzeptiert. Dabei kann es irgendwann soweit sein: Der Kranke gibt nach und verhält sich so, wie es die „leidenden“ Angehörigen für sich wünschen. Er will diese beruhigen, irgendwie deren Leid therapieren, und letztlich für sich keine weiteren Konflikte, gar mit Angehörigen, haben wollen.

Da bleibt der Kranke auf der Strecke mit all seinen Bedürfnissen und seinem eigenem Leid (bei den er Trost und Hilfe braucht, nur weil die „Gesunden“ mit sich und der Situation nicht klar kommen. Solche Menschen können keine Hilfe sein.

Wenn dann auch noch fachlich völlige Laien irgendwelchen „Geschäftemachern mit alternativen Therapieideen auf den Leim gehen“ vielleicht eigenen Frust mit Gott und der Welt so verarbeiten möchten, und las Ratgeber immer neue Vorschläge machen - nein im Grunde diktatorisch darauf drängen wollen, dass sich der Kranke mit deren Ideen nicht nur auseinander setzt, sondern sie gefälligst annimmt - in welche (verzweifelte) Lage zwingen sie diesen dann!

Die wohl dümmste Aussage ist, was man in dieser Lage des Kranken mache würde. Man ist nicht in der Lage und wie man dann entscheiden würde, unter dem Druck, kann der, dem es jetzt gut geht NICHT absehen. Auch die Frage an einen (Fach-)Therapeuten, wie er sich entscheiden würde, leidet unter diesem Mangel. Auch wenn der Fachmann viel genaueres Wissen um Konsequenzen hat, wieder der Laie, der irgendwelchen Ratschlägen folgt. Solche Ratschläge kann er kaum prüfen, er fällt da oft auf angeblich besonders tolle Referenzpersonen rein und als Hauptargument hört er dann, dass die Idee schon deswegen richtig ist, weil „Schulmedizin und Pharmamafia“ lügen, die Presse manipulieren usw.

Wie soll dann ein Kranker überhaupt frei entscheiden, wenn er bedrängt wird, zu glauben, dass die behandelnden Fachleute ihm nicht helfen wollen, nur benutzen.

Man bringe Sachverhalte vor, die man selbst beurteilen kann (Wissen), nicht Namen von angeblich berühmten Personen, nicht irgendwelche Artikel aus parteiischen (Kämpfer gegen Chemotherapie und Schulmedizin) Medien, oder man schweigt. Die behandelnden Personen sind zu objektiver Aufklärung verpflichtet, auch zu objektiver Aufklärung über Verfahren und Mittel „alternativer“ Art. Und es gibt die Zweit-und Drittmeinung von Fachleuten. Aber immer objektiv.

Übrigens: Auch der, der alternative Heilweisen anbietet, hat daran ein Interesse, dass er diese „verkaufen“ kann. Also, immer, wenn da aggressiv gegen „Konkurrenten“, irgendwelche „Systeme“ usw. gewettert wird, Vorsicht. Das gilt vor allem für Angehörige, Freunde und andere Ratgeber, die zu solchen Personen raten.

Der Betroffene weiß, sich zu entscheiden, er spürt seinen Zustand. Darum aufhören, diesen ständig zu belabern, gar eine Form von Druck und geradezu Terror aufzubauen, damit er in einer dem „Ratgeber und seiner Weltauffassung“ passenden Weise handelt.

Ich beobachte, dass Kranke zur Keule, zum Werkzeug, werden sollen, um bestimmte Meinungen, die der „Lehrmeinung“ widersprechen, durchzuprügeln. Im Interesse des Nichtbetroffenen.

Man lasse einen Menschen auch friedlich sterben, begleitet durch die lindernde Medizin, wenn er durch seine Krankheit und deren Verlauf dem Tode zuschreitet. Wunderheilungen sind immer, auch dann, noch möglich. Doch jemandem Lebenszeit zu stehlen, indem man ihm mehr oder minder dazu drängt, Zeit für irgendwelche Therapieversuche aufzuwenden ohne tatsächliche Wirkwahrscheinlichkeit, zu investieren – oder im Streit mit dem Ratgeber Lebensqualität zu verlieren – nutzt dem Kranken nicht. Unter so manchem Druck dieser Art ist für den ohnehin Belasteten kaum eine freie Entscheidung möglich.

Das als Appell zum Wohle und zur Freiheit des vielleicht todkranken an einer Krebsart Leidenden.

Copyright K.-U.Pagel 06.2017

Montag, 10. April 2017

Heilkunde und Nebengeschäfte

Vertrauen in Heilberufe hilft bei Nebengeschäften

Gedanken eines um die Heilkunde als besondere Tätigkeit Besorgten.

Die Ausübung der Heilkunde ist kein Gewerbe und kein Handelsgeschäft. Sie hat nichts mit freiberuflichen Dienstleistungen zu tun, die man zum Zwecke des Verbesserns der tagtäglichen sportlichen, beruflichen usw. Leistungsfähigkeit (Coaches, Personal Trainer) oder der Interessensdurchsetzung, auch aus wirtschaftlichen Interessen (z.B. Rechtsanwälte und Steuerberater) buchen kann. Damit kann der Mensch für sein tagtägliches Leben zusätzlichen Gewinn erzielen. Diese freien Berufe sind deswegen der Umsatzsteuer unterworfen.

Die Ausübung der Heilkunde hat als Kennzeichen, dass der, der diese in Anspruch nimmt, im Grunde sich das nicht selbst frei ausgesucht hat. Er ist wegen krankheitsbedingter Einschränkung des täglichen Lebens dazu gezwungen. Der Patient lässt durch die Heilkunde seine Leistungsfähigkeit, seine "Lebensfähigkeit" wieder herstellen, die er "schicksalhaft" verloren hatte. Ein Zusatzgewinn, der letztlich Vermögen, Prestige usw., vergrößern könnte, ist durch Gesundheit wiederherstellende Heilkunde nicht gegeben.

So sind z.B. kosmetische und schönheitschirurgische Eingriffe, die nicht zur Behandlungen von Erkrankungen erforderlich sind, private "Lebensverbesserer", auch wenn zur Durchführung heilkundliches Wissen und die Erlaubnis zur Heilkundeausübung vorhanden sein müssen.

Gerade wegen der Angewiesenheit des Leistungsempfängers auf Maßnahmen zur Erkennung und Linderung/Heilung von Krankheiten ist die Heilkundeausübung besonders gestellt. Man kann (sollte) einfach kein Geld damit verdienen, dass man dafür wirbt, dass sich Leute krank fühlen, gar tatsächlich krank werden um dann irgendwelche von diesen „gewonnenen Kunden“ ausgewählte Behandlungen zu „verkaufen“.

Kann man nicht? Es scheint mir so, dass das zumindest versucht wird. Ich habe den Eindruck, dass auf der einen Seite Personen, die davon leben (vielleicht reich werden wollen) dass sie Kranke - die keine andere Wahl haben, wenn sie nicht leiden wollen - gegen Honorar behandeln, die Kriterien dafür, wann man behandlungsbedürftig krank ist, nach Gusto festlegen können. Siehe die immer mal wieder sich ändernden "Normwerte", nach denen selbst Personen, die gar keine Symptome haben - vielleicht nie bekommen, als dringend behandlungsbedürftig eingestuft werden. Denn: Die Herstellung und der Verkauf von Arzneien ist keine Heilkunde, sondern ein umsatzsteuerpflichtiges Geschäft zum Kapitalzuwachs. Über den Einsatz der Arzneien entscheidet der Heilberufler gemäß den treuhänderischen Grundsätzen (dem Patienten gegenüber) von Notwendigkeit und Angemessenheit. Es ist dem Heilberufler, ob Arzt oder Heilpraktiker deswegen verboten, Arzneien nach „Vergütung durch den Händler/Hersteller“ abzugeben. Betreffend den Ärzten ist inzwischen auch das Strafrecht entsprechend ergänzt worden („Korruption“).

Auf der anderen Seite leben so manche "Medien", besonders im Internet, davon, solche Angaben (die Patienten erst schaffen, Menschen, die sich behandlungsbedürftig fühlen, erzeugen) zu verbreiten und vielen Menschen nahezulegen, sich in die Behandlungen zu begeben. Ansonsten: Früherer qualvoller Tod, auch wenn man derzeit noch gar nichts bemerkt. Die Branche der Prävention - die inzwischen immer mehr in die Heilkunde verschoben zu werden scheint, obwohl gerade gewerbliche (freiberufliche) Dienstleister OHNE Heilkundeausübungserlaubnis hier tätig werden -, boomt und wirbt offen oder versteckt für ihre Geschäfte. Darf sie. Und diese Branche will möglichst den Wunsch des Einzelnen, noch besser leben zu können, in immer größere Gewinne verwandeln. Es wird ja oft nicht nur statistisch ermittelte Krankheitsvermeidung (Angst vor Krankheiten beim Konsumenten angestoßen) sondern auch Erhöhung der normalen Leistungsfähigkeit und Vorteile im täglichen Konkurrenzkampf damit verbunden.

Und der Heilkundler, der im Grunde nur davon lebt, dass andere ungewollt krank werden und nur davon lebt, solange die noch krank sind, was hat der davon? Als Heilkundler als solcher gerade nichts. Die Ansprüche an ihn sind hoch: Er darf nur anbieten, was tatsächlich bei der tatsächlich vorhandenen Krankheit (nicht Lebensunzufriedenheit oder irgendwelchen anderen Wünschen) im konkreten Einzelfall sinnvoll und notwendig anzuwenden ist. Auch wenn man vielleicht in vorliegenden Fall damit keine großen Gewinne machen kann. Gewinn mindernd ist es, wenn man als Heilberufler dann noch mit wenig gezielten Mitteln rasch viel erreicht. Gerade das ist im Interesse des Patienten, dessen Wohl der Heilkundler im Zentrum seiner Tätigkeit sehen muss. Es wird erwartete, dass man als im Grunde für den Patienten treuhänderisch Tätiger ("Anwalt dessen Gesundheit"), diese objektiv und umfassend berät und keine versteckten Nebengeschäfte (neben der zu zahlenden Heilkundeleistung) erbringt. Die Frage: „Darf es ein wenig mehr sein“, hat in der Heilkunde im Grunde nichts verloren. Zusatznutzen wäre Umsatzsteuer pflichtig.

Daraus, aus diesem „treuhänderisch Tätigsein“ entsteht das große Vertrauen, welches Patienten in ihre Heilkundler setzen (können müssen!).

Kann man das nicht doch noch anders nutzen? Einkünfte neben der Heilkundeausübung erzielen? Das Grundgesetz kennt die Berufsfreiheit als hohes Gut. Warum nicht noch NEBEN (nicht in, das wäre ja treuwidrig?) der Heilkundeausübung weitere Berufe/Geschäftstätigkeiten? Z.B. im provisionierten Verkauf - der Verkaufsförderung - von Waren und Dienstleistungen tätig werden? Es muss ja nicht im Sinne der Korruption sein. Passend wäre dabei der Gesundheits/Wellnesssektor, denn mit der Nennung der heilkundlichen Berufsbezeichnung erhöht man gewaltig seine Glaubwürdigkeit in Kompetenz, wenn man Gesundheitsaussagen macht. Dazu hat man den Vertrauensvorschuss, dass man ja nicht Menschen etwas empfehlen würde, was denen schaden könnte, schon aus Berufsethos nicht.


Da bieten sich verschiedene Modelle an:

Man kann in Firmen aus der Gesundheits-Wellnessbranche gegen "Aufwandsentschädigungen" in "(wissenschaftlichen) Beiräten" sitzen und die Firma kann damit dann werben. Man verkauft gar nichts und ist ja als Beirat im Grunde nur Berater (wenn man gefragt wird), ohne dass man die Produkte tatsächlich für gut halten muss. Schauen Sie sich mal um, wie viele Personen mit Rang und Namen - oder mit dem Interessen diese zu bekommen - als solche Beiräte erwähnt werden.

Wie wäre es mit einem Buch (zu irgendwelchen Gesundheitsdingen oder wunderbaren alternativen Therapien)? Zum einen kann man am Buchverkauf verdienen - gerade auch, wenn man schnell im Selbstverlag oder mit entsprechenden "Verlegern für das eigene Buch" kostensparend zusammenarbeitet. Natürlich sollte es ein wenig reißerisch und wunderbar erscheinen. Das kann dann vielleicht zusätzlich mehr Patienten in die Praxis bringen? Man kann ja seiner Praxisseite im Internet zufügen: "Der bekannte Autor des Buches ... zu dieser und jener Krankheit oder Heilmethode." Hebt die Kompetenz für diese Heilkundeausübung (Methoden) gleich noch hervor.

Wie wäre es mit Blogs im Internet? Nicht als Praxisseite, da wäre man zu sehr über das Heilmittelwerbegesetz in den Darstellungen beschränkt, nein: als Blog für „Meinungsverbreitung“. Erscheint man mit interessanten, am besten alternativ zur Schulmedizin und vielleicht passend zu bestimmten Interessengruppen, Themen, bekommt man rasch viele "Aufrufe", Leser. Und das Bekanntmachen des Blogs geht über soziale Medien und Netzwerke, auch gerade berufliche, schnell und kostengünstig. Nun kann man die Blogs mit Werbung versehen lassen (verschiedene Modelle werden da angeboten) und bekommt dafür Geld, dass man seinen vielen Leser mit der Werbung konfrontiert.

Noch besser: Man wählt die Beiträge so, dass sie passend zu Produkten oder Dienstleistungen sind, für die Werbeanzeigen zugefügt werden. (Auch passend für die eigene Praxis, auf deren Seiten sich der Blogleser vielleicht umsieht?) Man hat dadurch zweierlei erreicht: "In diesen Informations- und Meinungstexten" kann man Aussagen treffen, die gar nicht haltbar sind, vielleicht gegen die Beschränkungen verstoßen, die bei der direkten Produktwerbung oder den Verkaufsaussagen dazu verboten sind. Solche Beiträge kann man sich dann besonders honorieren lassen.

Passend könnte noch dem Blog eine "Shopseite" zugefügt werden, über die man als Verkäufer oder Vermittler "passende" Produkte direkt anbietet. Man hat so einen Laden. Wer als Heilkundler (wenn er irgendwie mit entsprechende Berufsbezeichnung erscheint) nicht als Ladenbetreiber direkt auffallen möchte, kann ja diesen Shop als "Empfehlungsseiten" bezeichnen und darüber, dass entsprechende Produkte direkt verlinkt sind mit dem Händler Provisionen erzielen?

Das ist alles legal und vielleicht auch eine clevere Einkommensschaffung.

Dem steht allerdings der Beruf des Heilkundeausübenden (Arzt, Heilpraktiker, Psychotherapeut, sektoraler Heilpraktiker) mit seinen besonderen Anforderungen, Patientenerwartungen und dem riesigen Vertrauen entgegen, wenn man diese Geschäfte mit der Heilkundeausübung am Patienten verbindet.

Wie geht das zusammen? Kann man sich so trennen, dass der eine Teil objektiv und ehrlich den Patienten (Kranken) berät und alles von dem fern hält, was nicht für die KONKRETE individuelle Behandlung unnötig, vielleicht schädlich ist und der andere Teil solches breit auf den Markt bringt, vielleicht damit diesem Patienten empfiehlt? Kann man den Patienten warnen und vor unnötigen Geldausgaben schützen, überzogene Werbeaussagen aufdecken, vom Produkt abraten usw.?

Gerade in einem Bereich, - bei den Heilpraktikern, auch bei sektoralen, die nur in einem Bereich überhaupt tätig werden dürfen -, in dem der Konkurrenzdruck immer mehr steigt, aber die Nachfrage nach konkreter Heilkunde nicht im gleichen Maße, ist die Notwendigkeit für "Nebengeschäfte" vielfach gegeben. Und der Wunsch nach Werbung für die eigenen Heilkundeangebote, die am besten nach dem ausgerichtet werden, was gerade - auch in Blogs - als besonders toll dargestellt wird, ist der nicht verständlich?

Doch letztlich wird dann die Öffentlichkeit mit immer mehr "verkaufs-zielgerichteter Information" überschüttet, aus vielleicht glaubwürdig erscheinender Quelle, sodass der Laie kaum noch erkennen kann, was richtig und falsch ist.

Schadet sich so der Heilkundler betreffend der Heilkundeausübung nicht am Ende selbst?



Übrigens: Die ursprüngliche Version der 1. Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz sah ausdrücklich vor, dass der Antragsteller für die Erlaubnis zur Heilkundeausübung ausdrücklich erklären musste, dass die Heilkunde NICHT neben einem anderen Beruf ausgeübt werden soll.

Danach wäre die gewerbliche/freiberufliche Vermittlung/der Verkauf von Waren und Dienstleitung nicht erlaubt, da es sich gerade nicht um die Ausübung der Heilkunde gemäß Gesetzesdefinition handelt. Vor allem nicht unter Ausnutzung des Heilberufes. Man sah wegen der Berufsfreiheit, die das Grundgesetz später garantierte, keinen gewichtigen Grund, dieses Mehrfachbetätigungsverbot in der Heilkunde aufrecht zu erhalten.

Für Ärzte ist vorgesehen:

§ 3 Berufsordnung für Ärzte
Unvereinbarkeiten
(1) Ärztinnen und Ärzten ist neben der Ausübung ihres Berufs die Ausübung einer anderen Tätigkeit untersagt, welche mit den ethischen Grundsätzen des ärztlichen Berufs nicht vereinbar ist. Ärztinnen und Ärzten ist auch verboten, ihren Namen in Verbindung mit einer ärztlichen Berufsbezeichnung in unlauterer Weise für gewerbliche Zwecke herzugeben.
Ebenso wenig dürfen sie zulassen, dass von ihrem Namen oder vom beruflichen Ansehen der Ärztinnen und Ärzte in solcher Weise Gebrauch gemacht wird.
2. Ärztinnen und Ärzten ist untersagt, im Zusammenhang mit der Ausübung ihrer ärztlichen Tätigkeit Waren und andere Gegenstände abzugeben oder unter ihrer Mitwirkung abgeben zu lassen sowie gewerbliche Dienstleistungen zu erbringen oder erbringen zu lassen, soweit nicht die Abgabe des Produkts oder die Dienstleistung wegen ihrer Besonderheiten notwendiger Bestandteil der ärztlichen Therapie sind.

Copyright K.-U.Pagel 04.2017

Sonntag, 2. April 2017

Einsamkeit macht kränker - und abhängigkeitsgefährdet?

Soziale Einsamkeit als pathogener Faktor

Die Süddeutsche hat ein Thema aufgegriffen und (am Beispiel einer banalen Erkältung) auf eine Studie verwiesen:

URL: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/psychologie-einsame-kranke-leiden-besonders-1.3443278

<Wer sich sozial ausgeschlossen fühlt, leidet stärker unter Krankheits-Symptomen.>

Zitate:

<"Es ist zwar schon länger bekannt, dass Einsamkeit die Wahrscheinlichkeit erhöht, an diversen chronischen Leiden zu erkranken und früher zu sterben", sagt Angie LeRoy, die an der Studie beteiligt war.>

<Das Gefühl der Einsamkeit war interessanterweise auch bei jenen Menschen vorhanden, die zwar etliche Bekannte haben, sich aber nicht wirklich aufgehoben und in die Gemeinschaft integriert wähnen.>


Haben wir hier eine Variante des "Placebophänomens" (Nocebophänomen, es macht ja kränker) zu tun? Nein, mit Physiologie/Biologie (dazu zählen auch Prozesse der Anpassung des Organismus an Umwelt- und soziale Bedingungen).

Es ist ein biologischer Unterschied, ob man einfach nur so mit anderen Lebewesen auch der gleichen Art zusammen ist oder sich als Einheit mit diesen erlebt. Das Zusammen-Vorhanden sein bedeutet biologisch-soziologisch-psychologisch immer auch Bedrohung, anhaltenden Stress. Denn man konkurriert um gleiche Nahrung und Resourcen im gleichen Lebensraum. Immer ist zu befürchten, dass "feindliche" Übergriffe dem anderen Vorteile dabei bringen sollen. - Vielleicht ein Phänomen, das auch zum Fremdenhass gehört?

Man kann also durchaus mit Vielen Kontakt haben, also nicht alleine sein, ohne dass das Gemeinschaft und Sicherheit bedeutet. Hier bieten so manche "Arbeitsteams" erschreckende Beispiele. Man ist oberflächlich einem gemeinsamen (Gewinn-)Ziel (fremder Interessen - Firma, Kapitalgeber) verbunden, aber im Grunde bietet der dabei sehr intensiv bestehende Konkurrenzdruck - auch Boni und Wunsch nach Weiterbeschäftigung am nächsten Projekt spielen da eine Rolle - Anlass zu Selbstausbeutung und Mobbing.

Fühlt man sich irgendwie in einer Gruppe geborgen - auch wenn das nur über die Verbundenheit einer gemeinsamen Ideologie oder auf die eigene Person bezogene Zielsetzung ist - und hat den Eindruck, dass die Gruppe (Familie, Glaubensgemeinschaft) unterstützt und schützt, vermag das das Selbstempfinden, auch Empfinden von (Krankheits-)Leid zu verändern. Manches wird erträglicher. Etwas unerträglich zu empfinden verstärkt das Gefühl, dass man hilflos und kaputt, eingeschränkt lebenfähig, ist.

Eine Gefahr, die aus "angstmachenden " Präventionsvorgaben entstehen kann. Da wirkt der Eindruck, dass man sich nicht aus sich selbst erhalten kann (wenn man nicht Bestimmtes tut), vielleicht als Bremse für die Aktivierung genetisch programmierter Selbstkorrekturen. So wie das positive Selbstgefühl, "WIR schaffen das" als Verstärker dienen kann.

Es scheint mir so, dass schon das tiefe Vertrauen, dass ein Gott bei einem ist, solche Selbsterhaltungsfunktionen etwas stärker aktivieren kann, als das Gefühl im Grunde (trotz der Vielen drumherum) einsam zu sein. Allein "auf die Jagd gehen zu müssen, ohne Gruppenschutz und -unterstützung".


Zitat:
<In früheren Untersuchungen hatten Wissenschaftler gezeigt, dass einsame Menschen auch empfindlicher auf Schmerzreize reagieren. Ihre Schmerzschwelle ist durch das Gefühl der Isolation verändert, sodass die Ausgrenzung geradezu körperlich nachempfunden wird.>

Menschen, die insbesondere in Glaubensgemeinschaften (egal in welchen) leben, scheinen länger zu leben und auch eher mit Krankheiten fertig zu werden (und sei es nur, diese besser ertragen zu können). Beispiele können sein die sogenannten "Heilungsgottesdienste" bestimmter Glaubensgemeinschaften, das Treffen vieler im gemeinsamen Glauben und Hoffen auf Wunder in Lourdes oder Fatima.

Schon die Ehe scheint das Leben länger währen zu lassen als das Singledasein im Alter.

Wieviel Raum nimmt denn eine solche soziale Anamnese, die die "Einsamkeit" erfassen soll, heute noch in der Heilkunde ein?

Wie sehr wird beachtet, dass Therapien, seien es psychische oder körperliche (Krankengymnastik u.ä) in der Gruppe den Kranken mit gemeinsamem Leid und Ziel, Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung geben können - über die Chance, Gemeinsamkeiten zu finden und Einsamkeiten zumindest im Bereich der Krankheitsempfindung zu reduzieren?

Da liegt meiner Auffassung nach auch der für manche helfende Aspekt von Yogagruppen, Abnehmgruppen, Fastengemeinschaften u.a. begründet. Nicht Yoga heilt, das Gefühl, hier zumindest in einem gemeinsamen Raum zu sein - und damit Leiden besser ertragen zu können - ist wohl wesentlich. Vielleicht mehr nur als ein reiner Placeboeffekt.

Man kennt den Effekt auch beim Yoga: Die Gruppe mit begleitenden Aktivitäten, gemeinsamen Ideen und Vorstellungen zur Welt, lässt die gleichen Übungen besser wirken als wenn diese alleine nach vorherigen Anweisung durchgeführt werden.

Da liegen auch Gefahren: So manche Patienten kommen zum Therapeuten, Arzt, Heilpraktiker nicht nur mit dem Leid sondern auch der Hoffnung eine "Minigruppe" bilden zu können, durch das Verständnis der Therapeuten zumindest nicht mehr ganz einsam mit seinem "Schmerz" zu sein. Schmerz nicht selten der Ausdruck (laute Schrei) der Einsamkeit?

Darüber können dann leicht "Zusatzgeschäfte" dessen, dessen Nähe der Patient zu bekommen hofft, geschehen: Man geht auf "Angebote von Verkauf oder Dienstleistungen zusätzlich" ein (mancher Grund z.B. für den Bezug von IGel-Leistungen), bis hin, dass man zum "Jünger bestimmter Weltanschauungen" des Therapeuten (und dessen selbst) wird. Ich sehe hier z.B. den Hang (Wunsch) zur "Neuen Germanischen Medizin", zu anthroposophischen oder theosophischen Weltanschauung, gar, verschwörungstheoretischen Kreisen zuzugehören, als mögliche Formen.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich vor ca. 40 Jahren Balintgruppern von Ärzten kennenlernen durfte, in denen die Mitglieder versuchten, gerade auch erkennen zu lernen, wenn sie als Therapeuten in die Gefahr kamen, Patienten für eigene Interessen auszunutzen - und das dann zu vermeiden und an sich selbst zu arbeiten.

Sehe ich es falsch, wenn ich heute eher das Gegenteil, gerade bei alternativen (weltanschaulischen) Therapeuten sehe? Es wird offensichtlich daran gearbeitet, gerade die Abhängigkeit zu nutzen? PatientenBINDUNG ist das Ziel, nicht diesen von der Therapie und von Therapeuten unabhängig zu machen?


Copyright K.-U.Pagel 04.2017

Dienstag, 14. Februar 2017

Das Leben lebt vom Tod

Das Leben lebt vom Tod

Gedanken – provokant und polemisch - (dennoch) zum nachdenken?

Vielleicht hilft es, den vielschichtigen Text in Portionen zu lesen, Gedanken erst mal ruhen und kommen zu lassen, dann wieder anzuknüpfen?

Andere Perspektiven – ergänzende Gedanken zum Themenbereich bei:

Wie erlebt das Lebewesen selbst sein Leben und den zu erwartende Tod?

Geschäfte mit der Krankheitsangst:

Rolle der Heilkunde:


Lebewesen, Tiere (Menschen) wie Pflanzen bestehen aus Zellen, die einen eigenen Stoffwechsel haben. Manche bestehen nur aus einer einzige Zelle, bei anderen bilden mehrere bis unzählig viele einen „Gemeinschafts-Organismus“. In dem ist jede Zelle auf die andere angewiesen und manche Zelle „opfert“ sich für die Gemeinschaft, so die Zellen der Haut und Schleimhaut, die sich als Schutzschilder abnutzen lassen. Zellen, die sich – siehe die sich opfernden Zellen – teilen, um neue Zellen nachwachsen zu lassen. Und Lebewesen pflanzen sich fort, als ein weiteres Merkmal des Lebens.

Einschub: Viren sind keine Lebewesen. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und können sich selbst nicht fortpflanzen. Es sind „Informationen“, geschrieben aus Genmaterial, welche sich in andere Zellen aufnehmen lassen und dieser Zelle ihr Programm aufzwingen. Die Zelle arbeitet dann im Interesse des Virus – wer immer diese Information in die Welt gesetzt hat. In der Regel gegen das Interesse der Zellgemeinschaft des Organismus – kennen wir von den Krebserkrankungen.

Bei den einzelligen Lebewesen ist die Art der Vermehrung (Fortpflanzung, Fortentwicklung) durch Zellteilung erkennbar mit dem „Tod“ der Ursprungszelle (Mutterzelle) verbunden. Sie, die schon einige Zeit des Lebens hinter sich hat, ist mit der Teilung weg, dafür sind zwei neue Zellen da, die sich in der ersten Lebenszeit aufbauen müssen (Zellorganellen dazu bilden, größer werden). Die geteilte Zelle hat ihre Bauteile auf die Tochterzellen verteilt, diese sind also quasi von Material her gerade die Hälfte der Mutterzelle – und enthalten das Genprogramm der Mutterzelle.

Das Wunder: Jede dieser Tochterzellen beginnt mit der Teilung, dem Tod der Mutterzelle, die eigene Lebenszeit neu. Muss sich entwickeln, bis sie selbst groß genug ist, um sich wieder zu teilen (aus Tod neues Leben zu werden). Doch die Zeit, in der die Teilung möglich ist, ist begrenzt. Wird diese Zeit überschritten, ist die Teilung nicht mehr möglich. Ohne Teilung ist der Lebensstrang dieser Zellen zu ende. Doch ist die Mutterzelle wirklich tot? Als Individuum ja, aber das Leben, was in ihr steckte geht weiter, nun sogar in mehreren Individuen.

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum eine Teilung nicht erfolgt, von Bau-und Entwicklungsfehlern nach der Teilung bis hin zu Faktoren aus der Umwelt. Vom veränderten Nahrungsangebot ausgehend bis zur Einwirkung von anderen Lebewesen (z.B. über deren für diese Zelle giftigen Stoffwechselprodukten). Absoluter Nahrungsmangel lässt die Entwicklung zur teilungsfähigen Zelle stoppen und gibt der teilungsfähigen Zelle das Signal, die Teilungsprogramme nicht zu aktivieren, zu warten und hoffen auf bessere Bedingungen.

Das kennen wir doch auch für uns Menschen als Extrem-vielzelligen-Organismen? Schauen wir die Zellen an: Üppiges Nahrungsangebot lässt diese wachsen und gedeihen. Knapper werdende Ressourcen erhöhen die Teilungsbereitschaft, damit möglichst viele Zellen des einen Stammes da sind, damit bei absolut nachteiliger Situation doch die eine oder andere Zelle überleben könnte und der Stamm nicht ausstirbt. Und dann, wenn die Bedingungen lebensfeindlich geworden sind? Der Organismus kann dann eine eine ressourcensparende Wartephase (extrem: Apathie)gehen, in der Hoffnung, dass sich die Lage wieder bessert.

Wir machen uns zur Aufgabe, Menschen in „der Dritten Welt“ mit Hunger und Armut davon zu überzeugen, dass sie besser leben könnten, wenn sie weniger Kinder bekommen. Doch können diese Menschen verstehen, dass die Erfahrung, dass man viele Kinder haben muss, damit davon wenige überleben und auch später die Familie unterhalten können, falsch sein soll? Falsch in einer Lebensumgebung die sich nicht „freundlicher“ entwickelt?

Wir kennen das aus der Geschichte der Menschheit: Dem feindlichen Stamm den Nachwuchs nehmen, damit dieser „ausgelöscht“ wird als Konkurrent des eigenen Stammes (Volkes). Und positiv im Spruch bei z.B. Schiffsunglücken (bei der Rettung) „Frauen (tragen die Eizellen) und Kinder (sind der Keim aus dem der Stamm sich regenerieren kann) zuerst!“


Bei uns Menschen ähnelt es dem, was bei Einzeller passiert: Durch Zellteilung entsteht ein neuer Mensch – Teilung der Eizelle nach „Befruchtung“. Dann Weiterentwicklung aus zunächst kleinen Zellen, die zusammen das Volumen der Eizelle insgesamt haben, die dann nach beginnender Spezialisierung durch vielfache Teilung und Materialaufnahme (Wachsen einer Zelle) zu einem Vielzellorganismus werden. Aber immer als „Volk aus einer Zelle“, als „Volk“ von Zellen gemeinsamer Interessen und Angewiesenheit aufeinander. Dieses „Volk von Zellen“ gibt neues Leben aus seiner Ei- oder Samenzelle, und stirbt dann irgendwann gemeinsam auf einen Schlag, auch wenn schon vorher Zellen wegen „Krankheit“ ausgeschieden sind. Doch es lebt, wenn auch mit der Fortpflanzungszelle eines anderen Volkes verbunden, im Grunde genommen weiter.

Zum Leben an sich gehört neben eigenem Stoffwechsel des Lebewesens, welcher es wachsen lässt (zur Fortpflanzungsfähigkeit) und regenerieren lässt (zum Ausgleich des Verschleißes durch die Lebensumstände) auch das Bestreben der Weiterentwicklung, der Bildung von vielen Lebensformen. Ziel dabei ist, das Leben als Prinzip fortbestehen zu lassen durch Anpassung an veränderte Bedingungen. Bei Einzellern (z.B. Bakterien), die sich aus sich selbst heraus teilen, geschieht das durch Mutation.

Dabei wird im in der Zelle gespeicherten und an die Nachkommen weitergegebenen Lebensprogramm (Genom) „bewusst“ in Kauf genommen, dass bei der Neuorganisation/ der Regeneration nach der Teilung und schon bei der Teilung selbst „Fehler“ passieren. Bau- und/oder Funktionsvariationen auftreten. Wenige und selten bei einem Einzeller, jedoch bezogen auf die Gesamtzahl und die kurzen Zeiten zwischen Teilung und erneuter Teilung (Generation) eine beachtliche Zahl. Nur wenige der wenigen mutierten Einzelzellen – aber viele in der Gesamtschau – sind lebens- und vermehrungsfähig. Die, die es sind, sind das oft nicht optimal. Aber einige können sich den vielleicht veränderten Lebensbedingungen besonders gut anpassen und überleben, auch wenn die Zellen des „Ursprungsstammes“ zugrunde gehen. Der Stamm lebt nicht mehr, aber das Leben als solches besteht fort, als Variation des Stammes - aus dem Tod der Mutterzellen und trotz veränderten, vielleicht feindlichen (dem Ursprungsstamm) Bedingungen.

Bei Vielzellern ist das Zellteilungsprinzip (befruchtete Eizelle als Stellvertreter zweier Organismen) zwar vorhanden, aber der Zufall der Mutation als Chance der Anpassung des Lebens an geänderte Bedingungen, ist zu einem mehr oder minder Auswahlprinzip geworden. Es bedarf eines Lebewesens, welches die „Eizelle“ gibt (mit viel Material drin für viele Teilungen ohne externe Stoffzufuhr) und eines anderen Lebewesens, welche die „Samenzelle“ dazu gibt, mit den Eigenschaften und Fähigkeiten dieses Lebewesens. Die Ei-und die Samenzelle stellen mit ihren Genen den „Repräsentanten“ des jeweiligen vielzelligen Organismus dar.

Jedes dieser vielzelligen Lebewesens (Organismen mit Zellen eines genetischen Grundprinzips/Interesses trotz der unterschiedlichen Funktionen) kann mehrere Nachkommen haben. Begrenzung: die Zahl der bereits mit Geburt angelegten Eizellen und deren Reifungsfähigkeit zur befruchtbaren Eizelle und die Fähigkeit, Samenzellen in funktionsfähigem Zustand jeweils „aus den Lebensumständen und Bedingungen heraus“ neu zu bilden. Die Reifungsfähigkeit der Eizellen unterliegt einem zeitlichen Limit (Klimakterium).

Neues Leben aus dem Leben ohne (späteren) Tod des „Lebensspenders“?

Nein. Die Organismen, die durch „geschlechtliche“ Fortpflanzung (zwei ergeben dann jeweils – meistens – einen, aber das mehrfach nacheinander) neue Organismen werden lassen, kümmern sich zumindest Anfangs um diese „Kinder“. Geben aus eigener Substanz für diese ab: Muttermilch, eingesetzte Kraft zur Nahrungssuche/-gewinnung usw. Und für die Mutter sind das Schwangersein und die Geburt ein Todesrisiko. Väter mussten nicht selten darum kämpfen (gegen andere möglichen Vätern), „besamen“ zu dürfen. Auch bei uns Menschen müssen Besamer“, wenn sie vom „Weibchen“ dazu zugelassen werden sollen, Einsatz bringen: Toll und stark wirken, Geld bieten usw. Und wenn das Kind da ist – Frauen könnten auch ohne Männer gute Mütter sein: entweder verschwinden oder sich für die Mutter (für die Kinderaufzucht) nützlich zeigen und bleiben dürfen. Kostet Kraft und auch Zellmaterial des Organismus – bedeutet Verschleiß.

Doch ist und bleibt (Auswandern auf den Mars wird noch lange Zeit nur Utopie bleiben) der Lebensraum auf der Erde begrenzt. Die Ressourcen der Erde bleiben beschränkt – müssen sich immer wieder regenerieren (wie das Leben). Und die Erde bietet immer wieder Veränderungen aus ihrem eigenen „Lebensprozess“ heraus (Klima, Erdbeben usw.) sowie aus den Einflüssen, denen sie im Kosmos ausgesetzt ist (angefangen bei der Sonnenfunktion bis zum Asteroideneinschlag).

Lebewesen – vor allem nicht der gleichen Art, mit nicht den gleichen Bedürfnissen und Notwendigkeiten – können auf begrenztem Raum nicht unbegrenzt an Zahl zunehmen. Der Ackerboden regeneriert sich aus abgestorbenen Pflanzen und anderen Lebewesen, um neuen Pflanzen Material zu bieten. Auch Tiere leben von aufgenommenen Zerfallsprodukten abgestorbener anderer Tiere und Pflanzen. Sie fressen und verdauen diese, um zu leben.

Man hat gelernt, dass immer nur dieselbe Ackerfrucht auf den selben Boden irgendwann nicht mehr gedeihen kann – weil sie alles notwendige Material verbraucht hat, ohne dass neue wieder dazu kam. Man hat gelernt, dass aus anderen Pflanzen, die in Zeiten zwischendurch auf diesem Boden ihre Nährstoffe finden konnten und gedeihen konnte, nach deren Absterben wieder Material für die früheren Ackerfrüchte sich ansammeln konnte.

Wenn also die eine Ackerfrucht einfach auf ewig auf diesem Acker wohnen will, setzt ihr schon die Ressourcenerschöpfung eine Grenze. Ihr „Tod“ gibt dann anderen Raum, deren Tod wieder anderen usw. Doch die Menschen haben gelernt, künstlich diese Ressourcen zu ersetzen (-Kunst-Dünger) und so lange Zeit hohe Erträge der Ackerfrucht für den Eigengebrauch zu erzielen. Und damit immer mehr Menschen zu ernähren. Scheinbar wurde so die Lebensdauer der Menschen gegenüber früheren Zeiten verlängert. Der Tod aufgeschoben. Jedoch: Der künstliche Dünger und die Mittel, die anderen Pflanzen das Leben kosten, damit mehr gewünschte Ackerfrucht auf diesem Boden wachsen kann, wirken langsam auf den Menschen zurück, vergiften diesen schleichend über das Trinkwasser und manche Substanzen stehen im Verdacht, auch die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Die Bestrebung, besser und länger zu leben, später oder möglichst gar nicht zu sterben, lässt dann weniger neues Leben entstehen?

Die Ausbreitung des Lebens, von der Zahl der Lebewesen her, findet dort ein Ende, wo sich Lebewesen der gleichen Art Raum und Nahrung nehmen und Konkurrenz zu anderen Arten auftreten. Auch „beste“ Kunstdünger und Pestizide können keine unendlich steigende Nahrungsproduktion bewirken.

Wir kennen das doch als Menschen: Um uns ausbreiten zu können nehmen wir anderen Lebewesen den Lebensraum und deren Lebensmittel. Holzen Wälder ab für unsere Wohnungen, Heizungen oder für Schiffe, mit denen wir Fischefangen fahren können. Die Tiere, die dafür in unsere Pflanzungskulturen ausweichen wollen, dezimieren wir, feindliche, konkurrierende Arten habe wir inzwischen ganz aus dem Buch des Lebens gestrichen. Absichtlich oder fahrlässig. In jedem Fall aber, weil wird den Wert dieses Lebens nicht erkennen konnten. Und die Menschheit wird dennoch – vielleicht deswegen – ihrem Tod nicht entrinnen können.

Mit begrenzter werdendem Lebensraum und dem Eindruck, dass es für einen Stamm, eine Volk nicht mehr reichen könnte, wird jeder Fremde vom Gebiet fern gehalten. Der Mensch wird des Menschen (Tod-) Feind. Wir erleben ja deutlich solche Auswüchse: „Wir zuerst - Deutschland den Deutschen, Amerika first – Großbritannien muss britisch bleiben“. Eifersüchtig wird auf die Wirtschaftskraft geschaut: „Wir kaufen von denen mehr, als sie bei uns kaufen – sie nehmen uns so langsam alles weg und lassen uns letztlich aushungern.“ Oder auch: „Solange eine Gemeinschaft mir selbst mehr Vorteile als Anstrengungen bringt, bin ich dabei – aber die Gemeinschaft als neuer Organismus, für dessen Leben es sich zu arbeiten lohnt – nicht mit mir“.

Gerade die „reichen“ Länder haben das Problem schon lange gezeigt, ohne seine Ursache wahrhaben zu wollen: Überalterung bei fehlendem eigenen Nachwuchs (zugezogene Neubürger gelten nicht, allenfalls als „Fresskonkurrenten“). Wir geben kaum noch Leben, wollen aber nicht mehr Platz schaffen (sterben). Neues Leben braucht den Tod des Alten, schon des Platzes wegen. Einsetzen für eigene Kinder? Erst, wenn die Karriere (eigene natürlich) steht. Gemeinsame Verantwortung im Sinne einer Elterngemeinschaft (Familie)? Solange es Spaß macht und Prestige und Ansehen (wir haben eine eigene „Eltern-kult-kultur geschaffen) bringt, ja. Aber wenn es Mühe macht, Verzicht auch eigenen „Genusses“ für die Gemeinschaft bedeutet, dann nicht mehr. Die Ehe als Lebensgemeinschaft für die „Aufzucht eigener Kinder und die Unterstützung der Aufzucht deren Kindern“ ist nicht mehr. Ein Wirtschaftsbetrieb der dem Eigennutz dient. Bei Auflösung wird geschaut, was wer eingebracht hat und welche Vor- oder Nachteile der jeweils andere ausgleichen muss. So als ob die Zeit des gemeinsamen Wirkens für die Gemeinschaft nicht zählt.


Und wir wundern uns, dass immer mehr alte Menschen da sind, die dann von den wenigen und immer weniger werdenden jungen ernährt werden wollen. Und wenn dann die Alten durch lebenslange Arbeit für sich selbst sorgen wollen (und es gesundheitlich auch könnten), dann fehlen einfach Arbeitsplätze für die Jungen. Sie werden nicht „natürlich“ frei. Der Konsum kann nicht wachsen, wenn Konsumenten nicht dazu kommen oder die kein Geld für den Konsum haben. Arbeitsplätze ohne Konsumenten? Ja bisher ging das gut, weil Konsumenten in anderen Ländern unsere Arbeitsplätze ausgelastet sein ließen.

Nun wollen andere Völker nicht mehr hergeben, als sie bekommen. Denn sie wollen ja selbst überleben, möglichst ewig leben. In der Geschichte hat man das gelöst, indem man andere Völker per Krieg unterwerfen konnte und Abgaben erzwingen konnte. Auch heute fühlt man sich an solches erinnert.

Und nun die Medizin und Heilkunde – als Wirtschaftsfaktor mittels dessen einige Menschen noch schnell für „schlechte Zeiten“ Vorräte (Geld und Macht) ansammeln wollen.

Der nahezu unsterbliche ewig gesunde (vitale und reiche) Mensch wird zum Ziel eines jeden Menschen erklärt, und das Ziel wird als erreichbar dargestellt. Man muss eben nur zum Nutzen einiger weniger Geld investieren und kritiklos deren Eingriffe ins persönliche Leben (Gesundheitsratschläge, Präventionsregeln). Länger und gesünder, am besten noch wohlhabend leben, am besten niemals sterben, durch Konsum wird’s möglich?

Wie kann man selbst reich werden, wenn man anderen das Geld in den Beutel steckt? Wie kann man gesund bleiben, wenn man die individuellen eigenen Bedürfnisse und Gegebenheit nicht beachtet? Wenn man sich entpersonifiziert und für einen Statistik-Alien hält, der irgendwelchen „Studienergebnissen“ entsprechen will?

Wenn das Virus der gelenkten Zweckinformationen das Gehirn am eigenen Denken hindert, wie gesund bleibt das eigene Hirn?

Dass einzelne Lebewesen, ob Einzeller oder vielzelliger Organismus, unsterblich sein sollen, immer ohne Verschleißzeichen altersunabhängig optimal funktionieren, das ist nicht Wesen des Lebens. Das ist lebensfeindlich, denn das begrenzt die Zahl der möglichen Organismen insgesamt und vor allem der gleichen Art in einem begrenzte Lebensraum mit – ohne Regenerationsmöglichkeit - schwindenden Ressourcen. Das Alte lässt dem Neuen keinen Raum – und (das beobachten wir doch seit geraumer Zeit) will kein Neues mehr ins Leben kommen lassen – oder kann es durch zu alt werden beim (statt) erstem Kind nicht mehr.

Man hat viele Ruhestandsjahre mit gutem Einkommen. (Längst nicht alle Menschen, aber die, die länger leben, weil sie reicher und sozial besser gestellt waren/sind) Diese Menschen, die eben das Geld haben, auch noch im Alter, sind die, auf die sich die „Gesundheitswirtschaft“ stürzt. Daneben die (inzwischen wenigen und immer weniger werdenden) Jungen, die auch sozial und wirtschaftlich gut da stehen und fürs Alter noch gut sparen können, als Zielgruppe für Lifestyle und Wellness/Prävention.

Schon mal im Fernsehen die Werbespots (ist es Spott und Hohn für die gering verdienenden Jüngeren?) gesehen, bei denen ein wohlstandsreicher Pensionär einem mittelalten Karrieristen Ansporn für dessen Geldgeschäfte/private Altersvorsorge sein soll?

Sterben tun die Ärmeren, Kranksein ergibt sich aus deren Lebensumständen. Wenn diese letztlich kaum noch Kinder ernähren können, keinen Wohn- und Lebensraum mehr zusammen mit diesen haben werden, wer zahlt dann die Rente/Pensionen der Greise, die sich mittels Geldeinsatz zum Jüngling spritzen lassen um mit diesem um die jungen Frauen zu konkurrieren? Mit denen sie aber keine Kinder zeugen wollen, denn die stören ja das freie Leben des reichen „Lustgreises“.

Welche Krankheiten muss sich die Natur noch ausdenken, um dem Treiben ein Ende zu machen? Um endlich wieder Leben zu sichern, weil der Tod dieses fördern kann?

Warum ist es noch immer kaum verstanden, dass es Krankheiten gibt, weil ein Lebewesen immer älter wird? Alterskrankheiten (Zivilisationskrankheiten auch?) sind von der Natur gewollt, vom Prinzip Leben gewollt und das Leben bewahren zu können und seine Weiterentwicklung zu ermöglichen.Muss die Natur erst ihre katastrophale Macht zeigen und die Erde durch rütteln? Muss erst der zum Egoismus irregeleitet Geist Kriege anzetteln, die dem Tod wieder seine Lebenserhaltende Funktion wieder geben?

In Würde alt werden bedeutet auch, die eigene Sterblichkeit nicht mehr zu fürchten, weil sie dem Egoismus widerspricht, sondern das nachfolgende Leben zu hegen, dafür zu sorgen, dass es nicht im Müll der - niemals vergehenden - Altgeneration erstickt und wegen Mangel an „guter“ Nahrung verkümmert.

Haben früher begrenzte Ernten die Menge der Menschen limitiert, so beginnt heute das alles, mit dem wir noch immer Überfluss aus begrenztem Boden herausdopen. uns schleichend zu vergiften. Pestizide in der Nahrung schalten dann den Schädling Mensch aus? Sie sorgen dafür, dass er erkennt, dass er nicht ewig leben soll, aus Lebensprinzip nicht?

Was machen wir in der Heilkunde? Statt uns vordringlich darum zu kümmern, dass „unnötige“ Krankheiten und Leiden gelindert werden, um Arbeitskraft auch für die Gemeinschaft zu erhalten, suchen wir immer mehr danach, wie man (irgend ein Statistikwesen) leben sollte, essen, trinken Sport treiben, um möglichst wenige „Verschleißkrankheiten“ zu bekommen und möglichst lange zu leben. Dabei entwickeln wir Programme, Dienstleistungen und Waren, an deren Verkauf wir und wenige andere verdienen. Damit sich das „Normalmensch“ leisten kann, muss er mehr verdienen, entsprechend mehr berufliche Leistung bringen – bis zum Burnout, den wir ja verhindern wollten.

Die ganze (teure) „Vorbeugerei und Gesundleberei“, die sich längst nicht immer mit der Realität der Arbeits- und Sozialwelt vereinbaren lässt, dient im Grund genommen wieder dem Kommerz: Mehr und länger beruflich viel leisten können, trotz steigender Belastung und sinkendem Realeinkommen - nutzt dem Profit der Konzerne, um mal ein plattes/plakatives Schlagwort zu verwenden.

Das spart aber der Allgemeinheit (Krankenversicherungen, Sozialsysteme) keine Kosten. Immer teurere Therapien und Medikamente für Krankheiten, die einfach natürliche Folge sind des zunehmenden Alterns, bringen steigende Ausgaben, zu den Kosten für „Prävention“ vor diesen Krankheiten dazu. Deren Nutzen wird wirklich erst in Jahren und Jahrzehnten zu erkennen sein – wenn er denn existiert.

Man spricht von Zivilisationskrankheiten, also Krankheiten, die durch Zivilisation, modernes technisiertes Leben in allen Bereichen meinen wir wohl damit, entstehen.

Warum jammern wir, wenn wir diese Zivilisation doch wollen, dass wir dafür die Folgen tragen müssen? Wer will auf moderne Nachrichtenübertragung (Mobiltelefon usw.) verzichten, nur weil die im Rufe steht, sie könne schädliche „Strahlungen“ erzeugen.

Nichtrauchern ist es immer mehr gelungen, die Gifte, die Raucher in die Umgebung abgeben von sich fern zu halten. Aber wie können sich „Nichtsmartphoner“ schützen? Dürfen die überhaupt die Entfaltung der „Smartphoner“ so einschneidend beeinflussen, dass Handymasten und W-Lan Sender verboten werden? Und der Feinstaub durch Autos, der viele krank machen könnte? Keine Verbrennungsmotoren mehr? Und wer hilft den wirtschaftlich schwachen Autofahrern Elektroautos neu zu kaufen? Sollen die doch mit Bussen und Bahnen zur Arbeit und wieder nach Hause fahren, wenn es denn welche gibt. Pendler, die in der Stadt arbeiten und mit dem Auto hinfahren, weil sie auf dem Lande (mit schlechten ÖPV) billiger ein Haus bauen konnten, wer bringt die zur „allgemeingesundheitlichen Räson“?

Modern (zivilisiert) leben ohne die Risiken und Folgen zu akzeptieren? Auch dieses Leben bringt den Tod und vielleicht danach/daraus ein neues (besseres) Leben?

Selbst wenn wir alle Verschleißteile des des Organismus – ja die gibt es, weil Leben Veränderung und ständig Reparaturbedarf bedeutet – möglichst „in Watte packen“ (lebt man dann?) oder einfach durch Ersatzteile (menschliche Spenderorgane oder technische Apparaturen) ersetzen, werden wir älter und schreiten auf den Tod zu. Älter werden richtet sich nicht nach dem kosmetischen Aussehen oder lässt sich durch Nahrungsergänzung aufhalten, sondern richtet sich nach den Jahren, die wir unseren Organismus gebraucht haben.

Können wir den Wert unseres Lebens schätzen, dankbar für das gelebte Leben sein (mit all seinem Verschleiß), wenn wir einfach nicht genug bekommen können? Und dann neuem Leben den Raum nehmen aber unsere „Exkremente“ dem überlassen?

Haben wir nicht dadurch, dass wir das Leben bekommen haben auch ein Recht darauf auch zu leben? So lange und so gut es geht? Warum sollen denn nicht einige, denen es wirtschaftlich besonders gut geht, auch auf Kosten der anderen, denen es nicht so geht, sich alles Leisten können, um möglichst lange möglichst gut zu leben? Warum nicht? Leben ist Privatsache und geht andere nur solange was an, wie diese für die Privatsache eines Anderen nutzen bringen können?

Schwer? Insbesonders dann, wenn wir wissen, dass das Leben als solches nur durch Tod (weiter) lebt. Ist „das ewige Leben“ an jeweilige konkrete Lebewesen geknüpft oder meint das nicht das Leben an sich? Dem wir aber mit unserem zeitlich begrenzen Menschenleben dienen können?

Copyright K.-U.Pagel 02.2017