Dienstag, 29. November 2016

Abnehmen, was hilft?

Abnehmen, aber wie?

Ich habe mich mit verschiedenen Studien beschäftigt, die den Abnehmeffekt (also ob Teilnehmer am Ende Gewicht verloren haben) verschiedener Methoden belegen sollten. Ich habe keine gefunden (vielleicht kenne ich ja nicht alle?) die den Beitrag, den die spezielle Methode (z.B. Yogaübungen, geheime Berechnungen aus Blutwerten u.a.) dazu haben, nachweisen konnten. Immer nur den Gesamteffekt: Am Ende abgenommen oder nicht.

Bei allen war im Grunde eine Ernährungsumstellung erfolgt mit typischerweise Reduktion der zugeführten Kalorien (verringerte Portionen) und auch Veränderung der Essgewohnheiten (begrenzte Zahl von Mahlzeiten pro Tag, keine Zwischenmahlzeiten oder Naschen). Meist Reduktion von Fetten und vor allem Kohlenhydraten (mit hohen Glycämischen Index), evtl. Ersatz durch Eiweiße.

Es wurde, auch durch Vorgabe von Rezepten bzw. Anrühren von Pulvern usw., eine intensivere Beschäftigung mit der Nahrungsbereitung und auch den Mahlzeiten selbst erreicht.

In vielen Fällen wurde auch zu (vorher kaum gemachter) Bewegung geraten.

Bekanntlich, dazu braucht es nicht verschiedene Studien zu verschiedenen Däten und Abnehmprogrammen, sind das die wesentlichen Faktoren, die Übergewicht beim sonst Gesunden reduzieren können: Zuviele Kalorien bei zuwenig Kalorienverbrauch. Für bestimmte Kranke ist da besondere Intervention/Vorsicht nötig.

Die Studien haben aber auch gezeigt, dass es einfacher sein kann, die notwendige Disziplin aufzubringen und durchzuhalten und immer wieder neu motiviert zu werden, wenn man das nicht allein macht und auch, wenn das jeweilige Programm sich ins berufliche und soziale Leben gut einfügen lässt. Es ist für die Stimmung (aufhellend) und damit für einen Teil von Übergewichtsproblemen von Vorteil, wenn neben der Bewegung auch (vielleicht neue) soziale Kontakte geknüpft werden können und bei manchen in den Wochenplan neue aktivierende (Gruppen-)Termine eingefügt werden. Das macht ein positiver empfundenes Lebensqualitätsgefühl.

Nachteilig kann sein, wenn das Programm von Mahlzeitenzahl und Zusammensetzung sozial "vereinsamt", dass trotz (teuerer) Betreuung, nicht durchgehalten werden kann. Man kann nicht mehr mit der Familie essen bzw. muss doppelt zubereiten, Ausgehen wird schwieriger, selbst der Kantinenbesuch mit Kollegen kann wegen der Speisenvorgabe schwierig sein. Allein hält man das schlechter durch, als begleitet von einer Gruppe (vorübergehender Kontaktersatz). - Und doch kann die Betreuung manchmal nicht helfen.

Die Frage bleibt aber, ob eine solche allein oder betreut (bezahlt) durchgeführte Abnehmprozedur nachhaltig sein kann. Ein Rückfall in bisherige Essgewohnheiten und körperliche Inaktivität lässt den Yoyoeffekt erwarten.

Im Grunde zeigen die Studien, dass man mit - im Grunde egal welchen - Methoden und Programmen abnehmen kann. Wobei jedoch eine Betreuung (Einzel oder Gruppe) rein statistisch bessere Ergebnisse bringen kann. Es hängt dann wohl einiges/vieles von den psychologische Fähigkeiten des Betreuers ab? Von der "Atmosphäre".

Die gerne angeführten Verbesserungen bestimmter Blutwerte sind weniger auf die spezische Eigenschaft der Methode zurückzuführen als auf den bekannten Effekt der Gewichtsreduktion als solchen.

Will man jemandem helfen beim Abnehmen gehört zunächst eine medzinisch-heilkundlich-psychologische Abklärung des/der Gründe fürs Übergewicht an den Anfang. Wenn hier spezifische Hilfe (heilkundlich) nötig ist, ist diese vorrangig vor der "Wellness".

Auf die Lebensbedingungen und sozialen Gefüge abgestimmte (alltagstaugliche) Empfehlung von Ernährungsweisen wäre dann das eine und eine Anregung zu umsetzbarer zusätzlicher körperlicher Aktivität das zweite, aber nicht zu trennende. Wenn dann auch noch ein Betreuer und Ansprechpartner (in der Heilkundliche Praxis ist meist nicht der zeitliche Raum) hinzugezogen werden kann, könnte ein Erfolg zu erwarten sein.

Was dann aber für den Einzelnen am Ende rauskommt, ist schon wegen der vielen für Übergewicht zuständigen und untereinander wirksamen Gene sowie den "Fressucht" aktivierenden Lebensumstände nicht vorhersehbar. Vor allem auf den anhaltenden Erfolg hin gesehen.


Beispiel für Studien:







Copyright K.-U. Pagel 11/2016

Mittwoch, 2. November 2016

Yoga: Sinnlose Studie? – Gefahr für Glaubwürdigkeit alternativer Verfahren?

Yoga: Sinnlose Studie? – Gefahr für Glaubwürdigkeit alternativer Verfahren?



Da gibt es eine Studienabteilung einer Klinik im Ruhrgebiet, die als Forschungsziel Yoga hat. Leiter ein Psychologe mit Promotion in theoretischer Medizin, dessen langjähriges Hobby das Yoga ist. Es wurde eine Studie gemacht, die feststellen sollte, ob bei stark übergewichtigen Frauen die Teilnahme an diesen speziellen Übungen (also dem Studienleiter bekannt kein „normaler“ Yogakurs) zum Abnehmen am Bauchumfang führen kann. Dauer 12 Wochen. In Zusammenarbeit mit einem Vidaya Yogalehrerverband konzipierte man den speziell zusammengestellten „bauchbetonten“ Yoga Kurs. Nicht dabei: GEZIELTE Kalorienreduktion. Aber wohl: Anregung zu Ernährungsumstellung - und doch ungezielte Kalorienreduktion? Nicht jedoch für die "Kontrollgruppe"?

Die Studie wird im Ärzteblatt wiedergegeben:


Titel dort:
>Yoga bei Frauen mit zentraler Adipositas
>Eine randomisierte kontrollierte Studie

Ziel war:
>Ziel dieser Studie war es, die Wirkung von Yoga auf den Bauchumfang und weitere anthropometrische sowie selbstbeurteilte Parameter bei Frauen mit zentraler Adipositas zu untersuchen.

Ergebnis:
>Schlussfolgerung: Die 12-wöchige Yoga-Intervention zeigte positive, wenn auch moderate Effekte auf anthropometrische Maße und selbstbeurteilte Parameter bei Frauen mit zentraler Adipositas. Da Yoga in dieser Population eine sichere Intervention darstellte, kann das Verfahren zur Reduktion zentraler Adipositas bei Frauen empfohlen werden.

Nur weil Yoga nicht schadet (eine sichere Intervention) ist eine Empfehlung nicht wirklich begründet. Vor allem dann nicht, wenn die Erfolge (harmlos ausgedrückt nur „moderat“ waren) und es zweifelsfrei auch andere Methoden der Bewegungssteigerung gibt, die wohl nicht schlechter sind, vielleicht auch angewendet werden können, ohne für Yogakurse zu bezahlen. Das übrigens, den Vergleich mit anderen Bewegungsförderungen, hat man offenbar nicht machen wollen. Abraten soll man auch nicht. So meine Schlussfolgerung.

Was hat man gemacht? Zeitungsanzeigen aufgegeben und Freiwillige gesucht, die an einer Studie teilnehmen wollen. Wichtig: Übergewicht und größeren Bauchumfang und keinesfalls regelmäßige sportliche Bewegung oder Yoga oder Gewichtsreduktionsmaßnahmen durch Ernährung.

Man hat also Dicke gesucht, die an sich wenig regelmäßige Bewegung machten und eher gerne träge waren. 60 Personen hatte am Ende die Studie umfasst. Warum von diesen 20 Personen einer sogenannten Warteliste zugeführt wurden und keinerlei Übungen machen sollten, so als wenn sie an der Studie nicht teilnehmen würden, ist nicht nachvollziehbar. Außer das Merkmal zu erfüllen, kontrolliert zu sein durch eine Gruppe, die eigentlich gar nichts machte, außer frustriert zu sein, dass sie nicht teilnehmen durften (außer als statistische Zahl)?

Nach welchem Zufallsprinzip wurden die Personen randomisiert? Es fällt auf, das die „Nichtstuer“
auffällig dicker und schwerer waren, als die für Yogakurse vorgesehenen Personen. Und es fällt auf, dass hier Merkmale überwogen, die einem Psychologen hätten den Verdacht erzeugen müssen, dass diese „Nichtstuer“ die größere Wahrscheinlichkeit zeigten, nicht so intensiv an den Kursen teilzunehmen. Schlechtere soziale Selbsteinschätzung, deutlich mehr Alleinlebende, deutlich mehr nicht Berufstätige und vor allem bezogen auf die zu messenden Daten schlechtere Ausgangswerte. Wirklich Zufall?

Yogagruppe = a, Wartegruppe = b.

Gewicht: Yogagruppe leichter: a= 93,2 kg, b=99,5 kg.
BMI: a= 32,9, b=36,9.
Bauchumfang a: 102,9 cm, b= 107 cm.
Allein lebend: a= 22%, b= 35 %
nicht berufstätig: a=7 %, b=20%
Abitur: a=25%, b=15%
Studium: a=42%, b=30%
soziale Funktionsfähigkeit: a=85, b 71,3 Selbstbeurteilung (von 100)

Man hat also eine Gruppe von in Partnerschaft oder Ehe lebenden Frauen mit überdurchschnittlich hohem Bildungsstand und hoher sozialer Funktionsfähigkeit bei großer Rate an Berufstätigen mit einer Gruppe von dickeren Frauen verglichen, die in weniger festem sozialen Gefüge leben und geringere Bildungsdaten aufweisen und in auffälligem Umfang keiner regelmäßigen Beschäftigung (Arbeit) nachgehen?

Ein Klientel, von dem man eher erwarten könnte, dass sie sich auf Yoga einlassen und bereit sind regelmäßige Kurse zu besuchen und sich dort auch anzustrengen? Und tatsächlich: trotz der zeitlichen und terminlichen Belastung (nur 7% waren nicht berufstätig) haben nur 3 Frauen abgebrochen. Von der „Wartegruppe“, die ja gar nichts ändern sollte, hat eine Frau erklärt, keine Lust mehr zu haben.

Was sagt die Studie selbst zur Rolle der „Warteliste“:
>Warteliste: Die der Kontrollgruppe zugewiesenen Frauen wurden auf einer Warteliste geführt und nahmen während der ersten 12 Studienwochen an keiner Studienintervention teil. Sie wurden gebeten, während dieser Zeit kein Yoga zu praktizieren und ihre Bewegungsgewohnheiten nicht zu verändern. Nach Ende der zwölften Studienwoche wurde den Teilnehmerinnen freigestellt, an einem Yoga-Programm entsprechend der Prüfgruppe teilzunehmen. Dies diente der Motivation der Teilnehmerinnen. Es wurden keine weiteren Daten erhoben.

Die Zusage, dass diese „Nichtstuer“ freiwillig ein Programm machen dürfen (nach der Studie) wie die Yogagruppe der Studie, klingt für mich zynisch. Wie kann so etwas motivierend sein? Und hätten die Teilnehmer für diese „Gnade“ Kursgebühren zahlen müssen?

Vergessen wir nicht: der Studienleiter ist diplomierter Psychologe!

Und dann die Erhebung subjektiver Daten:

>A priori definierte sekundäre selbstbeurteilte Zielparameter beinhalteten
  • die Lebensqualität, erhoben mit dem Fragebogen zum Gesundheitszustand (Short Form-36 Health Survey) (18)
  • das Selbstwertgefühl, erfasst mittels Rosenbergs Self-Esteem Scale (19)
  • das subjektive Stressempfinden, ermittelt anhand der deutschen 10-Fragen-Version der Perceived Stress Scale (20) und
  • das Körperbewusstsein, erhoben mit der deutschen 17-Fragen-Version des Body Awareness Questionnaire (21)
  • die körperliche Änderungssensibilität, erfasst mit der deutschen zweifaktoriellen 6-Fragen-Version der Body Responsiveness Scale (22).
Was will der Psychologe da erwarten? Die, denen eine Teilnahme an den Übungen verweigert wurde, werden sich wohl nach den 12 Wochen Nichtstun nicht subjektiv erfüllter und besser fühlen. Die anderen, die neu soziale Kontakte über die Gruppe knüpfen konnten, die Neues gemeinsam erleben konnten, die einfach zur Bewegung motiviert wurden – und dazu die Erwartungshaltung haben konnten, dass sie sich besser fühlen könnten – wäre da bei denen zu erwarten, dass negative Ergebnisse entstehen?



Es war im Grunde bekannt, was rauskommen würde:
>Obwohl zur Wirksamkeit des Yoga auf die Gewichtskontrolle und die Verbesserung der Körperzusammensetzung erste Evidenz aus Umfragen (13) und klinischen Studien (14) vorliegt, wurden die Wirkungen von Yoga auf zentrale Adipositas bisher nicht untersucht. Ziel dieser Studie war daher die Untersuchung der Wirkung von Yoga auf den Bauchumfang und weitere anthropometrische Maße bei Frauen mit zentraler Adipositas.*



Wenn man schon weiß (und man weiß, dass regelmäßige Bewegung grundsätzlich bei vorherigen Bewegungsmuffeln zu Gewichtsreduktion führen kann), dass Yogaübungen zu Gewichtsreduktion führen können, warum muss man dann noch explizit prüfen, ob Personen mit vorher dickem Bauch dort auch abnehmen? Hätte man erwartet, dass der zu nimmt? Oder das Gewicht zwar abnimmt, der Bauch aber wächst? Studie, damit man mal eine gemacht hat?



Und das Ergebnis nach 12 Wochen Mühe - Kursbesuche und häusliches Üben? Ich meine: kläglich (die Studie meint „wenn auch moderat“):



Gruppe b hat sich körperlich nicht verändert - wie auch, alles wie bisher. Gruppe a hat 1,5 kg abgenommen, BMI um 0,5 gesunken. Bauchumfang um 3,7 cm abgenommen. Das aber nicht wirklich wegen Yoga sondern durch Zunahme der Aktivität überhaupt (und weiterer Faktoern s.u.) – schreibe ich -, obwohl das die Studie (absichtlich?) gar nicht vergleichen wollte?

Überrascht es, dass das Körperbewusstsein bei denen, die nun neue körperlich Aktivität kennen lernten hinterher zugenommen hat, von 76,9 auf 83? Und überrascht es, dass die die nichts tun sollten - außer als statistische Zahlen zu dienen -, von 76,8 auf 73,6 in diesem Punkt abgesunken sind?

Überrascht das einen Psychologen? Es lag allein schon am „Studiendesign“, dass Yoga (mit anderen Komponenten) eine deutliche Besserung zeigen musste, gegenüber den Nichtstuern!

Natürlich würde das psychische Wohlbefinden in der Yogagruppe steigen: von 70 auf 80. Doch das Ergebnis der Verbesserung dieses Wohlbefindens war längst bekannt. So vom Einsatz von Yoga als ein begleitendes Mittel bei Krebskranken (Brustkrebs) oder der Effekt der Aktivierung bei Depressiven.

Übrigens sollten die Yogaausübenden auch zu Hause üben, also über die Kurse hinaus die körperliche Aktivität steigern. 


Aber, gab es nicht doch Veränderungen in der Ernährung?

Man kann lesen:
>Neben körperlicher Aktivität umfasste die Yoga-Intervention in der vorliegenden Studie auch eine auf Yoga basierende Ernährungsberatung sowie psychologisch ausgerichtete Elemente wie Entspannungstechniken, Meditation, Atemübungen und Anleitungen zum positiven Denken.

Also: Neben Yoga wurden auch andere Elemente eingesetzt, die für sich schon eine Gewichtsreduktion und vor allem Verbesserung des psychischen Selbstempfinden bewirken können!

Ich zitiere aus einem „Randkasten“ zur Studie:
>Die Ernährungsempfehlungen basierten auf traditionellen Yogalehren. Das Ziel war hier eine Veränderung der Nahrungszusammensetzung (z.B. einen vermehrte pflanzenbasierte Kost, mehr frische und weniger industriell verarbeitete Nahrungsmittel) sowie eine bewusstere Nahrungsaufnahme (z.B. achtsames Essen). Nicht primär einen Kalorienreduktion.

Es wäre zu fragen, wieweit bereits diese Nahrungsempfehlungen (mit in Kauf genommener Kalorienreduktion) geholfen haben können, „unabsichtlich“ weniger Kalorien zu sich zu nehmen und vor allem „Fettmacher“ zu reduzieren? Ist also der geringe Effekt auf Gewicht und Bauchumfang schlicht bedingt durch die bekannten Folgen einer „besseren“ (und vielleicht Kalorien ärmeren) Ernährung?

Man hebt als Studienergebnis in der Diskussion hervor

>Es konnte gezeigt werden, dass Yoga effektiv chronische Depressionen, Stress und andere psychische Störungen lindert (36–38).

Wusste man doch schon unc verweist darauf.

>Dadurch könnte wiederum Essen zur Kompensation negativer Emotionen (emotionales Essen) und daraus resultierendes Übergewicht reduziert werden (39). Demnach könnten die Wirkmechanismen der hier vorgestellten Yoga-Intervention die Reduktion sowohl körperlicher (inadäquate körperliche Aktivität und Ernährung) als auch emotionaler aufrechterhaltender Faktoren (emotionales Essen) der Adipositas umfassen. Möglicherweise ist die vergleichsweise gute Wirksamkeit der hier untersuchten Intervention auf diese Kombination verschiedener Komponenten zurückzuführen.

Es gibt keine vergleichsweise gute Wirksamkeit der hier untersuchten Intervention. Das Ergebnis wurde mit keiner anderen Intervention verglichen. Unnützes Warten und (frustrierendes) Nichtstun ist auch für den „Studienteilnehmer“ keine Intervention. Ein eher moderates Ergebnis ist kein gutes.

Wenn eine Kombination möglicherweise (oder bekannt) für sich schon wirksamer Komponenten vorliegt, ist es nicht zulässig – weil der Anteil am Erfolg unbekannt ist – den Yogakursen irgendeinen Anteil daran graduell zuzuordnen. So meine Sicht.

Diese sogenannte Studie, die Geld und „Manpower“ gekostet hat für ein - so sehe ich es und versuchte es hier zu begründen -, eher schlechtes Ergebnis für das zu untersuchende Verfahren erbrachte, vermag vielleicht eher Zweifel an „alternativen und komplementären“ Heilverfahren zu wecken, bzw. an der Seriosität ihrer Wirksamkeitsnachweise, als dass sie Menschen davon überzeugen kann?

Was passiert: Da wird eine jubelnde Überschrift in einem Medium für alternative Heilweisen einem Beitrag zu dieser Studie vorgesetzt:

>Adipositas: Yoga hilft stark übergewichtigen Frauen beim Abnehmen
http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/adipositas-yoga-hilft-stark-uebergewichtigen-frauen-beim-abnehmen-20161031208034


*Nachtrag:

Ich wollte wissen, wie groß die bereits in Studien festgestellen Gewichtsabnahmen usw. waren und habe die oben unter (14) zu findende "Metanalyse" (gleiche Autoren wie die hier vorliegende Studie) gesucht:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27058944?dopt=Abstract

Leider finden sich im Abstract keine Zahlen in Gewichts-oder Längeneinheiten, wie groß bei welchen Gruppen Gewichtsabnahme, BMI-Abnahme und Umfangsabnahme im Bauchbereich waren.

Es heißt dort: "Out of 445 records identified during literature search, 30 trials with a total of 2173 participants were included. No effects on weight, body mass index, body fat percentage or waist circumference were found. In studies with healthy adult participants an effect of yoga compared to usual care was found regarding waist/hip ratio (SMD=--1.00; 95% CI=--1.44, -0.55; p<0.001). In studies with overweight/obese participants only, effects relative to usual care were found for body mass index (SMD=-0.99; 95% CI=-1.67, -0.31; p=0.004). Effects however were not robust against selection bias; and publication bias could not be ruled out. No intervention-related adverse events were reported."
 Daraus dann die

CONCLUSIONS: Despite methodological drawbacks, yoga can be preliminarily considered a safe and effective intervention to reduce body mass index in overweight or obese individuals.



Ein Vergleich, ob und wieweit die in der hier besprochenen Studie gefunden verringerten Werte mit den Ergebnissen der Metaanalyse  übereinstimmen, ist mir so nicht möglich. Der Volltext müsste gekauft werden.

In einer anderen Metaanalyse dieses Teams fand ich zum Bauchumfang: "waist circumference (MD=-1.95 cm; 95%CI=-3.01, -0.89)"

Forty-four RCTs with a total of 3168 participants were included. Risk of bias was high or unclear for most RCTs. Relative to usual care or no intervention, yoga improved systolic (mean difference (MD)=-5.85 mm Hg; 95% confidence interval (CI)=-8.81, -2.89) and diastolic blood pressure (MD=-4.12 mm Hg; 95%CI=-6.55, -1.69), heart rate (MD=-6.59 bpm; 95%CI=-12.89, -0.28), respiratory rate (MD=-0.93 breaths/min; 95%CI=-1.70, -0.15), waist circumference (MD=-1.95 cm; 95%CI=-3.01, -0.89), waist/hip ratio (MD=-0.02; 95%CI=-0.03, -0.00), total cholesterol (MD=-13.09 mg/dl; 95%CI=-19.60, -6.59), HDL (MD=2.94 mg/dl; 95%CI=0.57, 5.31), VLDL (MD=-5.70 mg/dl; 95%CI=-7.36, -4.03), triglycerides (MD=-20.97 mg/dl; 95%CI=-28.61, -13.32), HbA1c (MD=-0.45%; 95%CI=-0.87, -0.02), and insulin resistance (MD=-0.19; 95%CI=-0.30, -0.08). Relative to exercise, yoga improved HDL (MD=3.70 mg/dl; 95%CI=1.14, 6.26).
Hier die

CONCLUSIONS: This meta-analysis revealed evidence for clinically important effects of yoga on most biological cardiovascular disease risk factors. Despite methodological drawbacks of the included studies, yoga can be considered as an ancillary intervention for the general population and for patients with increased risk of cardiovascular disease.


 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24636547?dopt=Abstract
In der Studie mit Ziffer 27 der Literatur bezeichnet. 

Betreffend Depressionen fand die Gruppe:

"Twelve RCTs with 619 participants were included. Three RCTs had low risk of bias. Regarding severity of depression, there was moderate evidence for short-term effects of yoga compared to usual care (standardized mean difference (SMD) = -0.69; 95% confidence interval (CI) -0.99, -0.39; P < .001), and limited evidence compared to relaxation (SMD = -0.62; 95%CI -1.03, -0.22; P = .003), and aerobic exercise (SMD = -0.59; 95% CI -0.99, -0.18; P = .004). Limited evidence was found for short-term effects of yoga on anxiety compared to relaxation (SMD = -0.79; 95% CI -1.3, -0.26; P = .004). Subgroup analyses revealed evidence for effects in patients with depressive disorders and in individuals with elevated levels of depression. Due to the paucity and heterogeneity of the RCTs, no meta-analyses on long-term effects were possible. No RCT reported safety data."
Ergebnis:

CONCLUSIONS: Despite methodological drawbacks of the included studies, yoga could be considered an ancillary treatment option for patients with depressive disorders and individuals with elevated levels of depression.

Ziffer 36 der bezogenen Literatur:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23922209?dopt=Abstract

Ich bin es sonst gewohnt, den Hinweis zu lesen, dass weitere, aussagefähigere Studien gemacht werden müssen, um tatsächlich etwas zum Nutzen sagen zu können.

Anmerkung: Yoga scheint zum Dissertationsgegenstand geworden zu sein. H. Cramer hat 2012 seine Promotion zum Dr. rer. medic. mit dem Thema „Wirksamkeit von Yoga bei Patienten mit chronischen Nackenschmerzen“gemacht (in Essen, an dem Institut, an dem er nun arbeitet). Etwa zur gleichen Zeit (2012) wurde ein Studie zur Promotion als Dr. med durch Hermann Traitteur an der Charite' in Berlin vorgelegt: zur Wirksamkeit von Iyengar Yoga bei chronischen Nackenschmerzen. Er leitet in Berlin ein Yogazentrum.

H.Cramer hat die gleich Yogaart benutzt. Beide arbeiteten sehr ähnlich: 9 Wochen geleiteter Kurs für die Yogagruppe und die Gruppe mit Nackenübungen machten diese zu hause selbst anhand einer Empfehlung der Techniker Krankenkasse.

Waren dabei die Yoga-Teilnehmer, die direkt betreut und kontrolliert wurden besonders bevorteilt gegenüber den "Selbermachern" zu hause? Ergebnis in beiden Fällen: Erheblich bessere Wirkung des Yoga.

Copyright K.-U.Pagel 11/2016