Donnerstag, 8. September 2016

Kritik an Homöopathie trifft Ärzte und Heilpraktiker gleichermaßen

Homöopathiekritik - Ärzte und Heilpraktiker gleich behandeln!

Wenn, wie derzeit mal wieder, die Homöopathie als "Pseudoheilkunde" gar als "Patiententäuschung" in der Kritik steht, wird gerne damit auch der Beruf des Heilpraktikers in einen Topf geworfen.
Ja, es gibt Heilpraktiker die angeben, Homöopathie zu betreiben. Was sie damit wirklich meinen, bleibt genau so unklar wie bei Ärzten, die angeben, Homöopathie zu betreiben. Inzwischen wird dieser Begriff für vieles verwendet, das irgendwie wie "alternative Medizin", "Energie-, gar Quantenmedizin" (hochwissenschaftlich erklärt!), mit "Feinstofflichkeit" und geistiger Heilkunde zu tun haben soll:

Vieles, was einfach aus Fehlinterpretation des Wortgebrauches und der Bildersprache der Zeit von Samuel Hahnemann (in seinem Organon benutzt) in eine Denkwelt des "Spirituellen", und der Umdeutung moderner Physik gebracht wird.
Immer, wenn ich Kritik an der Homöopathie lese, finde ich an sich nur Kritik an den Interpretation und Neuerfindungen von Hahnemanns umfassender Lehre. Eine Kritik, die ich als seit fast 35 Jahren praktizierender Heilkundler (auch bewusst Homöopathie) oft nachvollziehen kann und zum Teil auch teile.

Beispiel für solche Kritik findet sich auf:

Informationsnetzwerk Homöopathie.

Dort finde ich Ausführungen zum Unterschied zwischen Homöopath und Heilpraktiker - und bin über die Verwirrung im Bezug zum Thema Homöopathie dort verwundert:

Ich zitiere:




>Als Arzt: Man studiert mindestens 6 Jahre lang Medizin, macht meist weitere fünf Jahre eine Facharztausbildung (das heißt, eine Spezialisierung für ein medizinisches Fachgebiet), absolviert in dieser Zeit drei Staatsexamina und mindestens eine Facharztprüfung. Dann absolviert man mindestens 100 weitere Stunden (vor 2004 sogar 300 Stunden) Homöopathie-Weiterbildung als eine Zusatzausbildung für die geschützte Zusatzbezeichnung Homöopathie (3), die man nach einer weiteren Prüfung (vor der Ärztekammer) erhält und darf sich fortan Homöopath nennen.
>Als Heilpraktiker: Man bereitet sich in Eigenregie oder an speziellen Schulen auf eine Prüfung (durch einen Amtsarzt) vor, in welcher der medizinisch sonst nicht ausgebildete Antragsteller zu beweisen hat, dass er über so viele medizinische Kenntnisse verfügt, dass er "keine Gefahr für die Volksgesundheit" darstellt. (2) "Für die Heilpraktiker-Ausbildung selbst müssen keine weiteren Voraussetzungen erfüllt sein. Die Frage der Vorqualifikation muss sich jeder Schüler selbst beantworten. Der Zeitaufwand ist abhängig von der fachlichen Vorbildung. Schülerinnen und Schüler ohne medizinische Vorkenntnisse haben einen höheren Lernaufwand" (4). Die weitere Ausbildung zum Homöopathen ist frei bestimmbar. Es gibt zwar die Möglichkeit von Prüfungen durch Heilpraktiker-Schulen, sie sind jedoch kein Muss. (5)
Im Grunde wird nur der Unterschied im Werdegang des Arztes und des Heilpraktikers aufgeführt. Staatlich geregelte Ausbildung - Staatsexamen versus Ausbildung auf freiwilliger Basis (was, wo wie wie lange usw.) und nur "Unbedenklichkeitsüberprüfung".

Doch zur Homöopathie eigentlich nichts. Da, gerade auch nach der Überzeugung des Informationsnetzwerkes, die Homöopathie eine "Irrlehre" ist, ohne jede wissenschaftliche Grundlage, wundere ich mich, dass eine Ausbildung hier (auf welcher Grundlage?) sogar zu einer Fachgebietsbezeichnung für Ärzte führen kann. Fachgebiet ohne tatsächlichen medizinischen Inhalt?

Wenn man die ganzen Kritikpunkte des Informationnetzwerkes liest, könnte man zum Schluss kommen, dass Ärzte - trotz ihrer langen Ausbildung - aus unerfindlichen Gründen diese Heilweise nicht nur betreiben sondern gar "fachlich" lehren. Müssten sie es nicht besser wissen? Und was macht deren Ausbildung so besser als die, an denen Heilpraktiker freiwillig teilnehmen? Unterrichten da nicht sogar auch Homöopathieärzte bei Unterrichten in Homöopathie für Heilpraktiker?

Sollte sich da nicht die Kritik gerade an Ärzte richten und die Frage gestellt werden, ob man Ärzten überhaupt die Homöopathieanwendung noch erlauben sollte? Noch bevor man sich gegen die Heilpraktiker - die es ja gar nicht besser wissen können (?) - wendet.

Copyright K.-U.Pagel 09 2016 


Ergänzung am 09.09.2016 

Chaos geht weiter - alternative Heilkunde durch Heilpraktiker verbieten aber nicht durch Ärzte?

Was soll man davon halten? Habe ich gestern noch geschrieben, dass man betreffend Homöopathieausübung (als angeblich unwirksames Verfahren) Ärzte und Heilpraktiker gleich behandeln soll, lese ich in der Süddeutschen Zeitung online:
>Neue Zweifel an Heilpraktikern
Da wird Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, des höchsten Organs der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen zitiert:
>Behandlungen durch Heilpraktiker sollten verboten werden, wenn deren medizinischer Nutzen nicht erwiesen sei, sagte er. Das dürfte auf die meisten Therapieangebote der Heilpraktiker zutreffen - anders als bei der Schulmedizin gibt es in der Naturheilkunde kaum evidenzbasierte Behandlungskonzepte. Heilpraktiker müssen laut Gesetz auch nicht nachweisen, dass ihre Methoden helfen - sie müssen nur sichergehen, dass sie nicht schaden.
Ist diesem Menschen nicht klar, dass auch Ärzte solche Verfahren anwenden und auch Kassenpatienten als Selbstzahlerleistungen verkaufen? Müsste nicht da auch die Kritik ansetzen: Ärzte dürfen keine Verfahren mehr anwenden, von denen sie nicht NACHWEISEN können, dass sie helfen? Geht es um Verfahren, die nicht helfen als solche, oder darum, die Geschäfte von Ärzten - zusätzlich zum Krankenkassengeschäft - konkurrenzfrei zu schaffen?
Es ist schön, wenn der Kollege Siewertsen von den Freie Heilpraktiker e.V. mitteilt, dass sein Verein dem die Diskussion auslösenden Heilpraktiker - falls dieser Mitglied wäre - eine "Ansage" gegeben hätte. Vielleicht schärft das den Blick?
Doch unschön ist die verklärende Aussage:
>Der Präsident des Fachverbands deutscher Heilpraktiker, Christian Wilms, indes wehrt sich gegen den Eindruck, dass Heilpraktiker ungenügend überwacht würden. Die Gesundheitsämter würden die Praxen der Heilpraktiker regelmäßig kontrollieren, und wenn es Beschwerden gebe, werde diesen nachgegangen.
Das tut so, als wäre alles in bester Ordnung, verklärt aber die Praxis: Es gibt kaum Kontrollen - und die noch von Region zu Region verschieden. Es geht dabei nicht um Methoden und die Kenntnisse, aufgrund derer diese angeboten werden.
 
Es kommt in der Öffentlichkeit nicht als Glaubwürdigkeitsverstärkung an, wenn solche verklärenden Aussagen getroffen werden. Dann besser die Aussage: Wir wollen selbst in unserem Bereich (Vereinsmitglieder) künftig noch genauer hinsehen und bitten unsere Mitglieder deswegen darauf zu achten, ob ihnen in ihrem Bereich etwas auffällt, angefangen schon von Anpreisungen, die gegen das Heilmittelwerbegesetz verstoßen. Da gibt es noch zuviel an Patientenirreführungen.
Hat denn niemand von den tätigen Heilpraktikern in der Gegend um Moers die wahrscheinlich gegen das HWG verstoßende Anpreisung gelesen? Von der berichtet wird:
>Es sei das "aktuell beste Präparat zur Tumorbehandlung", hieß es auf der Internetseite des alternativen Krebszentrums, "effektiver als die heutigen Chemotherapeutika".
Ein Patient, der so etwas liest - und kein Fachmann ist - fällt (vor allem, wenn er in Not ist) schon mal "darauf rein".
 
Meine Erfahrung in der Vergangenheit war, dass man mit den Vereinen, in denen jemand, den man auf solche Rechtsverstöße hingewiesen hat, Mitglied ist, schnell "Ärger" bekommt, weil sie ihr Mitglied schützen wollen. Nicht aber selbst dem Mitglied gegenüber tätig werden wollen.
Tags zuvor war in der gleichen Quelle zu lesen:
>"Gute Heilpraktiker kennen ihre Grenzen"
Da kann ich nur bestätigend schreiben: Ja, das tun solche!
 
Im Interview wird betont:
>Ich glaube, dass es viele Heilpraktiker gibt, die sehr gute und wichtige Arbeit leisten, basierend auf einer fundierten Ausbildung. Allerdings bislang nur auf ihre eigene Initiative. Gute Heilpraktiker kennen ihre Grenzen und wissen, wann es an der Zeit ist, ärztliche Spezialisten einzubeziehen. ...
>Der subjektive Eindruck ist wichtig, aber der kann trügerisch sein. Wenn fundamentales Fachwissen fehlt, kann die Situation gefährlich werden, selbst wenn der Patient sich noch so wohlfühlt. Zudem werden im Internet unseriöse und sogar kriminelle Therapieangebote verbreitet. Skrupellose oder sich selbst überschätzende Heiler spielen mit den Hoffnungen und Ängsten der Patienten und machen Angebote, deren Wirkungen und Risiken in keiner Weise untersucht sind und die zudem häufig viel kosten.
Und dann endlich mal der Hinweis:
>Natürlich müssen sich auch Ärzte selbstkritisch fragen, wie gut sie ausgebildet sind, um den jeweiligen Patienten angemessen zu behandeln. Jeder Arzt und Wissenschaftler wird sich auch an Fälle erinnern, wo sich Ärzte fachlich überschätzt haben.
Ich hätte mit gewünscht, dass der Zusatz noch gekommen wäre: "Die Ärzte müssen sich auch selbstkritisch fragen, wie gut sie in gerade den alternativen Verfahren ausgebildet sind, die sie gerade im Studium nicht erlernt haben. Und wie weit sie dem Wissen, das sie im Studium erhalten haben, damit entgegen stehen. Denn um solche geht es doch auch in der Debatte um den Heilpraktikerberuf.

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