Sonntag, 1. November 2015

Chemotherapie oder „alternative Medizin“ - Entscheidung ohne wirkliche Wissensbasis?

Chemotherapie oder „alternative Medizin“ - Entscheidung ohne wirkliche Wissensbasis?



Krebs – ein Wort für mindestens 300 verschiedene Tumorerkrankungen, die nicht über einen Kamm geschoren werden dürfen – wird mit zunehmender erreichbaren Lebensalter einer Gesellschaft immer häufiger zum Thema. Dazu meine Gedanken.

Grundsätzlich kann man (auch wenn bei einzelnen Arten mit unterschiedlichen Verläufen noch differenzierter betrachten muss) sagen, die Ursachen für die Zellentartungen sind vielfältig, von sogar akuten Einwirkungen von Schädlichkeiten und Folgen von Langzeiteinwirkungen solcher bis zu genetischen Veranlagungen (die meist auch „Aktivatoren“ brauchen) sieht man Gründe. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die man als begünstigend (das ist nicht Ursache!) für die Entartungsentwicklung sieht: Lebensumstände, Ernährungsweisen, Arbeitsbedingungen, Klimafaktoren, psychische Belastungen usw. Die nun ins Gerede gekommenen Gefahren: Rotes Fleisch, verarbeitetes Fleisch, sind keine Verursacher. Sie begünstigen vielleicht, dass Entartungen von Zellen leichter entstehen und, schlechter durch die Abwehr beseitigt, eine Größe erreichen, die der Körper nicht mehr oder nur unter optimalen Bedingungen (die jedoch niemals in kürzester Zeit zu schaffen sind) in den Griff bekommen und irgendwie „ausheilen“ kann. Es sind bestimmte Stoffe darin (aber nicht in jeder Wurst und in gleicher Menge enthalten!), die man anschuldigt, in Zellen selbst zu Veränderungen der Teilung und der „Zellidentität“ zu führen – auf direktem oder indirektem Wege. Und die nicht ohne weitere „begünstigende“ Faktoren letztlich zum permanenten und wachsenden Tumor (Krebs) führen.

Krebs ist nicht wirklich so bekannt, dass man ihn (die vielen Arten) tatsächlich ursächlich bekämpfen könnte. So komplex wie der Organismus ist im Zusammenspiel aller seiner Komponenten leiblich und psychisch, so komplex sind letztlich die zellulären Abläufe.

Da genügt es nicht, bestimmte Stoffe in einer Zelle als tumortypisch zu identifizieren. Die Zelle kennt eine ganze Reihen von verschachtelten und alternativen Stoffwechselwegen dorthin. An welcher Stelle nun war die Weiche zur Entartung gestellt? Da kann man z.B. über „Freie Radikale“ denken, was man will, ihre Rolle ist nicht wirklich erkannt, sie wird nur behauptet.

Es fehlt an tatsächlich aussagekräftiger Forschung in allen Richtungen. Es genügt nicht, an Zellkulturen, die losgelöst sind von den gesunden Nachbarzellen, außerhalb des offenen und dynamischen Stoffwechsels des Organismus gehalten werden, ohne Zugriff der vom Organismus immer wieder neu ausgerichteten Abwehr und ohne psychischen Einfluss, Forschungen zu betreiben. Weder für die Krankheitserkundung noch für die Therapien.

Es ist ungenügend, an eigens gezüchteten Mäusen „Tumormodelle“ wachsen zu lassen und daran zu forschen. Es sind erste Hinweise daraus zu gewinnen, die sich aber im „richtigen Leben“, im tatsächlich betroffenen Organismus unter dessen Bedingungen incl. Lebensraum, usw. weiter verfolgen lassen müssten.

Es muss erforscht werden, warum bei einem Menschen mit scheinbar dem gleichen Tumor die Krankheit sich anders entwickelt als bei anderen. Was ist denn tatsächlich alles anders? Das sind immer viele Komponenten und deren Gefüge! Warum wirkt eine Therapie bei dem einen, beim anderen nicht? War es wirklich ein hinreichend ähnlicher Tumor (niemand hat den selben, den ein anderer hat!) bei dem man etwas eingesetzt hat? Waren die anderen Bedingungen gleich oder haben diese Bedingungen auch bei kleinen Unterschieden die andere Wirkung hervorgerufen?

Man müsste – aus dem Körper eines Erkrankten – eine Probe eines Tumors entnehmen und verschiedenste Merkmale – auch unter Zuhilfenahme des Elektronenmikroskops und einem daran gekoppelten Spektrometer, wenn es um einzelne Stoffwechselabläufe in einer Zelle geht – untersuchen. Vor, während nach Therapieversuchen, auch der alternativen und komplementären Therapie. Zunächst ohne die verschiedenen Therapien zu vermischen, dann vielleicht unter probieren von verschiedenen Kombinationen.

Was, z.B. im Stoffwechsel, in einer Krebszelle am Ort in einem Organismus tatsächlich geschieht – momentan und/oder anhaltend – ist nicht wirklich erforscht. Es werden Modelle theoretischer Art oder isolierter Versuchsanordnungen herangezogen. Tatsächlicher Wert aber gering.

Doch was sollte man tun: Zunächst die ganz individuelle Analyse des „Krankheitsstandes“: welcher Tumor, von welchen Zellen ausgehend, an welcher Körperstelle in welcher Größe bei welcher „Grundgesundheit“ und bei welchen noch bestehenden Vor-oder Begleiterkrankungen. Alles kann Einfluss auf Verlauf der Erkrankung bei diesem Menschen und Wirkungen von Therapie und ihren unerwünschten Wirkungen haben. Dazu genetische Bestimmungen, auch von Genen , die zusammen wirken aber vielleicht nichts mit dem „eigentlichen Tumorgen“ zu tun haben (Lebensumstände, Biographie usw.).

Dann erst die Wirkung von bestimmten „Heilmitteln“ (Arzneien und anderen Maßnahmen der „evidenzbasierten“ und „alternativen“ Medizin) untersuchen. Herausfinden, bei wem und warum etwas wirkt (gut oder schlecht) oder gar „kranker“ macht. Warum unerwünschte Wirkungen hier größer sind als dort.

Doch, wer will das bezahlen? Der Hersteller und Vertreiber von „chinesischen Wundermitteln“, Vitaminkonzentraten, „Anti-Krebs-Pflanzen“? Der große Pharmakonzern, der auf „harte Chemie“ setzt? Der „Psychoguru“ der über Änderungen der Weltsicht vermutete Energien über die Seele wirken lassen will? Wer soll das bezahlen? Eigentlich sollten alle das tun, aber die Abwägung Kosten zu (erhofftem) Gewinn steht dem entgegen. Und einen Firma muss nach den Gesetzen immer den eigenen Gewinn im Auge haben, nicht das Gemeinwohl zur Konkursursache werden lassen.

Krankheitenbehandlung mit Arzneien, Geräten usw. ist nicht Sache der Gemeinschaft (die zahlt nur in bestimmten Rahmen aus Gemeinschaftskassen die Kosten). Sie ist Sache der Marktwirtschaft und unterliegt deren Regeln. Inzwischen sind ja sogar viele Praxen von Ärzten und Heilpraktikern zu Stätten der Vermarktung von Waren und Dienstleistungen geworden.

Eine Arznei – egal ob „schulmedizinisch“ oder „alternativ dazu“ - ist nur wirtschaftlich zu entwickeln, wenn die Kosten, z.B. für die Forschung nicht die zu erwartenden Markteinnahmen auffressen. Eine Arznei, die für viele passen könnte hat da Chancen, doch wenn man auch noch forscht, bei wem diese wohl nicht wirken wird, hat man gleich den Markt klein gemacht.


Wie sieht die (Krebs-)Tumorbehandlung grob vereinfacht aus?

1. Der Tumor (vielleicht auch bereits gebildete Metastasen) muss so schnell wie möglich weg, damit er zum einen sich nicht so schnell vergrößert und ausbreitet (Metastasen) und zum anderen nicht den Restorganismus schädigt, durch seine Stoffwechselprodukte, Zerstörung gesunden Gewebes usw., also Operation. Wer weiß denn, wann ein Tumor noch in einem Stadium ist, in dem der Körper diesen doch noch selbst unschädlich machen könnte (Abbauen, Einkapseln u.a.)?

2. Wenn man den Tumor und seine „Töchter“ nicht sicher so entfernen kann, oder wenn befürchtet werden muss, es sind bereits weitere (für das Erkennen durch die vorhandene Diagnostik zu kleine) Tumoren da, dann medikamentöse Bekämpfung. Egal ob mit harter Chemie oder alternativen Stoffen. Vielleicht auch der Versuch, lokal durch Strahlung „Tumorreste“ zu zerstören.

3. Es sollte immer dazu gehören (wird aber nicht selten vergessen), den Organismus körperlich wie psychisch wieder stärken, aufbauen, in gesunde Funktionen zurückzubringen. Auch durch ggf. Änderungen der Lebens- und Ernährungsweisen, vielleicht sogar durch Veränderungen der Lebenseinstellung.


Zu 1.
An sich vernünftig. Tumorzellen, die entartet (nicht mehr der Art/Grundidentität des Organismus angehören) sind, nicht mehr den Interessen der Organismus folgen wollen (nur die eigenen noch sehen, koste es was es wolle), sind keine Freunde, sondern müssen weg. Manchmal muss das geschehen, selbst wenn der Organismus in einen gesundheitlich „desolaten“ Zustand ist. Mancher Tumor lässt, solange er das Regime innehat, nicht zu, dass der Organismus wieder „erstarkt“. So z.B. durch Täuschung des Abwehrsystems oder „Vergiftung“ des Organismus an Leib und Psyche.

Und es bedarf der guten Heilungsförderung nach dem Eingriff, dem Vermeiden aller möglichen Heilungshindernisse, ggf. auch die die manche Schmerzmedikation in den Weg legt und die aufgrund der Krankheit eingetreten sind (Mangelzustände, Organinsuffizienzen u.v.m.). Da können viele Maßnahmen, auch aus der „alternativen Schublade“, aus der „Lebenserfahrungsmedizin“ hilfreich sein. In manchen Kliniken oft völlig unbeachtet oder übersehen, teils auch wegen Unkenntnis oder Ablehnung nicht eingesetzt. Nicht selten auch wegen der Kosten (Kasse zahlt nicht) oder wegen erhöhtem Personalbedarf/Organisationsaufwand (wer zahlt?) weggelassen (mit der Begründung: Nicht evidenzbasiert – aber ohne tatsächliche Forschung dazu)?


Zu 2.
Da besteht die Idee, dass man zum Einen die Teilung einer Tumorzelle verhindern will, zum Anderen, dass man Stoffwechselfunktionen dieser Zelle so verändert, dass sie daran zu Grunde geht, abstirbt. Die Idee, den Stoffwechsel so zu verändern, dass aus der entarteten Zelle mit all den bereits eingetretenen Veränderungen – auch Genaberrationen – wieder eine „normale“ Zelle wird, ist utopisch und scheitert schon daran, dass man alle eingetretenen Veränderungen gar nicht erkennen und meist nicht mehr rückgängig machen kann. Als Drittes kommt inzwischen dazu, dass man Marker (Antikörper) erzeugt, die als Medikament gegeben, nur an die Tumorzellen andocken und dann für die Abwehrzellen gezielt erkennbar und zerstörbar machen.

Das ist das Gebiet (außer Drittes), auf dem sich hauptsächlich die chemische Tumormedizin (Zytostatika, Chemotherapie) bewegt. Allerdings ist es bisher unmöglich, Substanzen einzusetzen (man hat noch keine gefunden), die nicht auch an gesunden Zellen solche Wirkung entfalten. Die Idee: Man vergiftet zwar alle Zellen, aber die Tumorzellen mit ihrer schnellen Teilung und entsprechendem Stoffwechsel werden stärker geschädigt. Sterben schneller, als die anderen Zellen. Und man nimmt Wirkungen an den gesunden Zellen in Kauf, in der Hoffnung, dass Schäden wieder „ausheilen“. So, dass die Haare wieder wachsen, nachdem man ihre „Keimzellen“ geblockt und geschädigt hat. Gerade die Zellen, die einen schnelle Teilung haben (Verschleißzellen) wie die Blutzellen und die Zellen der Schleimhäute leiden erkennbar. Auch die Abwehr (weiße Blutkörperchen) werden schnell weniger, und damit die Zellen, die zum Tumorabbau gebraucht werden. Hier insbesondere auch die Immunzellen. Eine ganze Reihe von erheblich die Lebensqualität einschränkenden und den Körper weiter schwächenden Wirkungen dieser Medikamente sind unvermeidlich. Dagegen gibt es dann wieder (nebenwirkende) Medikamente.

Diese Chemotherapeutika sind nicht wirklich verlässlich geprüft auf Wirkung und Nebernwirkung. Auch die spezifisch optimalen und unsinnigen Einsatzgebiete (in Relation zu den Nachteilen) sind nicht wirklich bekannt. Siehe Ausführungen zu den nötigen Forschungen.

Diese Medikamente werden an Tierversuchen und heute auch an Zellkulturen getestet, am Menschen jedoch in nicht wirklich aussagekräftigen Studien erprobt. Da es sich um Medikamente handelt, die gegen so schwere Erkrankungen wie Krebs eingesetzt werden, werden sie auch oft schneller zugelassen, als für andere Medikamente üblich. Wie kann man diese überhaupt auf Wirkung prüfen? Es geht nicht, dass man Tumorpatienten (sie müssen wirklich vergleichbare Erkrankung haben!) zum einen mit einem sicher wirkungslosen Scheinmedikament versorgt, den andere aber das hoffentlich wirksame gibt. Ethisch nicht vertretbar. Dazu müsste den „Scheinmedikamenten“ immer etwas zugefügt werden, was gleiche unangenehme Begleitwirkungen hat, wie das echte Medikament. Allein schon das Wissen, dass ein solches Mittel immer unangenehme Wirkungen hat, würden bei den Menschen, die keine solchen verspüren die zu erwartende „positive Placebowirkung“ entfallen lassen aber vielleicht über die Sorge, keine Hilfe zu bekommen, über die „negative Nocebowirkung“ ,die Befürchtung steigern, der Erkrankung hilflos ausgesetzt zu sein.

Der Vergleich mit Mitteln, die sich bewährt zu haben scheinen, ist auch nicht möglich, da einem Patienten ein solches Mittel nicht vorenthalten werden darf, und statt dessen ein Mittel, dass erst seine Wirkung zeigen soll, gegeben werden darf. Im Regelfall wird das „neue“ zu prüfende Medikament dazu gegeben oder nur ein „Scheinmedikament“. Negative Wirkungen hat dann der Patient auch ohne entsprechende Beimengungen.

Bei wem wird so ein Versuch gemacht? Sucht man für den Medikamententest Patienten aus, die von vorne herein eine gute Prognose haben und für die Vergleichstherapie die mit schlechterer, ist das Ergebnis vorhersehbar. Gerade bei Patienten mit schlechter Prognose muss damit gerechnet werden, dass sie längst vor Studienende verstorben sein könnten, also das Ergebnis am Ende nicht negativ beeinflussen. Das lässt sich, selbst bei Doppelblindstudien, irgendwie mit „einflechten“.

Für die als Vergleich gerne genommene 5-Jahres Überlebenszeit wäre immer wichtig, einzubeziehen was noch gemacht wurde, insbesondere aus dem Punkt 3. oben. Viele mögliche Folgen, die das Medikament haben könnte in den Jahren nach dem Einsatz, sind nicht wirklich abzuschätzen, da je eine ganze Reihe der Patienten innerhalb der 5 Jahre versterben. Am Tumor oder der Therapiefolge. Wer weiß?

Man versucht, um die Wirkungen auf die gesunden Teile des Organismus abzumildern, die Chemotherapie möglichst lokal zu konzentrieren: Infusion in eine Arterie, die in den Tumor führt oder über sogenannte „Liposome“, Nanoteilchen, die mittels Oberflächenmarkern nur an die Tumorzellen andocken und dorthin das Medikament abgeben. Vielleicht sogar mit lokaler Überwärmung. Gerade die Risiken dieser Liposomen sind noch lange nicht erfasst.

Chemotherapie zeigt Wirkungen und erhebliche Nebenwirkungen. Doch ist sie bisher nicht wirklich zielgerichtet und mit dem dadurch wahrscheinlichen Erfolg einzusetzen. Es fehlt eben an der dazu notwendigen Forschung. Doch liegen hier wenn auch nicht wirklich verlässliche für den Einzelfall statistische Daten vor. Für viele Patienten stellt das aber eine ernst zu nehmende Entscheidungsbasis für diese Therapie dar.

Für alternative Verfahren statt der Chemotherapie gibt es keine wirklich statistisch so „verlässlichen“ Zahlen. Es fehlt an Untersuchungen dazu, die objektiv und aussagekräftig sind. Damit ist es für einen Betroffenen viel schwerer, hierzu eine „begründbare“ Entscheidung zu treffen. Es ist ein Glücksspiel, da im Regelfall auch noch nicht einmal die tatsächlichen Wirkungen auf Tumorzellen bekannt sind.

Die Kombination von Chemotherapie mit „komplementären“ Maßnahmen, die die Nebenwirkungen reduzieren sollen, erscheinen fragwürdig. Die Nebenwirkungen sind die Folge der eigentlichen Wirkung und wenn man die Nebenwirkungen verringert, verringert man nicht die eigentliche gewollte Wirkung?

Mit „chemischen“ Nebenwirkungsunterdrückern wie Glucocortikoiden, kann man weniger Wirkminderung erreichen, „kauft“ aber Nebenwirkungen dieser Arzneien mit ein.

Die Idee, den Organismus so zu stimulieren, dass die Abwehr selbst den Tumor zerstören kann, hat seine Grenzen dort, wo der Tumor (schon bei seiner Entdeckung) eine Größe erreicht hat, bei der die Teilung der Tumorzellen mehr Zellen erzeugt, als die Abwehr in gleicher Zeit „auffressen“ kann. Die Abwehr „läuft“ sich dann irgendwann tot. Auch wenn in der Zeit (Abwehrstimulation bedeutet auch Stimmungsanhebung, Aktivierung durch Sympatikusanregung) eine besseres Selbstempfinden („Lebensqualität“) erlebt wird, einen tatsächliche Verlängerung der Lebenszeit konnte statistisch nicht belegt werden. Eventuell wäre sogar eine Verkürzung - bei aber besserem Befinden – möglich, wenn die lange aktivierte Abwehr dann zusammenbricht bei „Verkürzung der Sterbedauer“.

Auch die Statistik der in den vergangenen Jahren länger geworden Überlebenszeit und der gestiegenen Heilungsrate bei einer ganzen Reihe von Tumoren vermag keinen Beweis für die dafür „verantwortliche“ Therapie bringen. Es hat sich so vieles verbessert, angefangen von der Diagnostik bis hin zu Operationsmethoden und begleitenden „Symptomentherapien“.

Belege für eine Wirksamkeit alternativer Verfahren statt Chemotherapie liegen nicht vor. Es gibt Vermutungen, die sich aus mehr oder minder nur „Beobachtungen“ ableiten. Das Problem mit den wissenschaftlichen Studien wurde oben umrissen.

Studien, die Patienten nur mit alternativen Verfahren behandeln lassen wollen, werden aus ethischen Gründen (es gibt ja Verfahren, die statistisch eine gewissen Wirksamkeit erwarten lassen) gar nicht erlaubt. Studien dieser Art, ohne Erlaubnis durchführen, also Patienten im Grunde ohne als wirksam angesehene Therapie zu lassen bei lebensbedrohlichen Erkrankungen, wäre illegal und könnte zu strafrechtlichen Konsequenzen führen. Einzelfälle, bei denen Patienten jede andere Therapie einfach ablehnen, können keine Wirksamkeit im allgemeinen – eben nur in diesem Einzelfall – belegen (wenn denn eine wissenschaftliche Begleitung erfolgte). Es muss entsprechende dern Regeln eine repräsentative Patientenauswahl getroffen werden, mit eben der Bestimmung der von mir oben aufgezählten Parameter vorab und begleitend.

Da jemand, der trotz allem Patienten lediglich „alternativ“ behandelte, damit rechnen muss, ggf. auch strafrechtliche verfolgt zu werden, wegen Unterlassungen, ist zu erwarten und auch der Lebenserfahrung entsprechend, dass nur Fälle benannt werden, mit positivem Ausgang und alles, was „schief ging“ verschwiegen wird. Zum Teil werden Patienten (rechtlich fragwürdig) schriftlich dazu verpflichtet, auf jeden Anspruch gegenüber dem „Tester“ zu verzichten. Sie übernehmen das Risiko selbst. Und ob der, der seine Methode unter Beweis stellen will, hinreichend und umfassend auch über Alternativen aufklärt? Ob er überhaupt dazu etwas Ausreichendes weiß?

Da gleiche gilt für die Fürsprecher einer Chemotherapie. Haben die überhaupt das (umfassende) Wissen über den jeweiligen Patienten, um im jeweiligen Fall eine mit großer Wahrscheinlickeit zutreffende Aussage zu den vorgeschlagenen Methoden zu machen? Dazu siehe oben (wer zahlt denn solche Mühen).

Es bleibt für den Patienten immer die als Laie kaum lösbare Aufgabe, aus den gegebenen Informationen (die einseitig, unvollständig, lenkend sein können) eine Entscheidung für sich abzuleiten.

Und das ist der Boden, auf denen Geschäftemacher (auch in Kliniken nicht nur in „alternativen Krebspraxen) Unsicherheiten ausnutzen können.


Die Therapie mit eigens auf den Tumor zugeschnittenen Antikörpern erscheint vielversprechend. Doch die tatsächlichen späteren Folgen sind unbekannt. Und auch hier muss erforscht werden, warum so etwas bei Menschen NICHT zum Erfolg führt. Daraus kann man vielleicht bessere Informationen bekommen, als aus den Vermutungen (aus Theorie und Versuchen an isolierten Zellkulturen und mit eigens gezüchteten Mäusen) über die Wirkweise?


Zu 3.
Es ist bekannt, dass auch die beste Prävention (aufgrund rein statistischer in die Zukunft spekulierender Vermutungen) nicht vor dem Auftreten von Krebserkrankungen zu schützen vermag. Manchmal hat man die Idee, dass der, der Krebs bekommt, einfach Pech gehabt hat, trotz aller Bemühungen vorher.

Die ganzen Beobachtungen, dass in einer Region der Welt die Menschen sehr alt werden und weniger Krebsfälle auftreten als woanders, sind zwar interessant. Doch das darauf zurückführen zu wollen, dass der Verzehr bestimmter Pflanzen, Tees daraus oder einen bestimmte Trinkwasserzusammensetzung dafür positiv verantwortlich ist, ignoriert das Zusammenspielen vieler Faktoren zur Krebsentstehung. Produkte zu kaufen, aus diesen Dingen hergestellt, an anderen Orten der Welt, ohne die Lebensbedingungen genau anzupassen, unterstützt Geschäftemacher (mit der Angst vor Krebs), muss aber im Regelfall scheitern. Dazu kommt, dass Menschen in solchen Regionen oft einen ähnlichen (Nachfahren) „Genpool“ haben, der diese Art der Erkrankungen vielleicht weniger begünstigt. Manche Studien zu den Gesundheitsbesonderheiten solcher Regionen haben nur wenige Menschen als Grundlage, dann auch noch repräsentativ die gesünderen. In ganz großen Studien (die oft möglicherweise wesentliche Faktoren außer Acht lassen müssen), finden sich dann zumeist nur marginale Unterschiede.

Doch bei Menschen, die eine Krebserkrankung entwickelten, kann man recht individuell nach Faktoren suchen, die Ursache waren (selten wirklich zu finden), zumindest nach Belastungen der früheren und bisherigen Lebensweise usw. Es macht immer Sinn, die Rekonvaleszenz nach den Therapien (nicht statt dessen) zu fördern, mit allem, was – auch über Änderungen der bisherigen Lebensweise – hier unterstützen könnte. Im Regelfall sind dazu keine Mittel zuzukaufen. Nahrungsergänzung z.B. kann niemals eine „Nahrungsoptimierung“ ersetzen. Es ist eher kontraproduktiv, dem Betroffenen durch solche Dinge (Ergänzungen, Hilfsmittel) aufzuzeigen, dass er eben nicht aus sich heraus und mit den bestehenden natürlichen Möglichkeiten gesund werden und bleiben kann. Das fördert Geschäfte, nicht die Selbsterhaltungsfähigkeiten, das Selbstvertrauen, das Vertrauen (muss in vielen Fällen zurückgewonnen werden) in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten, trotz vielleicht Operations- oder Chemotherapiefolgen.

Abwehrkräfte auch gegen „Parasiten“ fördern, die wieder Ängste ausnutzen wollen, jemandem im Grunde krank erhalten, das muss auch Gegenstand einer psychoonkologischen Betreuung und Nachsorge sein. Auch wenn damit Geschäfte mit trügerischen Hoffnungen behindert werden.

Der Krebs (eine der vielen Arten) ist eine individuelle Sache, aus vielen auch individuellen und auf dieses (auf andere vielleicht nicht) Individuum „negativ“ wirkenden Einflüssen entstanden. Neben einer allgemeinen grundsätzlichen Therapie – weg mit dem entfernbaren Tumor, der entgegen den Interessen des Organismus und keinen Grund hat, sein Verhalten zu ändern – durch wenn mögliche chirurgischen Intervention, stellt sich die Frage, was zu tun ist, wenn eben Zweifel bleiben, ob nicht Reste des Tumor/Metastasen verblieben sind. Die Antworten darauf sind nur mit nicht wirklich verlässlichen Wissenshintergründen zu geben. Antworten darauf: Chemotherapie, Bestrahlung ja oder nein – im genau bekannten Individualfall vielleicht einigermaßen sicher zu geben -, oder, vielleicht weltanschaulisch begründet, alternative Verfahren, kann kein Patient bekommen. Er muss immer aufgrund der (vielleicht manipulativen) Informationen selbst entscheiden.

Nur eines kann man sagen: Wenn der Informierende, egal aus welchem „Lager“, immer darauf verweist, dass die anderen „Wahrheiten“ verschweigen, z.B. aus Profitgier, oder die anderen „Wahrheiten“ aus Quantenphysik oder geistigen Welten nicht anerkennen wollen, dann arbeitet er mit unerlaubten Manipulationsmitteln. Doch woher weiß der Laie, ob scheinbar neutral klingende Aussagen tatsächlich stimmen? Gerade, wenn sich auch wissenschaftliche Studien in ihren Interpretationen als parteiisch oder gar käuflich zeigten?

Woher weiß er, ob Kritiken an Studien tatsächlich berechtigt sind? Kann er diese Studien überhaupt lesen und dann fachlich verstehen?

Es ist Sache von (uns) Fachleuten, hier den „Manipulateuren“ und Geschäftemachern entgegen zu treten. Aber die haben oft die größeren Mittel, um Pressemeldungen zu beeinflussen und sogar genehme Fachpublikationen zu fördern. Z.B. indem gegen Bezahlung in einem renommierten Fachblatt eine Beilage bestellt wird, deren Inhalte nicht von der Fachredaktion geprüft (und wissenschaftlich mitverantwortet) werden - aber dann mit solchen Publikationen in der anerkannten Fachpresse werben. Solche können viel mehr Geldmittel (denn es werden ja Profite aus Verkauf, nicht aus Nichtverkauf gemacht) in Propaganda investieren, als die mahnenden Fachleute.

Es ist vielleicht eine Entscheidungshilfe, zu hinterfragen, wer Gewinne (neben der eingesetzten Arbeitskraft) aus vorgeschlagenen „Maßnahmen“ zieht. Direkt durch den Verkauf von Waren oder indirekt, weil jemand zum „Beratergremium“ der Profiteure gehört.

Mit den Hoffnungen Erkrankter lässt sich trefflich spielen.


Entscheidungen bleiben am Erkrankten hängen. Auch Fachleute stehen oft vor Publikationen (Pressemeldungen, Werbemitteilungen zu Präparaten und Verfahren), die das einen oder andere als besonders wirksam oder unwirksam darstellen. Wir Fachleuten können oftmals nicht die dahinter stehenden Interessen erkennen.

Wenn wir prüfen wollen, ab die angeblichen Ergebnisse von in Publikationen genannten Studien tatsächlich stimmen und zutreffend wiedergegeben wurden, stoßen auch wir an Grenzen. Viel zu oft müssen wird dafür bezahlen, den ungekürzten Text solcher Studien lesen zu dürfen und mit den angeblich daraus entnommenen Zitaten und Schlussfolgerungen zu vergleichen.

Letztlich können wir nur den Patienten unterstützen, durch umfassende Informationen zu einer Entscheidung zu kommen, die mit ihm gemeinsam getragen werden soll.



(C) Klaus-Uwe Pagel  11 2015 

Ein Beitrag aus Spiegelonline 


Darin die Aussage: "Wenn Ärzte bei der Mammografie etwas entdecken, heißt es nicht, dass die Frau Brustkrebs hat. In etwa 10 bis 25 Prozent der Fälle lautet die Diagnose: DCIS, kurz für duktales Carcinoma in situ. Es gilt als Brustkrebs-Vorstufe, doch es können viele Jahre vergehen, bis ein invasiver Tumor entsteht - und bei manchen Frauen würde es vermutlich nie passieren"

Und die Zusammenfassung des Beitrages:
" Zusammengefasst: Durch das Mammografie-Screening werden häufig DCIS entdeckt, die als Brustkrebsvorstufe gelten. Aktuelle Daten verdeutlichen, wie schwer es ist, die richtige Behandlung zu finden, da sowohl die Gefahr einer zu aggressiven Therapie als auch einer nicht ausreichend starken Behandlung vorhanden ist. Der Weg aus diesem Dilemma ist es, bessere Methoden zu entwickeln, die ungefährliche und gefährliche DCIS zuverlässig voneinander unterscheiden"

Was soll da eine Patientin sagen, wenn sie eine Entscheidung treffen soll?