Sonntag, 31. Mai 2015

Aufgaben der Heilkunde

Heilkundeausübung und Gesundheitserhaltung - 2 Paar

Schuhe



Samuel Hahnemann (der „Erfinder“ der Homöopathie) hat es im § 1 des Organons der Heilkunde auf den Punkt gebracht:


>Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt

Ausübung der Heilkunde richtet sich an den bereits kranken Menschen. Das ist derjenige, der sich nicht mittels seiner Selbsterhaltungskräfte an die natürlicherweise immer wieder anderen/sich ändernden (auch zyklisch wie Sommer und Winter, Tag und Nacht, Arbeit und Ruhe) Einflüsse der Umwelt und Gesellschaft anpassen kann. Der daraus auch Schaden nehmen kann bzw. Schaden genommen hat. Es geht also nicht um den statistischen Durchschnittsmenschen, der z.B. eine Infektion mittels seiner Regulationsfähigkeit (wenn auch mit unangenehmen Aufwand) "besiegt". Es geht um den, der das, warum auch immer nicht kann.

Einschub: Natürlich ist es bequem, wenn man die Unangenehmheiten eines (gesunden) Kampfes gegen Erreger gegen Geldzahlung (Medikamente kaufen) los werden kann. Wenn man trotz Fieber, welches der Körper an sich für nötig hält, zur Arbeit gehen kann (und dort andere ansteckt!). Wenn man den natürlichen Schmerz eines "Heilungsvorganges" (der eben zum Schonen und Kräftesparen anregen soll) - auch auf Kosten der Heilung selbst - einfach hinter Tabletten verstecken kann. Es gehört zum gesunden Selbsterhalt, dass dieser auch Mühe und Unbehagen machen kann. Der Heilkundeausübende wird aus Hygienegründen schon dafür plädieren, dass der Infizierte sich ausruht um Sich nur auf seine Genesung zu konzentrieren. Also nicht arbeiten gehen muss und damit auch die Infektion weiter trägt.

Man wird nicht krank, weil man sich nicht gesund verhält – ist keine Garantie gegen Krankheit.

Es gibt nur eine durchschnittliche, nicht auf den individuellen Einzelnen abgestimmte "Verhaltenstendenz" wieder, wie man sich ernähren oder bewegen sollte, wenn man eben nicht wegen Krankheit (körperlicher Besonderheiten, die die Anpassungsfähigkeit einschränken) etwas davon Abweichendes braucht oder meiden sollte. Wer Gluten nicht verträgt, sollte es meiden, doch ist dem, der es verträgt nicht davon abzuraten. Nicht die Kranken bestimmen im Grunde, was der Gesunde tun sollte.

Aber leider sind es unter anderem auf Gewinn abzielende Menschen, die es gerne hätten, wenn eben möglichst viele - auch die, die es nicht brauchen - ihre "Alternativangebote" oder gar "Therapien" kaufen. Dann kann es schon mal sein, dass die "Maßstäbe", wann etwas normal ist und ab wann die Behandlungsbedürftigkeit (auch ohne Symptome!) beginnt - siehe Blutdruck oder Cholesterinspiegel - zugunsten der Erweiterung des Absatzmarktes verschoben werden. Dazu geben sich auch mal Heikundler her.
Hier bedeutet das Verkaufs- und Gewinninteresse nicht gleichzeitig, dass es Heilen helfen kann, es kann seinerseits zum krankmachenden Faktor werden.

Wie schreibt Hahnemann im § 3:

>Sieht der Arzt deutlich ein, was an Krankheiten, das ist, was an jedem einzelnen Krankheitsfalle insbesondere zu heilen ist (Krankheits-Erkenntniß, Indication), sieht er deutlich ein, was an den Arzneien, das ist, an jeder Arznei insbesondere, das Heilende ist (Kenntniß der Arzneikräfte), und weiß er nach deutlichen Gründen das Heilende der Arzneien dem was er an dem Kranken unbezweifelt Krankhaftes erkannt hat, so anzupassen, daß Genesung erfolgen muß, anzupassen sowohl in Hinsicht der Angemessenheit der für den Fall nach ihrer Wirkungsart geeignetsten Arznei (Wahl des Heilmittels, Indicat), als auch in Hinsicht der genau erforderlichen Zubereitung und Menge derselben (rechte Gabe) und der gehörigen Wiederholungszeit der Gabe: - kennt er endlich die Hindernisse der Genesung in jedem Falle und weiß sie hinwegzuräumen, damit die Herstellung von Dauer sei: so versteht er zweckmäßig und gründlich zu handeln und ist ein ächter Heilkünstler.

Das bedeutet, Arzneien sind dem anzupassen, auch in der Frage, ob sie überhaupt eingesetzt werden müssen, was im INDIVIDUELLEN Fall (es kommt ja kein statistischer Durchschnittsmensch zum Heilkundeausübenden!) überhaupt notwendig und angebracht ist. Und das völlig unabhängig davon, ob man die Homöopathie präferiert oder etwas anderes.
Dem steht in der Heilkunde inzwischen die auf Statistik, also dem Durchschnittsmenschen - wer immer das ist - basierende Leitlinienmedizin entgegen. Da bestimmen Heilkundler, ab wann etwas als behandlungsbedürftig gelten soll und mit was die Behandlung erfolgen soll. Sie bestimmen also mit über die Umsetzung von Gewinninteressen. Und sie profitieren persönlich davon, dass die Profiteure sie z.B. als Referenten bezahlen, wenn sie deren Produkte im Absatz fördern helfen. Das ist einfach Fakt! Und so etwas findet sich auch in der "alternativen Heilkunde".

Bekannt ist, dass gerade aus dem Gewinnstreben Einzelner Nachteile bis hin zu schwerwiegenden (Umwelt-) Schäden für Viele entstehen können. Gerade das Gewinnstreben hat somit besondere Gefahren für die Gesundheit auch Vieler in sich. Wir kennen das aus den vielen "Lebensmittelskandalen". Und wir wissen, dass sich die Täter nicht an Regeln halten, solange keine Gefahr des Entdecktwerdens besteht oder solange man einfach wegsieht. Wir wissen auch, dass sie nicht von Strafen abgeschreckt werden - sie versuchen sich eben so zu verhalten, dass man ihnen nichts nachweisen kann oder, wenn doch, dass sie "gnädige" Richter finden. Wir wissen, dass auch versucht wird, auf die Regeln einzuwirken (Grenzwerte für Schadstoffe z.B.).

Und hier liegt die andere Aufgabenverteilung: Die Förderung der Gesundheit (ist nicht Heilkunde) soll dafür sorgen, dass die Lebensbedingungen für (gesunde) alle möglichst so verlaufen, dass es allen dient. Hier gibt es eine Reihe beratender Berufe, die das fördern und einen ganze Sparte (Lebensmittelerzeuger z.B. aber auch Firmenchefs) in der Wirtschaft, die für gute Bedingungen sorgen. Berufe: "Die die guten Äpfel im Korb polieren". Um mal ein Bild zu verwenden. Sie haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Gute eben durch das Polieren (Abreiben von Schimmelsporen) gut bleibt. Leider versagen hier immer wieder zu viele - eben wegen der Verlockung der Gewinne. Vielleicht verkaufen sie sogar den verdorbenen Apfel (Schimmel abgewischt und Wachs draufgerieben)?

Im § 4 gibt Hahnemann dem Heilkundeausübenden hier eine andere Aufgabe:

>Er ist zugleich ein Gesundheit-Erhalter, wenn er die Gesundheit störenden und Krankheit erzeugenden und unterhaltenden Dinge kennt und sie von den gesunden Menschen zu entfernen weiß.

Er kümmert sich nicht um die Dinge, die gut laufen sollten, um Gesund zu bleiben. Er schaut auf das, was krank macht und sorgt für die Entfernung. Das nennt man Hygiene.
Die Erhaltung und Schaffung der möglichst besten Lebensbedingungen für den gesunden Menschen ist das Eine: die Aufgabe der gesundheits(erhaltungs)beratenden Berufe. Der Berufe, die dem "Durchschnittsmenschen" helfen sollen, im "normalen" Leben möglichst gut zu bestehen. Deswegen ist auch alles, was unter diesen, den persönlichen Lebensvorteil fördernden Bereich fällt, wie eine Ware der Umsatzsteuerpflicht unterworfen.
Die Heilkundler haben zu erkennen, wenn ein fauler Apfel im Korb ist, sie haben zu verhindern, dass Fäulnis auftreten kann und eben die guten Äpfel verdirbt. Sie haben Kraft ihres Wissens eben Krankheit/Fäulnis zu erkennen und von "nicht ungesunden Besonderheiten des Lebens" zu unterscheiden.

Das unterscheidet auch die Sichtweise und daraus resultierende "Sprache". Der eine schaut auf das, was Gut ist und will es fördern. Der andere hat die Aufgabe, zu erkennen, was krank machen kann (auch individuelle Einzelne) und darauf hinzuweisen, damit es entfernt werden kann und das Gute nicht schädigt. Der faule Apfel verdirbt eben den ganzen Korb. Und er muss auch mahnen, wenn der Blick auf die guten Äpfel gelenkt wird, damit die faulen (die Krankheit) sich weiter halten und ausbreiten kann (oder verkauft werden). Dann auch das macht krank: Mängel nicht sehen wollen (können).

Ich bin Heilkundausübender und muss daher aus meiner Sicht und Aufgabe die Dinge ansprechen. Denn ich bestimme so mit, was die "Gesundheits(erhaltungs)förderer" letztlich beachten. Z.B. ist Ernährungswissenschaft KEINE Heilkundewissenschaft. Auch wenn sie aus dem Wissen der Medizin, Wissen der Heilkunde (warum und wie jemand individuell krank wurde) vieles ableitet, ohne dieses Wissen nicht funktionieren kann.

Ich kann nicht beide Sichtweisen zu meiner Handlung machen: Denn, was die "Masse" gesund halten kann - ihr zumindest nicht schadet und entsprechend vermarktet wird, muss immer für den Einzelnen als potentiell krankmachend betrachtet werden, denn es ist ja nicht auf den einzelnen Menschen mit seinen Besonderheiten (aus denen Krankheiten wachsen könnten) und Bedürfnissen zugeschnitten. Auch wenn ich mich an den guten Äpfeln erfreue ist es meine Aufgabe als Heilkundeausübender, die faulen zu erkennen und zu entfernen.
Ich muss - immer mit dem Blick darauf, dass scheinbar den "Durchschnittsmenschen" gesundhaltende Dinge den Einzelne krank machen können - kritisch hinschauen und ggf. bewußt machen.

Das ist die Folge der notwendigen Rollentrennung.


Copyright K.-U. Pagel 05 2015

Mittwoch, 6. Mai 2015

Suggestion - Programmierung des Empfinden und Handelns



Wie geht Suggestion – oder die Wirkung umgesetzter Gedanken/Behauptungen


Der „Volksmund“ erzählt vom Trinker, der infolge seines Suffs im Hirn die Halluzination, Wahrnehmung ohne nachweisbare Reizgrundlage, eines rosa Elefanten produziert. Diesen sieht er mitten in seinem Wohnzimmer stehen. Was tut er? Er geht selbstverständlich um ihn herum, nicht hindurch. Dazu muss er aber das Sofa und den Coachtisch verstellen, sonst hat er keinen Platz dazu. Der halluzinierte Elefant hat damit indirekt „Wirkungen“ auf das Zimmer ausgeübt. Fragt nun ein Besucher, warum er sein Wohnzimmer so eigenartig gestaltet hat, so bekommt er zur Antwort, dass das wegen des rosa Elefanten so notwenig ist. Und der Besucher wird aufgefordert, nicht quer durch das Zimmer zu gehen, sondern schön am Rande entlang.

Nun kann man das auch anders erzeugen. Man stellt sich einfach nur vor, dass dort ein rosa Elefant stehen könnte und verhält sich entsprechend (absichtlich). Man setzt die reine „Idee“ in Handlungen um. Auch wenn man das Wohnzimmer entsprechend umräumt, um am gedachten rosa Elefanten vorbei zu kommen, ist dieser nicht da und „materialisiert“ sich auch nicht. Das Zimmer wurde allerdings verändert, es zeigt die Wirkungen des gedachten Elefanten. Auch verändert sich das Verhalten des „Sich-Einen-Elefanten-Vorstellers“. Er geht andere Wege in diesem Zimmer.

Man kann aus einer Gruppendynamik heraus oder auch wegen Beziehungen zu anderen Menschen übernehmen, dass diese – warum auch immer, vielleicht als imaginäre Gottheit  - einen rosa Elefanten als Zentrum ihres Wohnzimmers sehen wollen. Vielleicht, weil sich die Gruppe oder der das Übernehmende dann „sicherer“ fühlt.

Das ist auch ein Teilaspekt des „Placeboeffekts“. Man fühlt sich beim Behandler „wohl“. Man möchte diesem nicht negatives als „Lohn“ geben. So ist man bereit, sich erst einmal darauf „einzulassen“, dass  die Beschwerden (egal mit welcher Therapie) besser werden. Darauf stellt sich  die „Bewertung“ der eigenen Wahrnehmung ein.

Gerade bei bewusst (auto-) suggestiven Therapien wie Hypnose ist die Herstellung einer „angenehmen entspannten (Wohlfühl-) Atmosphäre“ wichtig.

So wie umgekehrt der beste Fachmann mit der besten Arznei weniger Erfolge erzielen kann, wenn der Patient diesem sehr misstraut, ihm vielleicht keinen „Erfolg“ gönnt.

Wenn die Bereitschaft da ist, in das eigene Denken, in die eigene Vorstellung das zu übernehmen, was der andere (zu dessen Gruppe man vielleicht gehören will oder dessen „Liebe“ man sucht)  vorgibt, und wenn man bereit ist, dass ins Denken, Fühlen und Handeln zu übernehmen, dann zeigt es Wirkungen z.B. über das Verhalten.

Ein „kollektives Bewusstsein“, eine kollektive Vorstellung, vermag auf den, der zum Kollektiv gehört (darauf ist es beschränkt) auch heilsame Wirkungen zu entfalten. Das ist ein Hintergrund, warum die Zugehörigkeit zu Glaubensgemeinschaften schon „heilenden Charakter“ haben könnte.

Es ist dann Sache dessen, der solche „Suggestionen“ setzt, was er bewirken will und vor allem auch, zu wessen Nutzen. Der Handelsvertreter, der dem potentiellen Kunden den Gedanken in den Kopf setzen will, dass sein angebotenes Produkt Nutzen für den Kunden haben soll, vielleicht schon im Kunden ein Wohlgefühl bewirkt indem sich dieser einen Nutzen vorstellt, hat seine Provision im Kopf. Der überzeugte Geistliche, der einen Ratsuchenden seinen Glauben mitteilt, will dem Ratsuchenden dadurch, dass dieser die Ideen übernehmen soll, ohne eigenen Gewinngedanken helfen.

Aber, es bleibt immer rein subjektiv bei dem, der den „Gedanken setzen möchte“, aus welchem Zweck das geschieht. Bei vielen solcher zu übernehmenden Suggestionen, Angeboten, Gedanken, Vorstellungen kann der „Empfänger“ mitbestimmen, wieweit er sich darauf einlässt und zum Handlungsmuster macht. Doch hängt das von seinem „Leidensdruck“ mit ab, von seinen Hoffnungen, etwas als Leiden-Machend-Empfundendes, los zu werden, gepaart mit der diesem gegenüber empfundenen eigenen Hilflosigkeit. Wer Leidensdruck hat (oder bei dem bei dem man suggestiv Leidensdruck geschaffen hat) glaubt leichter, ist suggestibler.

 Copyright K.-U.Pagel  05.2015