Freitag, 27. Februar 2015

Ernährung - das muss reichen



Gesunde Ernährung einmal anders – so wenig reicht


Es war an einem Sommertag, Samstagnachmittag, recht warm. Ein Friedhof in Mainz, Vorplatz der Trauerhalle.

Ich war an diesem Nachmittag mit meiner Lebensgefährtin zur Pflege der Gräber ihrer Mutter und Großmutter auf dem Friedhof. Meine schon seit langen bestehende, jedoch bisher noch immer nicht aufgeklärte Muskelkrankheit machte mir zu schaffen. Da ich aus der Hocke nur schwer und mit Schmerzen aufstehen könnte, habe ich das (nicht leichte) Holen von Gieswasser übernommen.

Auf dem Weg zum Brunnen und Stand mit den Gieskannen sah ich einen Mann auf dem Vorplatz stehen. Still, reglos, aufrecht, eine volle Stofftasche in der Hand. War er nur dick oder waren es viele Schichten von Kleidung übereinander, die ihn korpulent wirken ließen? In Lumpen, schmutzig wirkend, ein Penner? Er saß nicht irgendwo angetrunken, er stand aufrecht, nüchtern. In den kaputten Schuhen konnte ich ein wenig seines Fußes sehen. Wirkten leicht angeschwollen. Er stand dort reglos. Das Gesicht mit einer Kapuze fast völlig verdeckt.

Ich ging hin und fragte ihn, ob ich ihm etwas schenken dürfe. Ohne auf die Antwort zu warten, gab ich ihm, was ich an Münzgeld hatte, einige Euro waren se und ging weiter, mein „Werk zu verrichten“. Als ich nach dem Gräber wässern die Kannen zurück zum Stand gebracht hatte, kam ich wieder an ihm vorbei. Er rief mich: „Haben Sie mir vorhin etwas geschenkt?“ Ich ging zu ihm und fragte, ob es ihm recht gewesen wäre. Er streckte mir das Geld wieder entgegen: „Ich kann damit nichts anfangen. Die Menschen mögen mich nicht, ich darf in keinem Geschäft etwas einkaufen. Wenn Sie mir helfen wollen, dann bitte, kaufen Sie für mich ein.“ Ein ganz ruhiger und  höflicher Mensch. Er sah mich nicht an, ich sah sein Gesicht wegen der Kapuze kaum.

Samstagnachmittag, kein Geschäft weit und breit um den Friedhof herum. Und die Frage, ob in dieser Gegend Geschäfte am Samstagnachmittag noch offen haben. Ich trug ihm meine Bedenken vor. Und sagte dann zu mir: „Du Narr, er hat doch keine Zeit und keinen Tage.“ Und bis Montag ist es lang.

Ich konnte ihm nur sagen, dass ich es versuchen werde, aber nicht weiß, ob es mir gelingen kann und ich mit Nahrung zu ihm zurückkomme. Da wurde er konkret: „Bitte, ich kann nicht alles essen, und vieles wird viel zu schnell hier schlecht. Ich sage Ihnen genau, was ich brauche. Bitte bringen Sie mir nichts anderes.“

Er gab mir eine leere Packung eines Traubenzuckerpulvers. Ein Gemisch mit diversen Vitaminen. „Es muss das sein, dass mische ich mir mit kohlensäurefreiem Mineralwasser. Und bitte solches Wasser, in kleineren Portionsflaschen. Und eine Packung Salbeibonbons. Wichtig: einzeln verpackte, damit keine Insekten davon angezogen werden und in der Packung wohnen.“

Wie soll ich das machen? In dieser Gegend? Zu dieser Zeit. Ich versprach, es zu versuchen - mit unsicherem Ausgang.

Meine Lebensgefährtin hatte ihre Arbeit an den Gräbern beendet, war müde und wir hatten am Abend noch Termine. Sie folgte meiner Bitte und fuhr mit Ihrem Auto dorthin, Kilometer entfernt, wo ich mich erinnerte, dass dort ein kleiner Supermarkt war. Der hoffentlich noch offen hat.

Er hatte auf, aber: es war heißer Sommer, viel Wasser war verkauft, viel, ohne Kohlensäure. Ich konnte nur noch einen Sechserpack eines teureren Markenwassers in 1 ½ l Flaschen bekommen. Nicht die Marke des Traubenzuckers, aber eine Packung mit gleicher Zusammensetzung. Und Salbeibonbons einer anderen Marke. Wir führen damit zurück.

Sie wartete im Auto und ich ging mit der für mich schweren Wasserpackung und den anderen Sachen zur Trauerhalle. Er stand noch immer da. Er war nicht überrascht, dass ich wieder kam. Ich entschuldigte mich, dass ich nicht das bekommen konnte, was er erbeten hatte. Reichte ihm den Traubenzucker und die Bonbons. Er verstaute diese in seinem Beutel.

Das Wasser wurde so schwer, mein Arm begann zu krampfen und ich stellte den Sechserpack schnell auf den Boden. „Nicht in den Dreck, neiiin“ schrie er auf. „Ich kann das doch dann nicht mehr nehmen.“

Ich war völlig entsetzt und sprachlos. Meinen Arme und Beine taten weh wir hatten unseren Tagesplan geändert, waren noch immer nicht zu hause, ich habe getan was ich konnte für diesen Fremden. Dann das, aber was war es? Er hat mich nicht beschimpft. Er war verzweifelt. Ich hatte nicht verstanden, dass er auch Angst hatte vor dem „Dreck, in dem er leben musste“. Angst davor krank (kränker?) zu werden. Vielleicht setzte er sich deswegen nicht? Ich schwieg (Außer der leisen Bemerkung: „Ich wusste nicht…“) und ging schnell weg.

Es hatte mich getroffen. Dann diese von mir als harsch und ungerecht empfundene Situation. Ich musste gehen, es zerriss mich fast. Er rief mir nach „Entschuldigung, bitte Entschuldigung“. Gleiches dachte ich. Ich konnte ihm nur zurufen: „Es ist gut, ist alles in Ordnung“.

Vergessen kann ich die Geschichte nicht.

Wenn ich immer wieder lesen muss, wie Menschen Geld dafür ausgeben, möglichst die besten und gesündesten Lebensmittel zu bekommen, sich darüber streiten, welche Ernährungsweise besser ist und welches Gerät das gesündeste Wasser macht, dann bin ich entsetzt. Wie krank ist doch unsere Gesellschaft, wie krank macht das Streben nach Gesundheit!


Copyright  K.-U.Pagel 02.2015

Dienstag, 3. Februar 2015

Therapieideen Spiegel der Gesellschaft?



Umdenken in Mitochondrientherapie?

Ich habe mal wieder im Web Informationen zu verschiedenen Themen der Heilkunde gesucht. Diesmal zu Mitochondrien und was man dazu (auch werbend für z.B. Ergänzungsmittel) schreibt.

Zu Mitochondrien z.B.:


oder wissenschaftlich:

http://www.mpg.de/6684141/MPI_Age_JB_2013



Die Formulierung ist mir in verschiedenen Seiten ins Auge gefallen, dass es eine Art "ATP-Währung" gibt, die die Mitochondrien unters "Zellvolk" bringen und welche die Funktionen der Zelle bestimmen sollen.



Mitochondrien als Kapital produzierende Wirtschaftunternehmen? Unter den Regeln des Kapitalismus? Mir scheint, dass das so falsch nicht ist.

Die Zelle steht mittels der vielen (zelleigenen) Gene des Zellkerns unter einer "übergeordneten" Kontrolle. Sie fügt sich ins Gesamtwohl des Organismus ein. Das Überleben des Ganzen, welches aus vielen spezialisierten Organismus besteht in einer Gemeinschaft vieler Organismen, ist das übergeordnete Ziel, welches das Überleben des Ganzen sichern soll.

Die Mitochondrien als ehemalige bakteriode Einzelwesen (keine Gemeinschaftswesen) haben ihre eigenen Gene, auf einem Ringmolekül aus Doppelstrang DNA, welche in mehrfachen Kopien pro Mitochondrium vorkommen. Die Überlebensdauer eines Mitochondriums, als die Zeit, in der es sich geteilt haben muss, ist unklar, vielleicht 2 - 3 Wochen.

Die Gene in den wenigen bis sehr vielen Mitochondrien (je nach Zellart, genauer Zellfunktion und Tätigkeit) neigen dazu, zu mutieren, Fehler zu machen und damit Fehlprogramme. Es hängt dann auch davon ab wie viele intakte gegenüber den veränderten Genen im Mitochondrium sind, ob und wie stark sich diese Fehler bemerkbar machen.

Diese Einzelwesen handeln nach jeweils eigenem Gusto. Sie sind nur sich selbst der Nächste. Konkurenz untereinander um z.B. Materialien zur Funktion sind damit vorprogrammiert.
Die Vererbung unterliegt nicht den Gesetzen der Zelle (Mendelsche Gesetze).

Die Aufgaben dieser Mitochondrien sind beschränkt. Für diese Aufgaben sind die mitochondrieneigenen Gene die Schlüssel. Aber nur zum Teil. Viele Gene des Zellkerns steuern hier mit, sind für die Funktionen (und den Aufbau) mit verantwortlich. Die Zelle versucht aus den Programmen ihres Kerns die Funktionen der Mitochondrien zu kontrollieren. Ein "anarchistisches" Entgleiten der "egoistischen" Tätigkeit zu verhindern.

Die Mitochondrien "locken" die Zelle mit ihrer "Währung". Gaukeln ihr vor, mit dem zur Verfügung gestellten Kapital unermesslich stark und leistungsfähig zu sein.  Und das nimmt das Gehirn wahr - Krankheitsempfindung wird vermindert. Dann fühlt sich die Zelle wohl, auch wenn sie in Wahrheit immer mehr dem Kollaps entgegengeht.

Darin sehe ich einen Effekt der Therapien, die die Mitochondrien immer mehr zu Leistungen fähig machen sollen. Es wird also immer mehr Kapital in die „Wirtschaft“ gepumpt, woher auch immer genommen (Darlehen bei der Umwelt?), um die Zahl der Mitochondrien letztlich wachsen zu lassen und mehr ATP-Währung zu generieren.

Tatsächlich ist es biologisch sinnvoll, wenn die Zelle das Wachstum der Zahl der Mitochondrien und die Funktion der einzelnen begrenzt. Dadurch, dass sie mit der Währung gut umgeht, nicht einfach mehr verbraucht, als tatsächlich im Gesamtzusammenhang sinnvoll und nötig, ATP liegen lässt, und vor allem die bei der ATP-Gewinnung anfallenden Endprodukte nicht mehr abtransportieren kann,

Denn, vergessen wir nicht, die Zelle muss aus ihren Leistungen den Mitochondrien einiges zuliefern. Mitochondrien leben letztlich aus der Zellleistung. Und wenn die Zelle immer vermehrt zu Gunsten der Mitochondrien Gene benutzt, Stoffe produziert, Ihre Transportkapazität für Anlieferung zu den Mitochondrien auslastet, sowie bei der Entsorgung nicht mehr nachkommt, wird sie letztlich daran kranken. Auch wenn eine ganze Weile die ATP-Angebote ihr "Glückseeligkeit" - drogenartig - schaffen. Die „Wirtschaft“ nutzt die Infrastruktur der Zelle, die von der Zelle geschaffen wurde. Und wie ist das im Großen? Es wird immer mehr bekannt, wie es gelingt, dass die Wirtschaft ihren Steuerbeitrag an solchen Infrastruktur-Gemeinschaftsaufgaben zu vermindern weiß. Manchmal sich nur ansiedelt, wenn entsprechende Vorleistungen durch die Allgemeinheit geschaffen wurden. Subventionen fließen.

Wie im Großen so im Kleinen?

Schauen wir dazu ins Große, die Wirtschaft, die Finanzkrisen, die Staatswirtschaftskrisen der EU. Mit den vielen immer mehr wachsenden Schulden usw. Und es gibt auch hier immer wieder Einflüsse, die säuseln, es sei doch alles gut, wenn nur die Wirtschaft weiter wächst (nur von was und mit welchen giftigen Folgen?).

Burn-out (ausgebrannt sein) - Folge von Mitochondrienstörungen, die durch Hineinpumpen von Stoffen behoben werden müssen? Übersäuerung der Zelle deswegen? Oder einfach die Folge einer überforderten Zelle, die immer mehr darunter leidet, dass die "Wirtschaft", die Produktion von ATP-Währung, immer mehr zunimmt? Es immer mehr um Erfolge geht? Erfolge, die auch unter den Mitochondrien nur einige wirklich haben können?

Vielleicht ein Anlass über die Zielrichtung in dieser "Mitochondrientherapien" nachzudenken? Bei denen das Haben und immer mehr Bekommen letztlich die gesamte Zelle gefährden kann?

Wie im Kleinen, so im Großen?

Mir fällt auf, dass Stoffe und Geräte, die dieses ständig mehr Produzieren an ATP-Währung bewirken sollen, nicht selten mittels Vertriebssystemen verkauft werden, die der ATP Gewinnung ähneln. Bei der ATP-Gewinnung in der Atmungskette entsteht diese "Währung" aus einer Portion Rohstoff (NADH-H) in verschiedenen Stufen. Es verdienen sozusagen mehrere Netzstrukturen daran.


Und auch da ist es wie bei den Mitochondrien, die Zahl der Mitmachenden steigt, damit Einzelne gewinnen, aber für viele ist außer eingesetztem Geld und eingesetzter Kraft nichts übrig. Ihre "Trümmer" muss die Zelle dann "bewältigen". Nur nutzt das der Zelle? Gibt es in der Zelle eine gute "Stimmung"? Setzt es die Zelle nicht unter "Erfolgsdruck"?

Wozu dann Coaches ihre Hilfe anbieten. Coaches, die auch die Förderung des Mitochondrien-Wirtschaftssystem im Auge haben. Welches ja dann die "Burn-Outen" hervorbringt, denen man dann wieder Hilfe anbieten kann?

Wem nutzt solches Therapiesystem? Dem Prinzip des mitochondrientypischen Egoismus gegenüber dem System des Gemeinschaftsnutzens (auch wenn man auf Währungsproduktion um jeden Preis verzichtet) und Überlebens durch eine intakte Zellgesellschaft?

 Copyright K.-U.Pagel 02.2015

Sonntag, 1. Februar 2015

Übervorteilter Patient

Patientenschutz mit zweierlei Maß?

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Gesetzentwurf, der Korruption im Gesundheitswesen unter Strafe stellen soll. Bestechung und Bestechlichkeit von Ärzten und Psychotherapeuten sollen Straftatbestände werden. Neuer Paragraf 299a des Strafgesetzbuches, wonach alle Angehörigen von Heilberufen, die eine staatlich geregelte Ausbildung brauchen, betroffen sein sollen.

"Es soll damit der besonderen Verantwortung der im Gesundheitswesen tätigen Heilberufsgruppen Rechnung getragen und gewährleistet werden, dass heilberufliche Entscheidungen frei von unzulässiger Einflussnahme getroffen werden"

heißt es in der Gesetzesbegründung.

Zitiert nach Ärztezeitung vom 28.01.2015


Die Ärztezeitung ergänzt dazu:
Die Opposition stellte den Patientenschutz in den Vordergrund. Patienten müssten darauf vertrauen können, dass eine Behandlungsempfehlung aus gesundheitlichen und nicht aus finanziellen Interessen erfolge, sagte Maria Klein-Schmeink von den Grünen der "Ärzte Zeitung".“

Ein Kommentator, Arzt, erhebt verfassungsrechtliche Bedenken:
Ein § 299a StGB, der sich nur und ausschließlich auf den Bereich „Gesundheitswesen“ bezieht und alle a n d e r e n Formen der Freiberuflichkeit bzw. der selbstständigen Tätigkeit und Unternehmungsbereiche außer Acht lässt ist m. E. verfassungswidrig. Denn er schützt und privilegiert alle n i c h t im Gesundheitswesen und der Krankenversorgung freiberuflich und/oder selbstständig Tätigen weiterhin vor jeglicher strafrechtlichen Verfolgung wegen Bestechlichkeit, Bestechung und Vorteilsnahme.“

Die Bedenken sollte man m.E. auch aus Sicht des Patientenschutzes haben. Es gibt vor allem weitere Berufsgruppen, die Heilkunde am Patienten – und hoffentlich ausschließlich zu dessen Vorteil ausüben: Die Heilpraktiker und Personen mit auf nur ein Teilgebiet der Heilkunde beschränkter Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz, sektorale Heilpraktiker, so im Gebiet der Psychotherapie. Heilpraktiker arbeiten ähnlich einem Arzt, können dessen Tätigkeit in vielen Bereichen ersetzen, auch in der Psychotherapie. Sektorale Heilpraktiker z.B. im Gebiet der Psychotherapie arbeiten – mit mehr Verfahren – ähnlich den Psychotherapeuten.

Sie gehören nicht dem (geregelten) Gesundheitswesen an und müssen keine staatlich geregelte Ausbildung vorweisen. Sie sind (deswegen) auch nicht zur Abrechnung mit gesetzlichen Krankenkassen zugelassen, aber privatversicherte Patienten können, wie beim Arzt, Heilpraktikerleistungen gemäß ihren Vertragsbedingungen Kostenerstattungen erhalten.

Während nach dem Gesetzentwurf ein Arzt (geregelte Ausbildung) der Privatpatienten behandelt, wie Heilpraktiker das dürfen, bis zu 5 Jahren Haft erhalten kann, wenn er „heilberufliche Entscheidungen unter unzulässiger Einflussnahme getroffen hat. Dürfen Heilpraktiker davon ausgehen, dass sie nach dem geplanten Gesetz eine Behandlungsempfehlung nicht aus gesundheitlichen sondern aus eigenem finanziellen Interessen geben dürfen, ohne Strafe zu befürchten.

Zwar verlangt das Heilpraktikergesetz, das eine Berufserlaubnis beantragt werden muss und die Durchführungsverordnungen zum Heilpraktikergesetz sicher stellen sollen, dass für die Patientengesundheit keine Gefahren durch die jeweilig tätige Person zu erkennen sind und dass eine strafrechtliche und sittliche“Zuverlässigkeit“ gegeben sein muss, doch soll der Patientenschutz bei diesem Gesetzesvorhaben außen vor bleiben?

Natürlich besteht für Patienten immer die Gefahr, dass nicht nur wirtschaftlich sondern auch im Sinne einer sorgfältigen Behandlung Nachteile entstehen, wenn ein Heilpraktiker Diagnose, Beratung und Behandlung auch danach richtet, was er neben dem Behandlungshonorar noch (hinter dem Rücken des Patienten) hinzuverdienen kann.

Man würde erwarten, dass gerade in der Heilkunde, bei der der Patient (Kunde) nicht kommt, weil er sich davon Vorteile und vielleicht sogar Nutzen für den Alltag verspricht, sondern weil er wegen der angeschlagenen Gesundheit dorthin muss (wenn er denn nicht vielleicht sogar sein Leben riskieren will), „Vertrauensmissbrauch“ besonders durch gesetzliche Regelungen verhindert werden soll.

Aber nein. Hier sollen nur Ärzte und psychologische Psychotherapeuten (als eigenständige Heilbehandler), ob kassenzugelassen oder nicht, reglementiert werden.

Beim Patientenrechtegesetz, das z.B. die Aufklärung und Dokumentation in der Praxis regelt, sind alle Behandler, also auch Heilpraktiker, betroffen. Aber gerade, wenn es um den Schutz des Patienten vor vielleicht falscher oder nicht optimaler Behandlung geht, weil der Behandler daneben eigene wirtschaftliche Interessen pflegt, sollen nicht alle Behandler betroffen sein?

Es ist m.E. ein Missstand, wenn ein Behandler vom Patienten Geld nimmt, mit dem „Versprechen“ nach bestem Wissen und Gewissen das angemessene, möglichst Beste für die Gesunderhaltung/Gesundwerdung des Patienten zu tun, aber heimlich nebenher noch Geld damit verdient, was er dem Patienten vorgeschlagen hat. Also mit dem was er quasi verkauft. Ob es heimliche Rabatte oder Vergütungen sind, die er bekommt, wenn er ein bestimmtes Labor mit Analysen beauftragt oder an den empfohlenen Medikamenten über Provisionen verdient (um nur häufigere Einkunftsquellen zu nennen), immer werden seine Vergütungen (auch Sachwerte) in die Preise, die der Patient bezahlt eingerechnet sein.

So wird doppelt verdient, in der Regel, ohne dass der Patient das (vorab) erfährt: Durch die Leistungsvergütung des Patienten und durch Zahlungen des begünstigten Dritten.

Hier ist es wie in der Finanzbranche. Da hat der Gesetzgeber ein Honorarberatergesetz erlassen, dass Personen, die den Kunden zu dessen Geldanlagen beraten, entweder nur ein Beratungshonorar erhalten unabhängig vom Beratungsausgang oder über das vermittelte Produkt Geld erhalten dürfen. Es war immer wieder aufgefallen, dass die Abhängigkeit von der Provision die Empfehlungen auch zu Ungunsten des Kunden lenkten.

In der Heilkunde kann das zur Katastrophe werden, Empfehlungen zu Ungunsten des Patienten. Auch wenn es Heilpraktiker tun. Sie sind sicher nicht weniger anfällig für solche Verlockungen als Angehörige eines Heilberufes mit staatlich geregelter Ausbildung.


Patientenschutz mit zweierlei Maß?

K.-U.Pagel 02.2015