Freitag, 27. Februar 2015

Ernährung - das muss reichen



Gesunde Ernährung einmal anders – so wenig reicht


Es war an einem Sommertag, Samstagnachmittag, recht warm. Ein Friedhof in Mainz, Vorplatz der Trauerhalle.

Ich war an diesem Nachmittag mit meiner Lebensgefährtin zur Pflege der Gräber ihrer Mutter und Großmutter auf dem Friedhof. Meine schon seit langen bestehende, jedoch bisher noch immer nicht aufgeklärte Muskelkrankheit machte mir zu schaffen. Da ich aus der Hocke nur schwer und mit Schmerzen aufstehen könnte, habe ich das (nicht leichte) Holen von Gieswasser übernommen.

Auf dem Weg zum Brunnen und Stand mit den Gieskannen sah ich einen Mann auf dem Vorplatz stehen. Still, reglos, aufrecht, eine volle Stofftasche in der Hand. War er nur dick oder waren es viele Schichten von Kleidung übereinander, die ihn korpulent wirken ließen? In Lumpen, schmutzig wirkend, ein Penner? Er saß nicht irgendwo angetrunken, er stand aufrecht, nüchtern. In den kaputten Schuhen konnte ich ein wenig seines Fußes sehen. Wirkten leicht angeschwollen. Er stand dort reglos. Das Gesicht mit einer Kapuze fast völlig verdeckt.

Ich ging hin und fragte ihn, ob ich ihm etwas schenken dürfe. Ohne auf die Antwort zu warten, gab ich ihm, was ich an Münzgeld hatte, einige Euro waren se und ging weiter, mein „Werk zu verrichten“. Als ich nach dem Gräber wässern die Kannen zurück zum Stand gebracht hatte, kam ich wieder an ihm vorbei. Er rief mich: „Haben Sie mir vorhin etwas geschenkt?“ Ich ging zu ihm und fragte, ob es ihm recht gewesen wäre. Er streckte mir das Geld wieder entgegen: „Ich kann damit nichts anfangen. Die Menschen mögen mich nicht, ich darf in keinem Geschäft etwas einkaufen. Wenn Sie mir helfen wollen, dann bitte, kaufen Sie für mich ein.“ Ein ganz ruhiger und  höflicher Mensch. Er sah mich nicht an, ich sah sein Gesicht wegen der Kapuze kaum.

Samstagnachmittag, kein Geschäft weit und breit um den Friedhof herum. Und die Frage, ob in dieser Gegend Geschäfte am Samstagnachmittag noch offen haben. Ich trug ihm meine Bedenken vor. Und sagte dann zu mir: „Du Narr, er hat doch keine Zeit und keinen Tage.“ Und bis Montag ist es lang.

Ich konnte ihm nur sagen, dass ich es versuchen werde, aber nicht weiß, ob es mir gelingen kann und ich mit Nahrung zu ihm zurückkomme. Da wurde er konkret: „Bitte, ich kann nicht alles essen, und vieles wird viel zu schnell hier schlecht. Ich sage Ihnen genau, was ich brauche. Bitte bringen Sie mir nichts anderes.“

Er gab mir eine leere Packung eines Traubenzuckerpulvers. Ein Gemisch mit diversen Vitaminen. „Es muss das sein, dass mische ich mir mit kohlensäurefreiem Mineralwasser. Und bitte solches Wasser, in kleineren Portionsflaschen. Und eine Packung Salbeibonbons. Wichtig: einzeln verpackte, damit keine Insekten davon angezogen werden und in der Packung wohnen.“

Wie soll ich das machen? In dieser Gegend? Zu dieser Zeit. Ich versprach, es zu versuchen - mit unsicherem Ausgang.

Meine Lebensgefährtin hatte ihre Arbeit an den Gräbern beendet, war müde und wir hatten am Abend noch Termine. Sie folgte meiner Bitte und fuhr mit Ihrem Auto dorthin, Kilometer entfernt, wo ich mich erinnerte, dass dort ein kleiner Supermarkt war. Der hoffentlich noch offen hat.

Er hatte auf, aber: es war heißer Sommer, viel Wasser war verkauft, viel, ohne Kohlensäure. Ich konnte nur noch einen Sechserpack eines teureren Markenwassers in 1 ½ l Flaschen bekommen. Nicht die Marke des Traubenzuckers, aber eine Packung mit gleicher Zusammensetzung. Und Salbeibonbons einer anderen Marke. Wir führen damit zurück.

Sie wartete im Auto und ich ging mit der für mich schweren Wasserpackung und den anderen Sachen zur Trauerhalle. Er stand noch immer da. Er war nicht überrascht, dass ich wieder kam. Ich entschuldigte mich, dass ich nicht das bekommen konnte, was er erbeten hatte. Reichte ihm den Traubenzucker und die Bonbons. Er verstaute diese in seinem Beutel.

Das Wasser wurde so schwer, mein Arm begann zu krampfen und ich stellte den Sechserpack schnell auf den Boden. „Nicht in den Dreck, neiiin“ schrie er auf. „Ich kann das doch dann nicht mehr nehmen.“

Ich war völlig entsetzt und sprachlos. Meinen Arme und Beine taten weh wir hatten unseren Tagesplan geändert, waren noch immer nicht zu hause, ich habe getan was ich konnte für diesen Fremden. Dann das, aber was war es? Er hat mich nicht beschimpft. Er war verzweifelt. Ich hatte nicht verstanden, dass er auch Angst hatte vor dem „Dreck, in dem er leben musste“. Angst davor krank (kränker?) zu werden. Vielleicht setzte er sich deswegen nicht? Ich schwieg (Außer der leisen Bemerkung: „Ich wusste nicht…“) und ging schnell weg.

Es hatte mich getroffen. Dann diese von mir als harsch und ungerecht empfundene Situation. Ich musste gehen, es zerriss mich fast. Er rief mir nach „Entschuldigung, bitte Entschuldigung“. Gleiches dachte ich. Ich konnte ihm nur zurufen: „Es ist gut, ist alles in Ordnung“.

Vergessen kann ich die Geschichte nicht.

Wenn ich immer wieder lesen muss, wie Menschen Geld dafür ausgeben, möglichst die besten und gesündesten Lebensmittel zu bekommen, sich darüber streiten, welche Ernährungsweise besser ist und welches Gerät das gesündeste Wasser macht, dann bin ich entsetzt. Wie krank ist doch unsere Gesellschaft, wie krank macht das Streben nach Gesundheit!


Copyright  K.-U.Pagel 02.2015

Samstag, 7. Februar 2015

Der Papst und überdenkenswerte Pädagogik

Pädagogischer Irrsinn? Unterschied zwischen „Reaktion auf Handeln“ und Prügelstrafe


Auch dieses Thema hat mit Heilkunde zu tun. Mit dem Wissen um (neuro)-biologische Zusammenhänge. Hat zu tun mit dem Wissen um psychologisch verursachte (psychische-) Krankheiten und Leiden.

Deswegen hier der Blick auf die (aktuellen) Angriffe gegen den Papst, der nichts Böses getan hat. Er hat Gewaltexzesse gegen Kinder, sexuelle Übergriffe gegen diese mit keinem Wort entschuldigt oder gar gut geheißen. Er hat lediglich etwas, was noch immer in der weit überwiegenden Zahl der Staaten dieser Erde erlaubt ist, in manchen, wie den USA sogar gesetzlich Elternrecht ist, in der Bundesrepublik bis vor gar nicht langer Zeit im Bürgerlichen Gesetzbuch (Familienrecht) verankert war, für nicht verwerflich bezeichnet, für erlaubt: Den pädagogischen Klaps.


Überschrift bei t-online: „Papst befürwortet "würdevolles Schlagen" von Kindern“

Welcher Narr – anders kann ich es subjektiv nicht fragen – kann diese angebliche Aussage des Papstes für falsch halten: „Bei der Gelegenheit gab Franziskus preis, was für ihn einen guten Vater ausmache. Dies sei jemand, der vergebe, aber "mit Bestimmtheit zu korrigieren" vermöge, ohne dabei das Kind zu entmutigen.“

Die Pädagogik, die Neurobiologie, verlangt als Voraussetzung für das Lernen, dass etwas auf eine Handlung folgt, was diese mit Bestimmtheit zu korrigieren vermag. Ohne einen solchen Effekt, macht es keinen Sinn, aus einer Handlung zu lernen. Das „Gute“ geht von alleine, man kann es laufen lassen, aber das „Schlechte“ muss über negative, damit verbundenen Folgen sofort erkennbar gemacht werden. Worte haben da im Regelfall keine oder kaum Wirkung.

Und entlarven wir mal die „Belohnungspädagogen“.Auch unter den Neurobiologen, die Belohnungszentren im Hirn behaupten. Was tatsächlich in diesen Zentren vorgeht, wissen sie nicht.


Belohnung wird erst durch vorangegangene Beschränkung als solche empfunden

Tatsache ist, sobald eine Belohnung in Aussicht gestellt wird, ist das Nichterhalten dieser eine Strafe, die Verweigerung einer Bedürfniserfüllung. Beispiel: Früher war es selbstverständlich, dass ein Kind Fernsehen durfte (wenn das möglich war, keine anderen Aufgaben usw. dem entgegen standen). So war das Verbot, dann, wenn es eben möglich gewesen wäre, sich seine Lieblingssendung anzusehen, als Erziehungsmittel (Mittel zum Lernen) wirksam. Die Belohnungspädagogen haben das dann pervertiert: Fernsehen ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Es ist eine Gnade, die Herrscher gewähren können. Früher: Wenn Du etwas falsch gemacht hast, darfst Du nicht fernsehen, ansonsten doch. Heute: Du darfst nur Fernsehen, wenn du etwas tust, als Belohnung.

Die freie Entfaltung des Kindes also zunächst völlig beschneiden. Nur dann ist es möglich, etwas, was früher nur in Ausnahmen mal nicht erlaubt war, zur ausnahmsweisen Belohnung werden zu lassen. Das Selbstverständliche, die Freiheit, kann nicht als Belohnung wirksam sein. Neugier, auch befriedigt durch Fernsehen, ist ein wichtiges Entwicklungselement der Kinder, führt zur Erfüllung von Grundbedürfnissen.

Die Belohnungspädagogik lebt davon, Freiheiten und freie Bedürfnisbefriedigungen zu beschneiden, um dann die Erfüllungsgestattung zum (entwürdigenden!) Druckmittel für (Verhaltens-) Dressur zu machen.

Ein Vatikanvertreter erläuterte (laut t-online): „Dieser habe ganz offensichtlich nicht über Gewalt oder Grausamkeit gegenüber Kindern gesprochen, sondern vielmehr darüber, "jemanden zu Wachstum und Reife zu verhelfen."


Lernen durch gekoppelte spürbare Handlungsfolge

Schauen wir uns mal psychologisch und neurobiologisch den Vorgang des Lernens an. Ein einfaches Model ist der „Pawlow'sche Reflex“. Da wurde ein Reiz, eine Information aus der Umwelt, mit Körpererfahrung, vegetativer Reaktion, verknüpft.

Ein Glockenton erklang, gleichzeitig wurde einem Hund Futter angeboten, welches „das Wasser im Munde zusammenlaufen“ lies. Nach einiger Wiederholung lernte er Hund: Wenn die Glocke ertönte kam es zur vermehrten Speichelproduktion, ganz ohne Futter in der Nähe.

In der „Psychophysiologie“ - Neurobiologie – hat man an der Universität Trier (Psychologen) das Lernen des Immunsystems erforscht. Studenten wurde Blut entnommen – Vorprobe. Dann Würfelzucker auf die Zunge gelegt und in die Vene eine Arznei gespritzt, die in bestimmter Weise das Immunsystem anregt. Danach wieder Blutentnahme und Kontrolle des Effekts auf das Immunsystem. Schließlich Änderung der Bedingungen: Zucker ja, aber nur wirkungslose Kochsalzlösung in die Vene gespritzt. Ergebnis: Dennoch stieg die Aktivität bestimmter Immunzellen in gewohnter Weise an.

Heute wurde an einer anderen Universität der Versuch im Grunde wiederholt. Nur mit einem Getränk und einer Tablette, die immunhemmende Arznei enthielt. Gleicher Effekt: Wenn getrunken wurde, aber eine wirkungslose Arznei gegeben wurde, sank die Immunaktivität.

Das ist es, was die Belohnungspädagogen scheinbar neu erfunden zu haben scheinen: Man verbinde mit einer Handlung eine Belohnung (die im Grunde aber nichts extra ist, sondern bestehende Bedürfnisse befriedigt), so könnte die Aussicht auf Belohnung die Handlung fördern. Aber eben „Etikettenschwindel“: Die Angst vor Versagen der Bedürfnisbefriedigungen – Frustration – bewirkt die (Vermeidungs-) Handlung. Man kann auch durch Handeln eine unangenehme Folge - gewecktes aber nicht erfülltes Bedürfnis - vermeiden. Das ist das (entwürdigende) Machtinstrument der Belohnungspädagogik. Und sie will nicht mal einsehen, dass sie im Grunde mit Strafe agiert. Schlimmer noch (ich nehme den Gedanken noch mal auf), damit diese Form der Pädagogik wirkt, muss zunächst eine Bedürfnis geschaffen werden, die Erfüllung muss grundsätzlich aber beschränkt werden und nur als Ausnahme (Belohnung) möglich sein.

Welches Ausgeliefertsein! Daraus können Traumatisierungen entstehen, die später noch psychisches Fehlerleben und Fehlreagieren machen können.

Die neurobiologisch orientierte Pädagogik, die nicht schamhaft die ausgeübte Gewalt als Belohnung umdeklariert, weiß, dass gelernt wird daran, welche Folgen ein Handeln (oder Unterlassen) sofort im auch zeitlichen Zusammenhang hat. Nicht erst irgend wann später. Und es ist von Bedeutung, dass die Folgen des Handelns bemerkt werden, für den Handelnden – auch körperlich – Reaktionen bewirken. Was nicht so „eingreift“, was einfach gut läuft, gehört zum „selbstverständlichen Handlungsmuster“. Das Gute läuft einfach so. Bedürfnisbefriedigungen sollten selbstverständlich (keine belohnende Ausnahme) sein. Handlungen, die aber dieses Funktionieren beeinträchtigen, auch körperliche Signale (unangenehm als Warnung für Schäden) setzen, sind es wert, sich zu merken. Sind es wert, zu lernen, dass man solches Verhalten meidet, zumindest zu wissen, dass solches Schäden bei sich oder anderen machen kann.

Überschreitet man die Grenzen des anderen, so muss man spüren, dass man gegen eine Trennwand läuft. Nur so nimmt man diese wahr. Und sei es, dass der andere einem die Tür vor der Nase zuwirft – auch mit blutiger Nase als Folge.

Langes Diskutieren bringt nur eines als Folge: Die Erwartung des Täters, des Grenzüberschreiters, dass er mit dem Krieg der Worte und Listen seine, den anderen schädigenden, Ziele noch erreichen kann. Und für die Zukunft bleibt das der Lerneffekt: Es schadet nichts, falsch zu handeln, das Schwätzen wird’s schon richten.

Ein Problem heute auch im Jugendstrafrecht. Es gibt keine unmittelbare Tatfolge. Die Gesetze von Wirkung und Gegenwirkung sind außer Kraft gesetzt. Irgendwann dann ein Gerichtsverfahren, wenn die Tat im Grunde längst Vergangenheit ist. Und dann das Geschwätz von der schlimmen Kindheit usw. Vergessen oder schlicht verleugnet wird dabei, dass im Moment der Tat der Täter davon hätte zurücktreten können. Aber, er hat ja nicht gelernt, dass Handlung mit Folge verbunden ist.

Doch halt: Er hat was gelernt. Er hat gelernt, wie er das Triumpfgefühl, den anderen halb tot geschlagen zu haben noch lange in sich spürt. Was schert ihn eine Gerichtsverhandlung in 6 oder 12 Monaten? Und wie erhebend ist das Gefühl, den Erniedrigten und Entwürdigten heute noch als Krüppel zu sehen? Heute noch zu erleben, welche Qualen der erneut erlebt, hier dem „Herrscher“ Täter gegenüber. Natürlich muss er Reue spielen wegen des dann geringeren Strafmaßes, wurde gelernt, auch aus den Erfahrungen von Kumpels.

Die forensische (Kriminal-) Psychiatrie kennt das. Die Belohnungspädagogen merken nicht, was vielleicht Folge ihrer Realitätsumkehr sein könnte.


Sofortige angemessenen Reaktion lässt Frieden einkehren

Nun wieder zum Papst und dem, was er gemeint haben könnte (als lebenserfahrener Mann wohl gemeint hat).

Er verabscheut entwürdigende Strafen, Gewaltorgien und das Abladen von Problemen der Eltern, auch miteinander, auf dem Rücken der geprügelten Kinder. Das steht außer jedem Zweifel.

Doch ist er kein ungebildeter Laie, was menschliches Verhalten, das Wesen des Menschen angeht. Das ist sein wesentlicher Berufsinhalt jetzt und immer schon gewesen. Aus dieser Sicht des Wissenden sind seine Worte richtig. Aus der Sicht des Irrenden, nicht.

Eine Handlung muss immer mit einer Reaktion, einem Ergebnis verbunden sein, das von herausgehobener Bedeutung ist, um sich das zu merken, um zu lernen. Wenn etwas läuft wie immer, also gut, dann ist das kein Anlass zum Umdenken.

Der Papst, so wie eine neurobiologisch basierte Pädagogik und psychische Krankheitsprophylaxe, sehen eine psychisch entwürdigende Handlung als schädlich, als verwerflich an. Denn nur diese hat Krankheitsfolgen, nur diese vermag ein anhaltendes Trauma zu setzen.

Verwerflich weil entwürdigend wird sie nicht durch eine körperlich gezielte Aktion. Sondern dadurch, wie diese psychisch erlebt wird. Die Psyche macht das bewertende Erleben, ob etwas Folgen hat, negative oder positive. Der im Zusammenhang gegebene Klaps zwingt nicht zum psychischen Bewerten. Aber das Gespräch zur Rechtfertigung.

Gerade dann wenn eine Person sich rechtfertigen muss, mit Worten, gegen den Vorwurf falsch, verwerflich und schuldbehaftet gehandelt zu haben, dann steht die Würde auf dem Spiel. Dann muss sie ertragen, im Trommelfeuer der Kritik, der Zweifel an seiner Person zu stehen.

Es entmutigt ein Kind, wenn es sich für eine Handlung immer wieder (mit Worten und Erklärungen) rechtfertigen muss, überhaupt noch etwas ohne Angst anzufangen. Wir sprechen uns zwar für Folterverbot aus, aber welche Form der psychischen Folter hier immer wieder angewendet wird, wird nicht bedacht. Nur die Striemen auf der Haut werden gesehen. Aber wenn man mit dem „nassen Handtuch“ des Wortes, der Schuldvorwürfe, der demotivierenden Kritik geschlagen wird, sieht man keine körperlichen Folgen. Und die psychischen sind ja dann so leicht abzustreiten! Und so schwer nachzuweisen.

Es ist bezeichnend, dass das Strafgesetzbuch den Tatbestand der Körperverletzung kennt und den nicht für psychische Verletzungen anwenden will. Da gibt es vielleicht den der Beleidigung, üblen Nachrede oder Verleumdung. Geringwertige Ehrdelikte aber keine medizinischen Verletzungstatbestände – wie bei Körperverletzung.

Wenn nun eine Handlung, die ein Kind als falsch lernen soll, ein Klaps folgt, keine Prügelorgie, vielleicht noch mit Schlagwerkzeugen) und es ist alles dann wieder gut, dann ist es neurobiologisch und vom Lernen her richtig. Ein Verhalten das, wie ich den Papst verstehe,"mit Bestimmtheit zu korrigieren" sein soll aber ohne dabei das Kind zu entmutigen, wird vom Kind bemerkt und entsprechend bewertet gelernt. Ein Verhalten, bei dem das Kind vielleicht noch verspätet vor ein Tribunal muss, es (und sich und den Wert seiner Person) lange diskutierend rechtfertigen muss, wirkt lange noch als prägende Erinnerung nach.

Zwar wird es das Verhalten vielleicht lassen, aber die unangemessenen Reaktionen darauf, haben seine Würde zerstört, Ängste vor Schuld gemacht, Selbstvertrauen gebrochen. Außer die Diskussionen bringen dem Betroffenen irgendwelche Befriedigungen, z.B. seiner Zuwendungswünsche, dann lernt er eben das immer wieder zu machen.

Verbale Auseinandersetzungen über „unerwünschtes Verhalten“bedürfen der nicht realen, der moralisch und ethisch wertenden geistigen Inhalte. Der Klaps im Zusammenhang mit der Handlung braucht so etwas nicht, zeigt aber unmittelbar eine negative Folge auf. Und der Klaps ist dann vorbei. Es bedarf keiner langen Schuldeingeständnisse, keiner sich demütig zeigenden Erniedrigung vor den geistig-moralischen Vorwürfen. Der Klaps ist schon „erfolgte Sühne“ und lässt das unmittelbar zu, was der Papst so gesagt haben will: „Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht und geht dann weiter.“

Bestrafung im Zusammenhang mit einer Handlung ist dann eben, wie die Hand auf die heiße Herdplatte zu legen und sie dann wegziehen zu müssen. Und wichtig: ist der Klaps vorbei, geht das Leben weiter und die Lektion ist gelernt. Musste eine lange Diskussion mit Vorhaltungen, mit sich Rechtfertigen und Alles-Erklären-Müssen, ertragen werden, und folgt als Konsequenz eine irgendwie geartete Ausgrenzung, so ist die Sache noch lange nicht vorbei. Dann wird noch tiefer traumatisiert. Man soll sich gefälligst für die Zukunft daran erinnern. Und erinnert sich auch an die furchtbaren psychischen Qualen, die Entwürdigung des „Sanktionsverfahrens“.

Das ist eine Form der Gewalt gegen Kinder, die auch von Eltern gerne verwendet wird, die den eigenen Frust an den Kindern ausleben wollen und die Kinder seelisch brechen wollen; wenn diese Eltern eben einer Bestrafung entgehen wollen, die den Eltern droht, die in hilfloser Überforderung ihre Kinder zu Tode prügelten. Die nicht körperliche (Miß-) Handlung ist ja erlaubt?

Dem Papst geht es um Maßlosigkeit, die auch Neurobiologen, Psychologen, Heilkundler, Pädagogen verurteilen. In jeder Form: Sichtbar körperlich oder (scheinbar) unsichtbar psychisch. Und psychische Strafen haben als Ziel die Würde. Der Klaps zielt auf die Pobacke.

Wenn Kinder traumatisiert wurden durch prügelnde Eltern, dann, wenn die Prügel nicht als Klaps im Handlungzusammenhang erfolgte, wenn sie spürten, dass Prügelnde, nicht (nur) das Kind meinten, sondern ihre „Lebensleiden“ am Kind auslebten. Wenn Kinder erlebten, dass das Leiden an sich selbst und der erlebten Welt, eine Linderung darin suchte, dass Kinder – ohne diese Geschöpfe wirklich als Persönlichkeiten zu sehen – als die Schwächeren geprügelt wurden, dann kann das such zu einem erlernten Muster werden, welches die Kinder (mit dem nun erlebten Trauma) später selbst als „Lösung“ sehen.

Der Papst kann genau unterscheiden zwischen maßloser, unangemessener Gewalt gegen Kinder. Er will angemessenes, vom Kind als gerecht empfundenes Erziehungsverhalten mit folgender „Verzeihung“. Dann ist es gut. Er schreibt das nicht vor, dass dazu der Klaps zwingend sein soll. Er hält diesen als „fördernd“ für möglich.

Nachtrag: 08.02.15
Es ist eine ganz andere Frage - auf die ich in einem anderen Beitrag später wohl eingehen werde - ob Strafe ("Prügelstrafe" wird zu den Papstworten gesagt) überhaupt in die Pädagokik und Kindererziehung gehört. Strafe hat immer etwas Wertdendes - Würde ... Werte - damit kann jede Strafe entwürdigen und muss den Maßstäben der Gerechtigkeit (siehe Papstzitat) entsprechen.Vielleicht resultiert die Kritik an ihm auch dem Rollenbild, das er verwendet: Vater der straft. Der christliche Glaube legt das aber nahe: Gott als Vater.

 12.2.15
Nachtrag: Ich habe nun den Link gefunden, der auf einen Studie hinweist, wonach leichte Schmerzreize das Lernen/Geächtnis positiv beeinflussen könnten:
 

"Schmerzen verbessern offenbar das Gedächtnis: Das konnten US-amerikanische Forscher in einem Experiment mit leichten Elektroschocks nachweisen." 



http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/forschung/neue-studie-wenn-erinnern-schwerfaellt-helfen-schmerzen_id_4421724.html

:

Copyrigt K.U. Pagel 02.2015

Dienstag, 3. Februar 2015

Therapieideen Spiegel der Gesellschaft?



Umdenken in Mitochondrientherapie?

Ich habe mal wieder im Web Informationen zu verschiedenen Themen der Heilkunde gesucht. Diesmal zu Mitochondrien und was man dazu (auch werbend für z.B. Ergänzungsmittel) schreibt.

Zu Mitochondrien z.B.:


oder wissenschaftlich:

http://www.mpg.de/6684141/MPI_Age_JB_2013



Die Formulierung ist mir in verschiedenen Seiten ins Auge gefallen, dass es eine Art "ATP-Währung" gibt, die die Mitochondrien unters "Zellvolk" bringen und welche die Funktionen der Zelle bestimmen sollen.



Mitochondrien als Kapital produzierende Wirtschaftunternehmen? Unter den Regeln des Kapitalismus? Mir scheint, dass das so falsch nicht ist.

Die Zelle steht mittels der vielen (zelleigenen) Gene des Zellkerns unter einer "übergeordneten" Kontrolle. Sie fügt sich ins Gesamtwohl des Organismus ein. Das Überleben des Ganzen, welches aus vielen spezialisierten Organismus besteht in einer Gemeinschaft vieler Organismen, ist das übergeordnete Ziel, welches das Überleben des Ganzen sichern soll.

Die Mitochondrien als ehemalige bakteriode Einzelwesen (keine Gemeinschaftswesen) haben ihre eigenen Gene, auf einem Ringmolekül aus Doppelstrang DNA, welche in mehrfachen Kopien pro Mitochondrium vorkommen. Die Überlebensdauer eines Mitochondriums, als die Zeit, in der es sich geteilt haben muss, ist unklar, vielleicht 2 - 3 Wochen.

Die Gene in den wenigen bis sehr vielen Mitochondrien (je nach Zellart, genauer Zellfunktion und Tätigkeit) neigen dazu, zu mutieren, Fehler zu machen und damit Fehlprogramme. Es hängt dann auch davon ab wie viele intakte gegenüber den veränderten Genen im Mitochondrium sind, ob und wie stark sich diese Fehler bemerkbar machen.

Diese Einzelwesen handeln nach jeweils eigenem Gusto. Sie sind nur sich selbst der Nächste. Konkurenz untereinander um z.B. Materialien zur Funktion sind damit vorprogrammiert.
Die Vererbung unterliegt nicht den Gesetzen der Zelle (Mendelsche Gesetze).

Die Aufgaben dieser Mitochondrien sind beschränkt. Für diese Aufgaben sind die mitochondrieneigenen Gene die Schlüssel. Aber nur zum Teil. Viele Gene des Zellkerns steuern hier mit, sind für die Funktionen (und den Aufbau) mit verantwortlich. Die Zelle versucht aus den Programmen ihres Kerns die Funktionen der Mitochondrien zu kontrollieren. Ein "anarchistisches" Entgleiten der "egoistischen" Tätigkeit zu verhindern.

Die Mitochondrien "locken" die Zelle mit ihrer "Währung". Gaukeln ihr vor, mit dem zur Verfügung gestellten Kapital unermesslich stark und leistungsfähig zu sein.  Und das nimmt das Gehirn wahr - Krankheitsempfindung wird vermindert. Dann fühlt sich die Zelle wohl, auch wenn sie in Wahrheit immer mehr dem Kollaps entgegengeht.

Darin sehe ich einen Effekt der Therapien, die die Mitochondrien immer mehr zu Leistungen fähig machen sollen. Es wird also immer mehr Kapital in die „Wirtschaft“ gepumpt, woher auch immer genommen (Darlehen bei der Umwelt?), um die Zahl der Mitochondrien letztlich wachsen zu lassen und mehr ATP-Währung zu generieren.

Tatsächlich ist es biologisch sinnvoll, wenn die Zelle das Wachstum der Zahl der Mitochondrien und die Funktion der einzelnen begrenzt. Dadurch, dass sie mit der Währung gut umgeht, nicht einfach mehr verbraucht, als tatsächlich im Gesamtzusammenhang sinnvoll und nötig, ATP liegen lässt, und vor allem die bei der ATP-Gewinnung anfallenden Endprodukte nicht mehr abtransportieren kann,

Denn, vergessen wir nicht, die Zelle muss aus ihren Leistungen den Mitochondrien einiges zuliefern. Mitochondrien leben letztlich aus der Zellleistung. Und wenn die Zelle immer vermehrt zu Gunsten der Mitochondrien Gene benutzt, Stoffe produziert, Ihre Transportkapazität für Anlieferung zu den Mitochondrien auslastet, sowie bei der Entsorgung nicht mehr nachkommt, wird sie letztlich daran kranken. Auch wenn eine ganze Weile die ATP-Angebote ihr "Glückseeligkeit" - drogenartig - schaffen. Die „Wirtschaft“ nutzt die Infrastruktur der Zelle, die von der Zelle geschaffen wurde. Und wie ist das im Großen? Es wird immer mehr bekannt, wie es gelingt, dass die Wirtschaft ihren Steuerbeitrag an solchen Infrastruktur-Gemeinschaftsaufgaben zu vermindern weiß. Manchmal sich nur ansiedelt, wenn entsprechende Vorleistungen durch die Allgemeinheit geschaffen wurden. Subventionen fließen.

Wie im Großen so im Kleinen?

Schauen wir dazu ins Große, die Wirtschaft, die Finanzkrisen, die Staatswirtschaftskrisen der EU. Mit den vielen immer mehr wachsenden Schulden usw. Und es gibt auch hier immer wieder Einflüsse, die säuseln, es sei doch alles gut, wenn nur die Wirtschaft weiter wächst (nur von was und mit welchen giftigen Folgen?).

Burn-out (ausgebrannt sein) - Folge von Mitochondrienstörungen, die durch Hineinpumpen von Stoffen behoben werden müssen? Übersäuerung der Zelle deswegen? Oder einfach die Folge einer überforderten Zelle, die immer mehr darunter leidet, dass die "Wirtschaft", die Produktion von ATP-Währung, immer mehr zunimmt? Es immer mehr um Erfolge geht? Erfolge, die auch unter den Mitochondrien nur einige wirklich haben können?

Vielleicht ein Anlass über die Zielrichtung in dieser "Mitochondrientherapien" nachzudenken? Bei denen das Haben und immer mehr Bekommen letztlich die gesamte Zelle gefährden kann?

Wie im Kleinen, so im Großen?

Mir fällt auf, dass Stoffe und Geräte, die dieses ständig mehr Produzieren an ATP-Währung bewirken sollen, nicht selten mittels Vertriebssystemen verkauft werden, die der ATP Gewinnung ähneln. Bei der ATP-Gewinnung in der Atmungskette entsteht diese "Währung" aus einer Portion Rohstoff (NADH-H) in verschiedenen Stufen. Es verdienen sozusagen mehrere Netzstrukturen daran.


Und auch da ist es wie bei den Mitochondrien, die Zahl der Mitmachenden steigt, damit Einzelne gewinnen, aber für viele ist außer eingesetztem Geld und eingesetzter Kraft nichts übrig. Ihre "Trümmer" muss die Zelle dann "bewältigen". Nur nutzt das der Zelle? Gibt es in der Zelle eine gute "Stimmung"? Setzt es die Zelle nicht unter "Erfolgsdruck"?

Wozu dann Coaches ihre Hilfe anbieten. Coaches, die auch die Förderung des Mitochondrien-Wirtschaftssystem im Auge haben. Welches ja dann die "Burn-Outen" hervorbringt, denen man dann wieder Hilfe anbieten kann?

Wem nutzt solches Therapiesystem? Dem Prinzip des mitochondrientypischen Egoismus gegenüber dem System des Gemeinschaftsnutzens (auch wenn man auf Währungsproduktion um jeden Preis verzichtet) und Überlebens durch eine intakte Zellgesellschaft?

 Copyright K.-U.Pagel 02.2015

Sonntag, 1. Februar 2015

Übervorteilter Patient

Patientenschutz mit zweierlei Maß?

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Gesetzentwurf, der Korruption im Gesundheitswesen unter Strafe stellen soll. Bestechung und Bestechlichkeit von Ärzten und Psychotherapeuten sollen Straftatbestände werden. Neuer Paragraf 299a des Strafgesetzbuches, wonach alle Angehörigen von Heilberufen, die eine staatlich geregelte Ausbildung brauchen, betroffen sein sollen.

"Es soll damit der besonderen Verantwortung der im Gesundheitswesen tätigen Heilberufsgruppen Rechnung getragen und gewährleistet werden, dass heilberufliche Entscheidungen frei von unzulässiger Einflussnahme getroffen werden"

heißt es in der Gesetzesbegründung.

Zitiert nach Ärztezeitung vom 28.01.2015


Die Ärztezeitung ergänzt dazu:
Die Opposition stellte den Patientenschutz in den Vordergrund. Patienten müssten darauf vertrauen können, dass eine Behandlungsempfehlung aus gesundheitlichen und nicht aus finanziellen Interessen erfolge, sagte Maria Klein-Schmeink von den Grünen der "Ärzte Zeitung".“

Ein Kommentator, Arzt, erhebt verfassungsrechtliche Bedenken:
Ein § 299a StGB, der sich nur und ausschließlich auf den Bereich „Gesundheitswesen“ bezieht und alle a n d e r e n Formen der Freiberuflichkeit bzw. der selbstständigen Tätigkeit und Unternehmungsbereiche außer Acht lässt ist m. E. verfassungswidrig. Denn er schützt und privilegiert alle n i c h t im Gesundheitswesen und der Krankenversorgung freiberuflich und/oder selbstständig Tätigen weiterhin vor jeglicher strafrechtlichen Verfolgung wegen Bestechlichkeit, Bestechung und Vorteilsnahme.“

Die Bedenken sollte man m.E. auch aus Sicht des Patientenschutzes haben. Es gibt vor allem weitere Berufsgruppen, die Heilkunde am Patienten – und hoffentlich ausschließlich zu dessen Vorteil ausüben: Die Heilpraktiker und Personen mit auf nur ein Teilgebiet der Heilkunde beschränkter Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz, sektorale Heilpraktiker, so im Gebiet der Psychotherapie. Heilpraktiker arbeiten ähnlich einem Arzt, können dessen Tätigkeit in vielen Bereichen ersetzen, auch in der Psychotherapie. Sektorale Heilpraktiker z.B. im Gebiet der Psychotherapie arbeiten – mit mehr Verfahren – ähnlich den Psychotherapeuten.

Sie gehören nicht dem (geregelten) Gesundheitswesen an und müssen keine staatlich geregelte Ausbildung vorweisen. Sie sind (deswegen) auch nicht zur Abrechnung mit gesetzlichen Krankenkassen zugelassen, aber privatversicherte Patienten können, wie beim Arzt, Heilpraktikerleistungen gemäß ihren Vertragsbedingungen Kostenerstattungen erhalten.

Während nach dem Gesetzentwurf ein Arzt (geregelte Ausbildung) der Privatpatienten behandelt, wie Heilpraktiker das dürfen, bis zu 5 Jahren Haft erhalten kann, wenn er „heilberufliche Entscheidungen unter unzulässiger Einflussnahme getroffen hat. Dürfen Heilpraktiker davon ausgehen, dass sie nach dem geplanten Gesetz eine Behandlungsempfehlung nicht aus gesundheitlichen sondern aus eigenem finanziellen Interessen geben dürfen, ohne Strafe zu befürchten.

Zwar verlangt das Heilpraktikergesetz, das eine Berufserlaubnis beantragt werden muss und die Durchführungsverordnungen zum Heilpraktikergesetz sicher stellen sollen, dass für die Patientengesundheit keine Gefahren durch die jeweilig tätige Person zu erkennen sind und dass eine strafrechtliche und sittliche“Zuverlässigkeit“ gegeben sein muss, doch soll der Patientenschutz bei diesem Gesetzesvorhaben außen vor bleiben?

Natürlich besteht für Patienten immer die Gefahr, dass nicht nur wirtschaftlich sondern auch im Sinne einer sorgfältigen Behandlung Nachteile entstehen, wenn ein Heilpraktiker Diagnose, Beratung und Behandlung auch danach richtet, was er neben dem Behandlungshonorar noch (hinter dem Rücken des Patienten) hinzuverdienen kann.

Man würde erwarten, dass gerade in der Heilkunde, bei der der Patient (Kunde) nicht kommt, weil er sich davon Vorteile und vielleicht sogar Nutzen für den Alltag verspricht, sondern weil er wegen der angeschlagenen Gesundheit dorthin muss (wenn er denn nicht vielleicht sogar sein Leben riskieren will), „Vertrauensmissbrauch“ besonders durch gesetzliche Regelungen verhindert werden soll.

Aber nein. Hier sollen nur Ärzte und psychologische Psychotherapeuten (als eigenständige Heilbehandler), ob kassenzugelassen oder nicht, reglementiert werden.

Beim Patientenrechtegesetz, das z.B. die Aufklärung und Dokumentation in der Praxis regelt, sind alle Behandler, also auch Heilpraktiker, betroffen. Aber gerade, wenn es um den Schutz des Patienten vor vielleicht falscher oder nicht optimaler Behandlung geht, weil der Behandler daneben eigene wirtschaftliche Interessen pflegt, sollen nicht alle Behandler betroffen sein?

Es ist m.E. ein Missstand, wenn ein Behandler vom Patienten Geld nimmt, mit dem „Versprechen“ nach bestem Wissen und Gewissen das angemessene, möglichst Beste für die Gesunderhaltung/Gesundwerdung des Patienten zu tun, aber heimlich nebenher noch Geld damit verdient, was er dem Patienten vorgeschlagen hat. Also mit dem was er quasi verkauft. Ob es heimliche Rabatte oder Vergütungen sind, die er bekommt, wenn er ein bestimmtes Labor mit Analysen beauftragt oder an den empfohlenen Medikamenten über Provisionen verdient (um nur häufigere Einkunftsquellen zu nennen), immer werden seine Vergütungen (auch Sachwerte) in die Preise, die der Patient bezahlt eingerechnet sein.

So wird doppelt verdient, in der Regel, ohne dass der Patient das (vorab) erfährt: Durch die Leistungsvergütung des Patienten und durch Zahlungen des begünstigten Dritten.

Hier ist es wie in der Finanzbranche. Da hat der Gesetzgeber ein Honorarberatergesetz erlassen, dass Personen, die den Kunden zu dessen Geldanlagen beraten, entweder nur ein Beratungshonorar erhalten unabhängig vom Beratungsausgang oder über das vermittelte Produkt Geld erhalten dürfen. Es war immer wieder aufgefallen, dass die Abhängigkeit von der Provision die Empfehlungen auch zu Ungunsten des Kunden lenkten.

In der Heilkunde kann das zur Katastrophe werden, Empfehlungen zu Ungunsten des Patienten. Auch wenn es Heilpraktiker tun. Sie sind sicher nicht weniger anfällig für solche Verlockungen als Angehörige eines Heilberufes mit staatlich geregelter Ausbildung.


Patientenschutz mit zweierlei Maß?

K.-U.Pagel 02.2015