Freitag, 16. Januar 2015

Krebs und seine Botschaft



Der Krebs – was kann der uns lehren?


Zellen des Organismus leben in einer Gemeinschaft mit demselben Lebensziel

Der menschliche Organismus entsteht aus einer befruchteten Eizelle. Diese enthält sämtliche Gene, von denen der Lebensplan des späteren Organismus abgelesen wird. In allen Zellen, die sich durch Teilung ergeben, ist dieser Plan denn enthalten. Alle Zellen richten sich nach diesem gemeinsamen Plan. Jede Zelle entwickelt sich gemäß ihrer Aufgabe für alle anderen Zellen als Gefüge des Organismus. Jede Zelle übernimmt diese Aufgaben im Dienste aller anderen, im Dienste der Gemeinschaft. Alle Zellen des Organismus haben ein gemeinsames Ziel, das Überleben des Organismus zu ermöglichen und letztlich, diesen wieder dazu zu bringen, sich (seine Gene) fortzupflanzen.

Bei ihren Spezialisierungen, der Bildung von Organen mit unterschiedlichen Aufgaben, verändern die Zellen ihr Aussehen. Passen sich ihren Aufgaben an über die Form und den inneren Aufbau, den sie nach Genplan für diesen Zelltyp entwickeln. Sie übernehmen auch in ihrem Stoffwechsel die Funktionen, die ihren Aufgaben entsprechen. Doch sie enthalten noch immer alle Gene, die sie aus Zusammenschluss von Ei-und Samenzelle erhalten haben.

Darunter sind auch Gene, die als Mensch nicht gebraucht werden. Die aus der „grauen Vorzeit“ der Entwicklung des Lebens, der Entstehung von Zellen stammen. Nicht nur der menschliche Organismus entsteht mit seinen vielen Zellen aus einer „Urzelle“, Stammzelle. Auch diese Urzellen, Eizelle und Samenzelle stamme wieder aus Zellen (hier die der Eltern). Vereinfacht gesagt: Aus irgendwann einmal entstandenen Ur-Ur-Ur-Zellen haben sich durch Teilung und Vermehrung, durch mehr oder minder zufällige Veränderungen und Anpassungen an veränderte Lebensbedingungen die vielfältigen Lebewesen und Lebensformen, ob  einzellige Mikroben, Pflanzen oder Tiere (auch Mensch) entwickelt.

Und es haben sich die ursprünglichen Genprogramme verändert, kamen neue hinzu, oder wurden einfach nicht mehr benutzt. Weil sie vielleicht nicht mehr zu den veränderten Lebensbedingungen passten. Die Zellen der Menschen enthalten so auf den Chromosomen im Zellkern (den Bibliotheken der Genprograme) viele „Gebrauchsanleitungen für Lebensumstände“ (Gene), die gar nicht mehr gebraucht werden. Die vielleicht noch passten, als die Vorläufer des Menschen als merkwürdig geformte Wesen noch im Meer schwammen.

Viele Gene werden einfach nicht benutzt, sind aber da. Vielleicht sogar Gene, die in grauer Vorzeit mal über Viren (keine Lebewesen, sondern eigene Informationen, Gene) in ein Chromosom eingebaut wurden. Chromosom, Träger von Genen (Bibliothek). Aber vielleicht nie benutzt werden (sollen).

So lange alle Zellen eines Organismus an einem Strang ziehen, solange ein gemeinsames Ziel (was immer das auch ist, der Sinn des jeweiligen Lebens) verfolgt wird, solange ist alles in rechtem Gang. Dazu opfern auch nicht wenige Zellen ihr Leben, um dem Rest das Bestehen zu fördern. Siehe die Zellen des Dünndarms, die sich in den Brei der Speise stürzen, um sich dort aufzulösen und mit ihren Inhaltsstoffen die Verdauung weiter zu fördern. Damit andere Zellen daraus ihre Nährstoffe bekommen können.

Sollten Störungen der Funktion auftreten, so sorgen „Ausgleichsprogramme“ dafür, dass das Ganze, die Zellgemeinschaft eines gemeinsamen Lebenszieles, aus einer einzigen Zell entstanden, so gut es geht weiter lebt. So sind die Symptome von Krankheiten zu verstehen: Ausgleichsversuche von Funktionsstörungen.

Ausgleichprogramme in den Genen, die sogar dafür sorgen können, dass die betroffene Zelle, wenn sie sich so verändert, dass sie für andere zur Gefahr werden kann, sich selbst zerstört. Man nennt das Apoptose („Zellselbstmord“). Das kann sie aus sich selbst heraus tun, wenn sie feststellt, meist im Zusammenhang mit einer Teilung, dass sie falsche Programme oder stark (warum auch immer) veränderte Programme benutzt. Das kann sie tun, wenn von anderen Zellen (Nachbarn) festgestellt wird, dass diese Zelle gefährlich falsch funktioniert, das gemeinsame Ziel aus den Augen verloren hat. Das kann das Abwehrsystem tun, wenn bei Kontrollen festgestellt wird, dass die betroffene Zelle an ihrer Zellmembran Zeichen trägt, die ein Wirken fremder Informationen (Gene) andeuten. So bei Befall durch Viren, die ihre „Ideen“ der Zelle aufdrängen und sie außerhalb der Organismusinteressen tätig werden lassen. Aber auch wenn, durch irgendetwas bewirkt, Gene in der Zelle aktiv wurden, die das „Zellverhalten“ ändern, sie außerhalb des Gemeinschaftsinteresses wirken lassen. Wenn die Zelle sich nicht mehr anpassen lässt, wenn sie das Selbstzerstörungsprogramm nicht aktiviert, dann kann die Abwehr sogar drastisch gegen diese Zelle mit zerstörerischen Mitteln direkt vorgehen. Sie zerlegen und auffressen.

Wenn das nicht geschieht, dann besteht die Gefahr, dass sich die betroffene Zelle verselbstständigt, nur an sich und ihre Teilung, ihr Vermehrung denkt, ihre Funktionen verändert, ihre Form verändert – entartet.

Immer muss eines gleich bleiben: Das gemeinsame Lebensziel. Die Zellgemeinschaft, bei der sich auch Zellen für das Überleben aller opfern. Und es gehört zum gemeinsamen Programm: Egoismus gibt es nicht. Immer wird jedes „Zellverhalten“ zunächst darauf abgestimmt, was allen nützt bzw. niemanden anderem schadet. Wenn es nicht möglich ist, Schaden von anderen zu nehmen, Schaden zu vermeiden, z.B. weil eine Zelle durch was auch immer zu gestört ist, auch nicht mehr durch Nachbarzellen zur „regelrechten“ Tätigkeit zurückzubringen ist, dann wird diese Zelle erkannt und für das Überleben aller entfernt.
So sollte es sein. Gemeinsinn statt Eigensinn. Wohlergehen aller vor persönlicher Selbstverwirklichung.


Prinzip des Krebses

Anders beim Krebs. In jedem Zellkern stecken auch Gene, die es ermöglichen, sich aus dem gemeinsamen Plan zu entfernen. Üblicherweise werden diese nicht genutzt. Biblisch gesprochen: Es steckt in jedem Lebewesen die Möglichkeit, dem Bösen zu folgen.

Auch ist es möglich fremde Geninformation zu übernehmen (Viren). Dann ist es möglich, durch Einflüsse von Außen in den Genen Funktionen zu wecken, auch durch Veränderung der Gene durch diese Einflüsse, die die Zelle aus dem Gemeinschaftsleben werfen.

Das können (Gift-)stoffe sein, die auf Gene einwirken können. Insbesondere, wenn sich eine Zelle teilt, kann bei den Tochterzellen eine Genveränderung auftreten. Auch bei jeder „normalen“ Zellteilung können solche Fehler entstehen.

Doch egal durch was, das Resultat kann sein, dass diese Zellen nun jegliche Verantwortung für das Ganze, für die anderen Zellen des gleichen Ursprungs, ablehnen. Bildhaft: von Gott abweichen und dem Bösen folgen. Wie eine Einflüsterung durch die „Schlange“: Warum sollst Du eigentlich immer tun, was andere wollen? Schau doch mal, was Dir gut tut, dann kannst Du alles für Dich erreichen, bis sogar zum ewigen Leben.“ Die Zelle verändert sich, teilt sich, auch wenn das für die Umgebungszellen zum Schaden wird. Es kann so weit gehen, dass der Same des Egoismus dazu führt, dass jede geteilte Zelle eine eigene Auffassung vertritt, wie sie sein will und was sie machen will. Metaplasie bis zur Entdifferenzierung. Über die eigenen Kontrollmechanismen wird dann im Regelfall diese „entartete“ Zelle abgeschaltet und zerfällt. Notfalls greift die Abwehr ein. Kann einen beginnenden Krebs noch stoppen.

Doch können solche entarteten Zellen, solche Krebszellen  Programme nutzen, die sie schwer angreifbar machen. Dann beginnt die Täuschung. Zellen machen sich schwer sichtbar für die Abwehr, bilden gar Marker auf der Oberfläche, mit denen sie falsche Informationen an die Abwehrzellen geben, sie bestechen, um nicht vernichtet zu werden. Sie hören nicht mehr auf die Nachbarzellen, die untereinander dafür sorgen, dass keiner einfach so wuchert, in den Bereich der Nachbarzellen eindringt. Ein Kennzeichen der entarteten Zellen ist, dass sie die „Ohren“ – Rezeptoren – verloren oder verändert haben, über die sie auf den Nachbarn hören konnten.

Und sie „gehen hin in alle Welt“, metastasieren im Organismus, um ihr Reich des Egoismus und der Selbstsucht, der völligen Andersartigkeit zwischen den Organismuszellen zu errichten.

Die „Boshaftigkeit“ des Krebses, der Zellen, aus denen die Wucherung besteht, zeigt sich daran, wie schnell und häufig sie sich teilen. Wie raffiniert ihre Tarnung ist und wie sie das Abwehrsystem austricksen. Ja sogar mit Kampfstoffen (Hormonen, Giften) können sie sich Raum schaffen, die Gegenwehr des Organismus brechen.

Es ist ihnen gleichgültig, ob der Organismus dabei verhungert und Schmerzen hat. Sie leben in dem Wahn, unsterblich zu sein, omnipotent, solange und weil sie ganz allein sich selbst bestimmen. Doch sie vergessen, dass sie aus dem Paradies der Harmonie des Zellmiteinanders schon vertrieben sind und dass sie das Paradies zerstören.

Dieser Egoismus kann so weit gehen, dass die Krebszellen auch untereinander sich nicht mehr absprechen und anpassen. Auch nicht mehr gleiches Aussehen haben, völlig „individuell aussehen, nur noch egoistischer Teilungswille sind. Entdifferenzieren nennt man das.

Letztlich leben diese Zellen so auf Kosten des Organismus, verdrängen gesunde Zellen, führen mit Wucherung  und Giften zu Schmerzen und Aushungern des Organismus. Ihre Gier, ihr Glaube an unendliches Wachstum und an Reichtum macht das kaputt, von dem sie leben. Man kennt das vom Spiel „Monopoly“. Wenn dann einer alles hat, ist er allein. Keiner spielt mehr mit, denn mit was soll man mitspielen?

Ewiges Leben futsch, denn der Organismus stirbt. – Weiterleben vielleicht nur als vor dem Tode des Organismus entnommenen Zellkulturen im Labor.

Krebszellen können so niemals der Freund des Organismus sein. Den Feind zum Freund erklären zu wollen, fördert den Schaden. Zeit geht verloren, noch im Zustand des kleinen Tumors entgegen zu wirken.


„Gesellschaftliche“ (des Organismus und übertragen) Faktoren, die dem Krebs dienen

Der Organismus kann sich gegen entartete Zellen wehren, wenn er diese nicht nur rechtzeitig erkennt. Voraussetzung ist auch, dass er seinen Gemeinsinn durchsetzen will. Dass die Abwehr ohne zu zögern tätig wird. Ohne zu fragen, ob nicht solche Abweichungen vom gemeinsamen Interesse nicht vielleicht doch sein dürfen, vielleicht einen Sinn haben könnten, irgendwie erlaubt, gar erstrebenswert sein könnten. Wenn die Abwehr ohne Selbstzweifel, ohne „Verwirrungen“ konsequent handelt. Dazu gehört auch, dass das Gehirn entsprechend diesen Gemeinsinn als Ziel vorgibt. Die Psyche bestimmt mit, ob und wie die Abwehr auch auf zellulärer Ebene tätig wird.

Da bietet unsere heutige Zeit und Gesellschaftströmung den Krebszellen, den egoistischen Selbstverwirklichern auf Kosten der anderen, viel Hilfestellung. „Schau, was Dir gut tut. Strebe nach Erfolg, Strebe nach Belohnung, tue, was Dir angenehm ist. Du selbst bestimmst Dein Leben.“ So tönt es überall. Da bieten Coaches ihre Dienste an, damit man skrupelloser wird. Damit man Hemmnisse, die am Erfolg – immer gegenüber anderen, es kann ja nur einer Sieger sein – hindern, überwindet. Es wird einen ganz neue Weltanschauung propagiert. „Der andere ist selbst schuld, wenn er keine Erfolg hat (nicht reich wird), willst Du ein ähnlicher Looser sein?“

Es ist erlaubt, wenn man clever ist, cleverer als andere. Immer mal ein bisschen tricksen, Informationen so zurechtbiegen, wie sie passen könnten, für den eigen Zweck. Mogeln, übertreiben, verschweigen, alles ist erlaubt. Der andere soll sich doch selbst besser informieren. Und wenn er reinfällt, hat er es doch selbst so gewollt. „Mach Geld, mach mehr Geld, mach, dass andere Geld für Dich machen!“ So das Kredo der Verkaufsprofis. Sogar die Psychologie forscht, wie man den anderen, den potentiellen Kunden am besten dazu kriegen kann, zu kaufen. Seine Wünsche und Sehnsüchte in klingende Münze verwandeln kann.

Letztlich soll das dazu führen, dass das Gehirn nicht mehr aufpasst und abwehrt (die Abwehr entsprechend tätig werden lässt) und eben Fremdinteressen sich im Organismus, in der Zellgemeinschaft ausbreiten können. Damit ist es möglich, dass Zellen, die sich, was immer mal geschehen kann, vom Gemeinsinn erntfernen - selbstsüchtige Krebszellen werden -, nicht mehr ermahnt werden, von er Gemeinschaft zur Ordnung gerufen, als letztes Mittel gar zerstört werden. Solches Verhalten wird gar zur erstrebenswerten Norm deklariert. Eine gesunde Zelle, die sich dem Organismus „unterwirft“, wird als krank erklärt. Die Zellen werden gar zum Entarten angeregt.

Wenn dann die Frage gestellt wird – von angeblichen Therapeuten – „was will Dir der Krebs sagen? Was sollst Du in Deinem Leben ändern?“ So will man als Antwort nicht hören, „ich muss noch mehr das Gemeinwohl in den Vordergrund stellen“, sondern „ich muss egoistischer werden, mehr nach meinem Vorteil sehen“. Also das machen, was die Krebszellen machen? „Sie doch den Krebs als Freund, der Dir zeigen will, dass Du Dich verändern musst. Sieh ihn nicht als Feind, den es um des Überlebens willen zu vernichten gilt. Sei doch friedfertig und sanft (zu ihm).“ So wie ein bestimmter Teil der Gesellschaft es auch will, dass man sanft zu den Raffkes ist, die Konten plündern, Arglosigkeiten ausnützen, betrügen und belügen. Eben der Teil, der davon profitiert.

Therapeutischer Ratschlag: „Werd doch auch so, sei Du der, der noch besser, erfolgreicher, ist“. Das Bewusstsein ändern, um den egoistischen, verführten Feind des Organismus als Freund zu sehen Ein wenig erinnert das an die Geschichte von „Biedermann und den Brandstiftern“.

Fazit:

Vielleicht soll der Krebs daran erinnern, dass eben Egoismus, Selbstverwirklichung zuerst, sich Befreien von gemeinschaftlichen Regeln allen schadet. Soll daran erinnern, dass die Botschaften, die dazu führen sollen „in sich hinein zu hören und zu tun, was einem so ist“, sich zu lösen von den Lasten, den andere einem auferlegen, falsche sind, die letztlich krank machen.


Copyright K.-U. Pagel 01.2015


Nachtrag 05.02.2015

Die Sendereihe nano (04.02.2015) bei 3 Sat brachte einen kurzen Beitrag, der den Krebs an sich erklärt. Derzeit, 05.02.2015 über die Mediathek abrufbar unter 
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=27352

Also: zunächst den Krebs, so vollständig wie möglich entfernen, dann sich so verhalten, körperlich wie psychisch, dass dem "Geiste des Krebses" nicht mehr gefolgt wird. Eben sich so verhalten, wie man vielleicht auch verhindern kann, dass sich der Krebs erst so entwickelt, wie es der 3Sat Beitrag skiziiert.

Montag, 12. Januar 2015

Unsicherheit macht krank

Fragen zum Schlaf - Verunsicherung lässt nicht zur Ruhe kommen

Dieser focus-online Beitrag (zur Bedeutung des Schlafes) lies mich als Heilkundler Gedanken entwickeln.



Wer mit Menschen zu tun hat, die wegen Beschwerden Rat und Hilfe suchen, kann nicht umhin, auch das soziale Umfeld, die gesellschaftlichen Entwicklungen zu betrachten, die manche Krankheiten, Beschwerden fördern könnten, z.B. das Phänomen Burn-out. Aber auch Diabetes und Übergewicht. Dazu ein Zitat:

Bereits nach einer durchwachten Nacht verhalten sie sich, als hätten sie einen leichten Diabetes. Deshalb neigen Menschen mit chronischen Schlafproblemen zu Übergewicht.“

Weiteres Zitat:
+ Tiefschlaf ist gut für Langzeitgedächtnis und Impfwirkung +
+ Zu wenig Schlaf begünstigt Übergewicht +
+ Lebensdauer wird durch zu wenig Schlaf verkürzt +


Was ist eine Voraussetzung, tief und entspannt schlafen zu können? Eine Voraussetzung, die vielleicht heute eingeschränkt sein könnte? Diese Textstelle

Ohne Schlaf kann kein Mensch leben. Forscher versuchen herauszufinden,
welchen Nutzen es dem Menschen bringt, dass er rund ein Drittel seines Lebens bewusst- und schutzlos verbringt.

gab mir einen Denkstoß.

Schutzlos!


Der Mensch braucht Geschütztheit, Sicherheit. Vielleicht liegt auch ein biologischer Sinn dahinter, dass der Mensch nicht allein sein will: Es ist möglich in der Gruppe "Wächter" zu bestimmen. Man sucht das Gefühl, sich aufeinander verlassen zu können. Und dann das Bedürfnis nach Behausung: Ein "sicheres Versteck" schützt auch im Schlaf. Sich verlassen können auf den Schutz in der Gruppe, der Gesellschaft und einen sicheren Zufluchtsort haben, ein sicheres privates Zuhause.

Der Mensch sucht Sicherheit: Sicherheit in der "Unverletzlichkeit der Wohnung", dazu gehört auch, dass er sehr verunsichert ist, wenn er erfährt, dass Privates jederzeit einfach so abgehört werden kann. Es führt zu ähnlicher (auch krank machender) Verunsicherung, wie wenn er erleben musste, wie ein Einbruch in der Wohnung (vielleicht, wenn er gerade schlief) ihm seine Verwundbarkeit zeigt.

Und Sicherheit in seinen sozialen Gefüge, mit (und vor) seinen Mitmenschen. Dann, wenn er den Mitgliedern seiner sozialen Gemeinschaft einfach nicht mehr vertrauen kann, erleben muss, dass der andere kein Wächter sein kann oder will (auch wenn er dazu eingeteilt wurde) macht diese Unsicherheit krank.

Wenn der Wächter, die „Ausgeliefertheit“ im tiefen Schlaf, die fast bewusstlose Unaufmerksamkeit nicht schützt. Vielleicht sogar für sich ausnützt. Wie soll man da ruhig und tief erholsam schlafen können? Die Gesundheit erhaltenden Funktionen des Schlafes nutzen können?

In einer Zeit, in der selbst die Psychologie (und manche Weltanschauung) predigt, man müsse um alles in der Welt Erfolg haben, ist dieses Gefühl, sicher sein zu können,zerrüttet. Gerade, weil es einen andren gibt, der übervorteilen wollen könnte. Des einen Erfolg kann nur der "Misserfolg" des anderen sein, der andere Interessen hatte. Reich werden, gewinnen, heißt umverteilen.

Welcher Information darf man heute noch trauen? Welchen Hintergedanken hat der Informierende? Die Psychologie (auch der Medien) hat raffinierte Methoden entwickelt, wie man den anderen "austricksen" kann.

Und dann der ständige Slogan: Man sei für sich selbst verantwortlich. Wer kann da noch schlafen? In so einer Welt, in der Unaufmerksamkeit bedeuten könnte, vom Raubtier gefressen zu werden? Eben, weil der Wächter, Mitglieder meiner Gemeinschaft, nicht warnen? Vielleicht ihre Vorteile sehen, wenn ich gefressen wurde?

Und – man kann es lesen - nicht-schlafen macht dick. Ich habe in anderen Beiträgen immer wieder auf die psychosomatischen Zusammenhänge zwischen Unsicherheit (auch soziale) und Übergewicht hingewiesen. Die Gene, die dafür verantwortlich sind, dass man Speck ansetzt, wenn der Winter vor der Tür steht, wirken auch, wenn man verunsichert ist (dabei keine Hilfe und Perspektive sehen kann) und eben eine Zeit des Hungers („sozialer Winter“) mit den bedrohlich langen Nächten anzustehen scheint.

Hat man Wächter in der Gemeinschaft, die nicht wegsehen und das Wohlergehen des Nächsten in ihrem Handeln berücksichtigen (wenn man als Wächter eine halbe Nacht nicht schläft, bis die Ablösung kommt), ist alles gut.

Kann man dem Wächter (auch Politiker, Wirtschaftsboss usw.) nicht trauen, muss sich vor dem fürchten, wie kann man dann erholsam schlafen und darauf vertrauen, dass auch morgen noch genügend Essen da sein wird? Vertrauen, dass morgen, im Alter, die Vorräte noch reichen? Sich dann noch auf den Schutz durch die Gemeinschaft verlassen? Egal wie viele jeder vom Bisschen, was er verdient, (unsicher und kaum verzinst) zu Seite legt? Dann eben jetzt schon Erfolg haben und raffen ist für manche die Konsequenz. Aber sie wissen, dass es der andre auch macht, gerade auch wenn sie durch Schlaf abgelenkt sind oder von schönen Politikerreden eingelullt wurden. Also immer irgendwie wachsam und misstrauisch sein. Für Gefahren gewappnet sein. Dabei aber lässt sich keine Genesung durch erholsamen und tiefen Schlaf mehr erreichen.


Schlafmangel macht auch körperlich krank. Ständig wachen zu müssen lässt "ausbrennen", Burn out.

Burn out ist keine Krankheit des Menschen. Dass Menschen krank werden - an vielen Krankheiten, deren Symptome unter diese Bezeichnung fallen - ist hier Folge eines gesellschaftlichen Leidens, des (sozialen) Schutzverlustes gegenüber wachsendem Egoismus. Das Streben nach Erfolg, lässt nicht schlafen.

Aber auch die, die diesem Götzen (Erfolg, Geld) nicht dienen, können nicht schlafen, weil sie letztlich sich von Menschen in ihrem Lebensraum (die bis in die privatesten Sphären, wie sogar Heilkunde eindringen) bedroht fühlen müssen. Da schläft man eben nicht, erholt sich nicht, stärkt sein Immunsystem nicht usw.

Wird dick, legt sich „sozialen Winterspeck“ aus Zukunftsangst zu?

Nach meinen heilkundlichen Beobachtungen ist solche Zukunftsangst Triebfeder eines Pegida-Mitläufers, ebenso wie der Hintergrund für einen Jungakademiker, sich in Praktika verheizen zu lassen.

Copyright K.-U.Pagel