Mittwoch, 4. März 2015

Diabetes und gesellschaftliche Bedingungen

Krankheit Diabetes Ausdruck sozialer/wirtschaftlicher Seuche?

Ein anderer psychosomatischer, tiefenpsychologischer Blick.

„Die Diabetiker werden immer jünger. Und so ist die Zuckerkrankheit schon lange keine "Alterszucker"-Krankheit mehr.“

„Wenn jüngste Schätzungen sich als richtig erweisen, wird im Jahre 2050 einer von drei Amerikanern an Diabetes erkrankt sein.“

„In Deutschland haben wir vergleichbare Zahlen zu erwarten.“

So liest man. Und die Gründe werden genannt: Bewegungsmangel, falsche Ernährung, insbesondere Zucker, (Folge) Übergewicht.


Vielleicht eine zusätzliche/andere Idee zur Diabetesentstehung:

Haben wollen, möglichst noch alles raffen wollen, solange es noch etwas gibt, was einem scheinbar gut tut. Aus (verdrängter) Existenzangst noch Vorräte ansammeln, solange es noch geht. Süßes (Sättigungsgefühl) ist "Seelenbalsam", der beruhigt.

Diabetes ein Zeichen unserer Zeit der Verunsicherungen? Schnell noch die Angst vor den bevorstehenden mageren Jahren verdrängen?

Süßes signalisiert auch "Wohlbehagen" dadurch, dass es schnell "Bedrohungsempfindungen, Mangelzeichen" (durch absinkende Blutzuckerspiegel empfunden) aufheben kann. Selbst wenn der Blutzuckerspiegel noch normal ist, ein weiterer Anstieg kann "Sicherheit vor Absinken dieses Spiegels" kurzfristig vorgaukeln, beruhigend wirken.

Ernährung als Hilfe gegen/bei Diabetes - und auch Auslöser? Ja. Aber Grund für Über-und Fehlernährung vielleicht das Gefühl, solange es noch geht, die Scheunen füllen zu müssen und noch mal zu genießen (Süßes)? Bewegungsmangel als Symptom, gespeicherte Energieträger möglichst bewahren zu wollen (Winterschlafeffekt) - für befürchtet schlechte Zeiten? Wir fragen uns noch, warum auch Übergewichtigkeit zu nimmt?

Ein Beispiel für das bildhafte „Absinken des Blutzuckerspiegels“ aus der Gesellschaft: Arbeitsplätze (früher "sicher wie die Rente") werden für die Zukunftsplanung immer bedrohlicher: Bekommt man einen? Befristung, und dann? Trotz mehr Arbeitsplätzen steigt die Armut? Kann mich das auch treffen? Der Mittelstand wird scheinbar größer - durch Abstieg von ehemals Reichen (nicht Aufstieg von Armen). 

Solche Ängste sind ein schon lange in den USA epidemisch grassierendes "Krankmachphänomen". Die USA geht mit Diabetesfällen (und Übergewichtigen) nicht ohne Grund voran.

Klar, dass das alles Angststress macht. Um so mehr, je mehr die Politik uns vorgaukelt, dass es uns immer besser geht. Zum Beispiel indem man Statistiken bestellt und nach Gusto interpretieren.



Stress ist auch eine notwendige Alarmierung zu Kampf-oder Fluchtbereitschaft. Doch was soll man tun, wenn das Befürchtete zum Hirngespinnst erklärt wird? So wird Stress zum krankmachenden Dysstress. Und der braucht irgendwelche „Verdrängung“, Besänftigung.

Dem Armen in den USA wurde und wird immer wieder vorgemacht, dass es ihm deswegen gut geht, weil er die Chance hätte, vom "Tellerwäscher zum Millionär" zu werden. Nun gewinnt auch hier bei uns immer wieder jemand im Lotto mit Superzahl. Chance 1: 140.000 000.

Doch solche vagen Hoffnungen wirken nicht wirklich beruhigend, Stress lösend. Darum:  möglichst kalorienreich und (weil billig) viel essen, bei möglichst wenig Kalorien raubender Bewegung. Und gerne Süßes, denn das erinnert (unterbewusst) auch das wohlige Gefühl, wenn als Säugling die unklare innere Bedrohung durch abfallenden Blutzuckerspiegel durch süssliche Milch besänftigt wurde (orale Regression).


Solche Ideen, die den gesellschaftlichen sozialen, wirtschaftlichen Bedingungen (Mit)„Schuld“ an der Zunahme bestimmter Erkrankungen zuweisen, werden gerne ausgeblendet. Lieber die Schuld dem Fehlverhalten des Betroffenen geben. Bei anderen Krankheiten, so Krebs wird nun zunehmend auch das „psychosoziale Umfeld“ zum zu beachtenden Bereich erkannt. Hämatologen und Onkologen (Blut-und Krebsärzte) erwägen die Einführung eines entsprechenden „Screeningverfahrens“. Burn-out als Kranheitsverursacher/Auslöser vieler Beschwerden ist akzeptiert worden.

Doch beim Diabetes fehlt noch immer der (auch hirnphysiologisch und psychologisch notwendige) Blick auf Zusammenhänge. Übrigens auch beim Übergewicht.

Copyright K.-U.Pagel 03.2015


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