Dienstag, 3. Februar 2015

Therapieideen Spiegel der Gesellschaft?



Umdenken in Mitochondrientherapie?

Ich habe mal wieder im Web Informationen zu verschiedenen Themen der Heilkunde gesucht. Diesmal zu Mitochondrien und was man dazu (auch werbend für z.B. Ergänzungsmittel) schreibt.

Zu Mitochondrien z.B.:


oder wissenschaftlich:

http://www.mpg.de/6684141/MPI_Age_JB_2013



Die Formulierung ist mir in verschiedenen Seiten ins Auge gefallen, dass es eine Art "ATP-Währung" gibt, die die Mitochondrien unters "Zellvolk" bringen und welche die Funktionen der Zelle bestimmen sollen.



Mitochondrien als Kapital produzierende Wirtschaftunternehmen? Unter den Regeln des Kapitalismus? Mir scheint, dass das so falsch nicht ist.

Die Zelle steht mittels der vielen (zelleigenen) Gene des Zellkerns unter einer "übergeordneten" Kontrolle. Sie fügt sich ins Gesamtwohl des Organismus ein. Das Überleben des Ganzen, welches aus vielen spezialisierten Organismus besteht in einer Gemeinschaft vieler Organismen, ist das übergeordnete Ziel, welches das Überleben des Ganzen sichern soll.

Die Mitochondrien als ehemalige bakteriode Einzelwesen (keine Gemeinschaftswesen) haben ihre eigenen Gene, auf einem Ringmolekül aus Doppelstrang DNA, welche in mehrfachen Kopien pro Mitochondrium vorkommen. Die Überlebensdauer eines Mitochondriums, als die Zeit, in der es sich geteilt haben muss, ist unklar, vielleicht 2 - 3 Wochen.

Die Gene in den wenigen bis sehr vielen Mitochondrien (je nach Zellart, genauer Zellfunktion und Tätigkeit) neigen dazu, zu mutieren, Fehler zu machen und damit Fehlprogramme. Es hängt dann auch davon ab wie viele intakte gegenüber den veränderten Genen im Mitochondrium sind, ob und wie stark sich diese Fehler bemerkbar machen.

Diese Einzelwesen handeln nach jeweils eigenem Gusto. Sie sind nur sich selbst der Nächste. Konkurenz untereinander um z.B. Materialien zur Funktion sind damit vorprogrammiert.
Die Vererbung unterliegt nicht den Gesetzen der Zelle (Mendelsche Gesetze).

Die Aufgaben dieser Mitochondrien sind beschränkt. Für diese Aufgaben sind die mitochondrieneigenen Gene die Schlüssel. Aber nur zum Teil. Viele Gene des Zellkerns steuern hier mit, sind für die Funktionen (und den Aufbau) mit verantwortlich. Die Zelle versucht aus den Programmen ihres Kerns die Funktionen der Mitochondrien zu kontrollieren. Ein "anarchistisches" Entgleiten der "egoistischen" Tätigkeit zu verhindern.

Die Mitochondrien "locken" die Zelle mit ihrer "Währung". Gaukeln ihr vor, mit dem zur Verfügung gestellten Kapital unermesslich stark und leistungsfähig zu sein.  Und das nimmt das Gehirn wahr - Krankheitsempfindung wird vermindert. Dann fühlt sich die Zelle wohl, auch wenn sie in Wahrheit immer mehr dem Kollaps entgegengeht.

Darin sehe ich einen Effekt der Therapien, die die Mitochondrien immer mehr zu Leistungen fähig machen sollen. Es wird also immer mehr Kapital in die „Wirtschaft“ gepumpt, woher auch immer genommen (Darlehen bei der Umwelt?), um die Zahl der Mitochondrien letztlich wachsen zu lassen und mehr ATP-Währung zu generieren.

Tatsächlich ist es biologisch sinnvoll, wenn die Zelle das Wachstum der Zahl der Mitochondrien und die Funktion der einzelnen begrenzt. Dadurch, dass sie mit der Währung gut umgeht, nicht einfach mehr verbraucht, als tatsächlich im Gesamtzusammenhang sinnvoll und nötig, ATP liegen lässt, und vor allem die bei der ATP-Gewinnung anfallenden Endprodukte nicht mehr abtransportieren kann,

Denn, vergessen wir nicht, die Zelle muss aus ihren Leistungen den Mitochondrien einiges zuliefern. Mitochondrien leben letztlich aus der Zellleistung. Und wenn die Zelle immer vermehrt zu Gunsten der Mitochondrien Gene benutzt, Stoffe produziert, Ihre Transportkapazität für Anlieferung zu den Mitochondrien auslastet, sowie bei der Entsorgung nicht mehr nachkommt, wird sie letztlich daran kranken. Auch wenn eine ganze Weile die ATP-Angebote ihr "Glückseeligkeit" - drogenartig - schaffen. Die „Wirtschaft“ nutzt die Infrastruktur der Zelle, die von der Zelle geschaffen wurde. Und wie ist das im Großen? Es wird immer mehr bekannt, wie es gelingt, dass die Wirtschaft ihren Steuerbeitrag an solchen Infrastruktur-Gemeinschaftsaufgaben zu vermindern weiß. Manchmal sich nur ansiedelt, wenn entsprechende Vorleistungen durch die Allgemeinheit geschaffen wurden. Subventionen fließen.

Wie im Großen so im Kleinen?

Schauen wir dazu ins Große, die Wirtschaft, die Finanzkrisen, die Staatswirtschaftskrisen der EU. Mit den vielen immer mehr wachsenden Schulden usw. Und es gibt auch hier immer wieder Einflüsse, die säuseln, es sei doch alles gut, wenn nur die Wirtschaft weiter wächst (nur von was und mit welchen giftigen Folgen?).

Burn-out (ausgebrannt sein) - Folge von Mitochondrienstörungen, die durch Hineinpumpen von Stoffen behoben werden müssen? Übersäuerung der Zelle deswegen? Oder einfach die Folge einer überforderten Zelle, die immer mehr darunter leidet, dass die "Wirtschaft", die Produktion von ATP-Währung, immer mehr zunimmt? Es immer mehr um Erfolge geht? Erfolge, die auch unter den Mitochondrien nur einige wirklich haben können?

Vielleicht ein Anlass über die Zielrichtung in dieser "Mitochondrientherapien" nachzudenken? Bei denen das Haben und immer mehr Bekommen letztlich die gesamte Zelle gefährden kann?

Wie im Kleinen, so im Großen?

Mir fällt auf, dass Stoffe und Geräte, die dieses ständig mehr Produzieren an ATP-Währung bewirken sollen, nicht selten mittels Vertriebssystemen verkauft werden, die der ATP Gewinnung ähneln. Bei der ATP-Gewinnung in der Atmungskette entsteht diese "Währung" aus einer Portion Rohstoff (NADH-H) in verschiedenen Stufen. Es verdienen sozusagen mehrere Netzstrukturen daran.


Und auch da ist es wie bei den Mitochondrien, die Zahl der Mitmachenden steigt, damit Einzelne gewinnen, aber für viele ist außer eingesetztem Geld und eingesetzter Kraft nichts übrig. Ihre "Trümmer" muss die Zelle dann "bewältigen". Nur nutzt das der Zelle? Gibt es in der Zelle eine gute "Stimmung"? Setzt es die Zelle nicht unter "Erfolgsdruck"?

Wozu dann Coaches ihre Hilfe anbieten. Coaches, die auch die Förderung des Mitochondrien-Wirtschaftssystem im Auge haben. Welches ja dann die "Burn-Outen" hervorbringt, denen man dann wieder Hilfe anbieten kann?

Wem nutzt solches Therapiesystem? Dem Prinzip des mitochondrientypischen Egoismus gegenüber dem System des Gemeinschaftsnutzens (auch wenn man auf Währungsproduktion um jeden Preis verzichtet) und Überlebens durch eine intakte Zellgesellschaft?

 Copyright K.-U.Pagel 02.2015

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