Montag, 12. Januar 2015

Unsicherheit macht krank

Fragen zum Schlaf - Verunsicherung lässt nicht zur Ruhe kommen

Dieser focus-online Beitrag (zur Bedeutung des Schlafes) lies mich als Heilkundler Gedanken entwickeln.



Wer mit Menschen zu tun hat, die wegen Beschwerden Rat und Hilfe suchen, kann nicht umhin, auch das soziale Umfeld, die gesellschaftlichen Entwicklungen zu betrachten, die manche Krankheiten, Beschwerden fördern könnten, z.B. das Phänomen Burn-out. Aber auch Diabetes und Übergewicht. Dazu ein Zitat:

Bereits nach einer durchwachten Nacht verhalten sie sich, als hätten sie einen leichten Diabetes. Deshalb neigen Menschen mit chronischen Schlafproblemen zu Übergewicht.“

Weiteres Zitat:
+ Tiefschlaf ist gut für Langzeitgedächtnis und Impfwirkung +
+ Zu wenig Schlaf begünstigt Übergewicht +
+ Lebensdauer wird durch zu wenig Schlaf verkürzt +


Was ist eine Voraussetzung, tief und entspannt schlafen zu können? Eine Voraussetzung, die vielleicht heute eingeschränkt sein könnte? Diese Textstelle

Ohne Schlaf kann kein Mensch leben. Forscher versuchen herauszufinden,
welchen Nutzen es dem Menschen bringt, dass er rund ein Drittel seines Lebens bewusst- und schutzlos verbringt.

gab mir einen Denkstoß.

Schutzlos!


Der Mensch braucht Geschütztheit, Sicherheit. Vielleicht liegt auch ein biologischer Sinn dahinter, dass der Mensch nicht allein sein will: Es ist möglich in der Gruppe "Wächter" zu bestimmen. Man sucht das Gefühl, sich aufeinander verlassen zu können. Und dann das Bedürfnis nach Behausung: Ein "sicheres Versteck" schützt auch im Schlaf. Sich verlassen können auf den Schutz in der Gruppe, der Gesellschaft und einen sicheren Zufluchtsort haben, ein sicheres privates Zuhause.

Der Mensch sucht Sicherheit: Sicherheit in der "Unverletzlichkeit der Wohnung", dazu gehört auch, dass er sehr verunsichert ist, wenn er erfährt, dass Privates jederzeit einfach so abgehört werden kann. Es führt zu ähnlicher (auch krank machender) Verunsicherung, wie wenn er erleben musste, wie ein Einbruch in der Wohnung (vielleicht, wenn er gerade schlief) ihm seine Verwundbarkeit zeigt.

Und Sicherheit in seinen sozialen Gefüge, mit (und vor) seinen Mitmenschen. Dann, wenn er den Mitgliedern seiner sozialen Gemeinschaft einfach nicht mehr vertrauen kann, erleben muss, dass der andere kein Wächter sein kann oder will (auch wenn er dazu eingeteilt wurde) macht diese Unsicherheit krank.

Wenn der Wächter, die „Ausgeliefertheit“ im tiefen Schlaf, die fast bewusstlose Unaufmerksamkeit nicht schützt. Vielleicht sogar für sich ausnützt. Wie soll man da ruhig und tief erholsam schlafen können? Die Gesundheit erhaltenden Funktionen des Schlafes nutzen können?

In einer Zeit, in der selbst die Psychologie (und manche Weltanschauung) predigt, man müsse um alles in der Welt Erfolg haben, ist dieses Gefühl, sicher sein zu können,zerrüttet. Gerade, weil es einen andren gibt, der übervorteilen wollen könnte. Des einen Erfolg kann nur der "Misserfolg" des anderen sein, der andere Interessen hatte. Reich werden, gewinnen, heißt umverteilen.

Welcher Information darf man heute noch trauen? Welchen Hintergedanken hat der Informierende? Die Psychologie (auch der Medien) hat raffinierte Methoden entwickelt, wie man den anderen "austricksen" kann.

Und dann der ständige Slogan: Man sei für sich selbst verantwortlich. Wer kann da noch schlafen? In so einer Welt, in der Unaufmerksamkeit bedeuten könnte, vom Raubtier gefressen zu werden? Eben, weil der Wächter, Mitglieder meiner Gemeinschaft, nicht warnen? Vielleicht ihre Vorteile sehen, wenn ich gefressen wurde?

Und – man kann es lesen - nicht-schlafen macht dick. Ich habe in anderen Beiträgen immer wieder auf die psychosomatischen Zusammenhänge zwischen Unsicherheit (auch soziale) und Übergewicht hingewiesen. Die Gene, die dafür verantwortlich sind, dass man Speck ansetzt, wenn der Winter vor der Tür steht, wirken auch, wenn man verunsichert ist (dabei keine Hilfe und Perspektive sehen kann) und eben eine Zeit des Hungers („sozialer Winter“) mit den bedrohlich langen Nächten anzustehen scheint.

Hat man Wächter in der Gemeinschaft, die nicht wegsehen und das Wohlergehen des Nächsten in ihrem Handeln berücksichtigen (wenn man als Wächter eine halbe Nacht nicht schläft, bis die Ablösung kommt), ist alles gut.

Kann man dem Wächter (auch Politiker, Wirtschaftsboss usw.) nicht trauen, muss sich vor dem fürchten, wie kann man dann erholsam schlafen und darauf vertrauen, dass auch morgen noch genügend Essen da sein wird? Vertrauen, dass morgen, im Alter, die Vorräte noch reichen? Sich dann noch auf den Schutz durch die Gemeinschaft verlassen? Egal wie viele jeder vom Bisschen, was er verdient, (unsicher und kaum verzinst) zu Seite legt? Dann eben jetzt schon Erfolg haben und raffen ist für manche die Konsequenz. Aber sie wissen, dass es der andre auch macht, gerade auch wenn sie durch Schlaf abgelenkt sind oder von schönen Politikerreden eingelullt wurden. Also immer irgendwie wachsam und misstrauisch sein. Für Gefahren gewappnet sein. Dabei aber lässt sich keine Genesung durch erholsamen und tiefen Schlaf mehr erreichen.


Schlafmangel macht auch körperlich krank. Ständig wachen zu müssen lässt "ausbrennen", Burn out.

Burn out ist keine Krankheit des Menschen. Dass Menschen krank werden - an vielen Krankheiten, deren Symptome unter diese Bezeichnung fallen - ist hier Folge eines gesellschaftlichen Leidens, des (sozialen) Schutzverlustes gegenüber wachsendem Egoismus. Das Streben nach Erfolg, lässt nicht schlafen.

Aber auch die, die diesem Götzen (Erfolg, Geld) nicht dienen, können nicht schlafen, weil sie letztlich sich von Menschen in ihrem Lebensraum (die bis in die privatesten Sphären, wie sogar Heilkunde eindringen) bedroht fühlen müssen. Da schläft man eben nicht, erholt sich nicht, stärkt sein Immunsystem nicht usw.

Wird dick, legt sich „sozialen Winterspeck“ aus Zukunftsangst zu?

Nach meinen heilkundlichen Beobachtungen ist solche Zukunftsangst Triebfeder eines Pegida-Mitläufers, ebenso wie der Hintergrund für einen Jungakademiker, sich in Praktika verheizen zu lassen.

Copyright K.-U.Pagel

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