Sonntag, 1. November 2015

Chemotherapie oder „alternative Medizin“ - Entscheidung ohne wirkliche Wissensbasis?

Chemotherapie oder „alternative Medizin“ - Entscheidung ohne wirkliche Wissensbasis?



Krebs – ein Wort für mindestens 300 verschiedene Tumorerkrankungen, die nicht über einen Kamm geschoren werden dürfen – wird mit zunehmender erreichbaren Lebensalter einer Gesellschaft immer häufiger zum Thema. Dazu meine Gedanken.

Grundsätzlich kann man (auch wenn bei einzelnen Arten mit unterschiedlichen Verläufen noch differenzierter betrachten muss) sagen, die Ursachen für die Zellentartungen sind vielfältig, von sogar akuten Einwirkungen von Schädlichkeiten und Folgen von Langzeiteinwirkungen solcher bis zu genetischen Veranlagungen (die meist auch „Aktivatoren“ brauchen) sieht man Gründe. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die man als begünstigend (das ist nicht Ursache!) für die Entartungsentwicklung sieht: Lebensumstände, Ernährungsweisen, Arbeitsbedingungen, Klimafaktoren, psychische Belastungen usw. Die nun ins Gerede gekommenen Gefahren: Rotes Fleisch, verarbeitetes Fleisch, sind keine Verursacher. Sie begünstigen vielleicht, dass Entartungen von Zellen leichter entstehen und, schlechter durch die Abwehr beseitigt, eine Größe erreichen, die der Körper nicht mehr oder nur unter optimalen Bedingungen (die jedoch niemals in kürzester Zeit zu schaffen sind) in den Griff bekommen und irgendwie „ausheilen“ kann. Es sind bestimmte Stoffe darin (aber nicht in jeder Wurst und in gleicher Menge enthalten!), die man anschuldigt, in Zellen selbst zu Veränderungen der Teilung und der „Zellidentität“ zu führen – auf direktem oder indirektem Wege. Und die nicht ohne weitere „begünstigende“ Faktoren letztlich zum permanenten und wachsenden Tumor (Krebs) führen.

Krebs ist nicht wirklich so bekannt, dass man ihn (die vielen Arten) tatsächlich ursächlich bekämpfen könnte. So komplex wie der Organismus ist im Zusammenspiel aller seiner Komponenten leiblich und psychisch, so komplex sind letztlich die zellulären Abläufe.

Da genügt es nicht, bestimmte Stoffe in einer Zelle als tumortypisch zu identifizieren. Die Zelle kennt eine ganze Reihen von verschachtelten und alternativen Stoffwechselwegen dorthin. An welcher Stelle nun war die Weiche zur Entartung gestellt? Da kann man z.B. über „Freie Radikale“ denken, was man will, ihre Rolle ist nicht wirklich erkannt, sie wird nur behauptet.

Es fehlt an tatsächlich aussagekräftiger Forschung in allen Richtungen. Es genügt nicht, an Zellkulturen, die losgelöst sind von den gesunden Nachbarzellen, außerhalb des offenen und dynamischen Stoffwechsels des Organismus gehalten werden, ohne Zugriff der vom Organismus immer wieder neu ausgerichteten Abwehr und ohne psychischen Einfluss, Forschungen zu betreiben. Weder für die Krankheitserkundung noch für die Therapien.

Es ist ungenügend, an eigens gezüchteten Mäusen „Tumormodelle“ wachsen zu lassen und daran zu forschen. Es sind erste Hinweise daraus zu gewinnen, die sich aber im „richtigen Leben“, im tatsächlich betroffenen Organismus unter dessen Bedingungen incl. Lebensraum, usw. weiter verfolgen lassen müssten.

Es muss erforscht werden, warum bei einem Menschen mit scheinbar dem gleichen Tumor die Krankheit sich anders entwickelt als bei anderen. Was ist denn tatsächlich alles anders? Das sind immer viele Komponenten und deren Gefüge! Warum wirkt eine Therapie bei dem einen, beim anderen nicht? War es wirklich ein hinreichend ähnlicher Tumor (niemand hat den selben, den ein anderer hat!) bei dem man etwas eingesetzt hat? Waren die anderen Bedingungen gleich oder haben diese Bedingungen auch bei kleinen Unterschieden die andere Wirkung hervorgerufen?

Man müsste – aus dem Körper eines Erkrankten – eine Probe eines Tumors entnehmen und verschiedenste Merkmale – auch unter Zuhilfenahme des Elektronenmikroskops und einem daran gekoppelten Spektrometer, wenn es um einzelne Stoffwechselabläufe in einer Zelle geht – untersuchen. Vor, während nach Therapieversuchen, auch der alternativen und komplementären Therapie. Zunächst ohne die verschiedenen Therapien zu vermischen, dann vielleicht unter probieren von verschiedenen Kombinationen.

Was, z.B. im Stoffwechsel, in einer Krebszelle am Ort in einem Organismus tatsächlich geschieht – momentan und/oder anhaltend – ist nicht wirklich erforscht. Es werden Modelle theoretischer Art oder isolierter Versuchsanordnungen herangezogen. Tatsächlicher Wert aber gering.

Doch was sollte man tun: Zunächst die ganz individuelle Analyse des „Krankheitsstandes“: welcher Tumor, von welchen Zellen ausgehend, an welcher Körperstelle in welcher Größe bei welcher „Grundgesundheit“ und bei welchen noch bestehenden Vor-oder Begleiterkrankungen. Alles kann Einfluss auf Verlauf der Erkrankung bei diesem Menschen und Wirkungen von Therapie und ihren unerwünschten Wirkungen haben. Dazu genetische Bestimmungen, auch von Genen , die zusammen wirken aber vielleicht nichts mit dem „eigentlichen Tumorgen“ zu tun haben (Lebensumstände, Biographie usw.).

Dann erst die Wirkung von bestimmten „Heilmitteln“ (Arzneien und anderen Maßnahmen der „evidenzbasierten“ und „alternativen“ Medizin) untersuchen. Herausfinden, bei wem und warum etwas wirkt (gut oder schlecht) oder gar „kranker“ macht. Warum unerwünschte Wirkungen hier größer sind als dort.

Doch, wer will das bezahlen? Der Hersteller und Vertreiber von „chinesischen Wundermitteln“, Vitaminkonzentraten, „Anti-Krebs-Pflanzen“? Der große Pharmakonzern, der auf „harte Chemie“ setzt? Der „Psychoguru“ der über Änderungen der Weltsicht vermutete Energien über die Seele wirken lassen will? Wer soll das bezahlen? Eigentlich sollten alle das tun, aber die Abwägung Kosten zu (erhofftem) Gewinn steht dem entgegen. Und einen Firma muss nach den Gesetzen immer den eigenen Gewinn im Auge haben, nicht das Gemeinwohl zur Konkursursache werden lassen.

Krankheitenbehandlung mit Arzneien, Geräten usw. ist nicht Sache der Gemeinschaft (die zahlt nur in bestimmten Rahmen aus Gemeinschaftskassen die Kosten). Sie ist Sache der Marktwirtschaft und unterliegt deren Regeln. Inzwischen sind ja sogar viele Praxen von Ärzten und Heilpraktikern zu Stätten der Vermarktung von Waren und Dienstleistungen geworden.

Eine Arznei – egal ob „schulmedizinisch“ oder „alternativ dazu“ - ist nur wirtschaftlich zu entwickeln, wenn die Kosten, z.B. für die Forschung nicht die zu erwartenden Markteinnahmen auffressen. Eine Arznei, die für viele passen könnte hat da Chancen, doch wenn man auch noch forscht, bei wem diese wohl nicht wirken wird, hat man gleich den Markt klein gemacht.


Wie sieht die (Krebs-)Tumorbehandlung grob vereinfacht aus?

1. Der Tumor (vielleicht auch bereits gebildete Metastasen) muss so schnell wie möglich weg, damit er zum einen sich nicht so schnell vergrößert und ausbreitet (Metastasen) und zum anderen nicht den Restorganismus schädigt, durch seine Stoffwechselprodukte, Zerstörung gesunden Gewebes usw., also Operation. Wer weiß denn, wann ein Tumor noch in einem Stadium ist, in dem der Körper diesen doch noch selbst unschädlich machen könnte (Abbauen, Einkapseln u.a.)?

2. Wenn man den Tumor und seine „Töchter“ nicht sicher so entfernen kann, oder wenn befürchtet werden muss, es sind bereits weitere (für das Erkennen durch die vorhandene Diagnostik zu kleine) Tumoren da, dann medikamentöse Bekämpfung. Egal ob mit harter Chemie oder alternativen Stoffen. Vielleicht auch der Versuch, lokal durch Strahlung „Tumorreste“ zu zerstören.

3. Es sollte immer dazu gehören (wird aber nicht selten vergessen), den Organismus körperlich wie psychisch wieder stärken, aufbauen, in gesunde Funktionen zurückzubringen. Auch durch ggf. Änderungen der Lebens- und Ernährungsweisen, vielleicht sogar durch Veränderungen der Lebenseinstellung.


Zu 1.
An sich vernünftig. Tumorzellen, die entartet (nicht mehr der Art/Grundidentität des Organismus angehören) sind, nicht mehr den Interessen der Organismus folgen wollen (nur die eigenen noch sehen, koste es was es wolle), sind keine Freunde, sondern müssen weg. Manchmal muss das geschehen, selbst wenn der Organismus in einen gesundheitlich „desolaten“ Zustand ist. Mancher Tumor lässt, solange er das Regime innehat, nicht zu, dass der Organismus wieder „erstarkt“. So z.B. durch Täuschung des Abwehrsystems oder „Vergiftung“ des Organismus an Leib und Psyche.

Und es bedarf der guten Heilungsförderung nach dem Eingriff, dem Vermeiden aller möglichen Heilungshindernisse, ggf. auch die die manche Schmerzmedikation in den Weg legt und die aufgrund der Krankheit eingetreten sind (Mangelzustände, Organinsuffizienzen u.v.m.). Da können viele Maßnahmen, auch aus der „alternativen Schublade“, aus der „Lebenserfahrungsmedizin“ hilfreich sein. In manchen Kliniken oft völlig unbeachtet oder übersehen, teils auch wegen Unkenntnis oder Ablehnung nicht eingesetzt. Nicht selten auch wegen der Kosten (Kasse zahlt nicht) oder wegen erhöhtem Personalbedarf/Organisationsaufwand (wer zahlt?) weggelassen (mit der Begründung: Nicht evidenzbasiert – aber ohne tatsächliche Forschung dazu)?


Zu 2.
Da besteht die Idee, dass man zum Einen die Teilung einer Tumorzelle verhindern will, zum Anderen, dass man Stoffwechselfunktionen dieser Zelle so verändert, dass sie daran zu Grunde geht, abstirbt. Die Idee, den Stoffwechsel so zu verändern, dass aus der entarteten Zelle mit all den bereits eingetretenen Veränderungen – auch Genaberrationen – wieder eine „normale“ Zelle wird, ist utopisch und scheitert schon daran, dass man alle eingetretenen Veränderungen gar nicht erkennen und meist nicht mehr rückgängig machen kann. Als Drittes kommt inzwischen dazu, dass man Marker (Antikörper) erzeugt, die als Medikament gegeben, nur an die Tumorzellen andocken und dann für die Abwehrzellen gezielt erkennbar und zerstörbar machen.

Das ist das Gebiet (außer Drittes), auf dem sich hauptsächlich die chemische Tumormedizin (Zytostatika, Chemotherapie) bewegt. Allerdings ist es bisher unmöglich, Substanzen einzusetzen (man hat noch keine gefunden), die nicht auch an gesunden Zellen solche Wirkung entfalten. Die Idee: Man vergiftet zwar alle Zellen, aber die Tumorzellen mit ihrer schnellen Teilung und entsprechendem Stoffwechsel werden stärker geschädigt. Sterben schneller, als die anderen Zellen. Und man nimmt Wirkungen an den gesunden Zellen in Kauf, in der Hoffnung, dass Schäden wieder „ausheilen“. So, dass die Haare wieder wachsen, nachdem man ihre „Keimzellen“ geblockt und geschädigt hat. Gerade die Zellen, die einen schnelle Teilung haben (Verschleißzellen) wie die Blutzellen und die Zellen der Schleimhäute leiden erkennbar. Auch die Abwehr (weiße Blutkörperchen) werden schnell weniger, und damit die Zellen, die zum Tumorabbau gebraucht werden. Hier insbesondere auch die Immunzellen. Eine ganze Reihe von erheblich die Lebensqualität einschränkenden und den Körper weiter schwächenden Wirkungen dieser Medikamente sind unvermeidlich. Dagegen gibt es dann wieder (nebenwirkende) Medikamente.

Diese Chemotherapeutika sind nicht wirklich verlässlich geprüft auf Wirkung und Nebernwirkung. Auch die spezifisch optimalen und unsinnigen Einsatzgebiete (in Relation zu den Nachteilen) sind nicht wirklich bekannt. Siehe Ausführungen zu den nötigen Forschungen.

Diese Medikamente werden an Tierversuchen und heute auch an Zellkulturen getestet, am Menschen jedoch in nicht wirklich aussagekräftigen Studien erprobt. Da es sich um Medikamente handelt, die gegen so schwere Erkrankungen wie Krebs eingesetzt werden, werden sie auch oft schneller zugelassen, als für andere Medikamente üblich. Wie kann man diese überhaupt auf Wirkung prüfen? Es geht nicht, dass man Tumorpatienten (sie müssen wirklich vergleichbare Erkrankung haben!) zum einen mit einem sicher wirkungslosen Scheinmedikament versorgt, den andere aber das hoffentlich wirksame gibt. Ethisch nicht vertretbar. Dazu müsste den „Scheinmedikamenten“ immer etwas zugefügt werden, was gleiche unangenehme Begleitwirkungen hat, wie das echte Medikament. Allein schon das Wissen, dass ein solches Mittel immer unangenehme Wirkungen hat, würden bei den Menschen, die keine solchen verspüren die zu erwartende „positive Placebowirkung“ entfallen lassen aber vielleicht über die Sorge, keine Hilfe zu bekommen, über die „negative Nocebowirkung“ ,die Befürchtung steigern, der Erkrankung hilflos ausgesetzt zu sein.

Der Vergleich mit Mitteln, die sich bewährt zu haben scheinen, ist auch nicht möglich, da einem Patienten ein solches Mittel nicht vorenthalten werden darf, und statt dessen ein Mittel, dass erst seine Wirkung zeigen soll, gegeben werden darf. Im Regelfall wird das „neue“ zu prüfende Medikament dazu gegeben oder nur ein „Scheinmedikament“. Negative Wirkungen hat dann der Patient auch ohne entsprechende Beimengungen.

Bei wem wird so ein Versuch gemacht? Sucht man für den Medikamententest Patienten aus, die von vorne herein eine gute Prognose haben und für die Vergleichstherapie die mit schlechterer, ist das Ergebnis vorhersehbar. Gerade bei Patienten mit schlechter Prognose muss damit gerechnet werden, dass sie längst vor Studienende verstorben sein könnten, also das Ergebnis am Ende nicht negativ beeinflussen. Das lässt sich, selbst bei Doppelblindstudien, irgendwie mit „einflechten“.

Für die als Vergleich gerne genommene 5-Jahres Überlebenszeit wäre immer wichtig, einzubeziehen was noch gemacht wurde, insbesondere aus dem Punkt 3. oben. Viele mögliche Folgen, die das Medikament haben könnte in den Jahren nach dem Einsatz, sind nicht wirklich abzuschätzen, da je eine ganze Reihe der Patienten innerhalb der 5 Jahre versterben. Am Tumor oder der Therapiefolge. Wer weiß?

Man versucht, um die Wirkungen auf die gesunden Teile des Organismus abzumildern, die Chemotherapie möglichst lokal zu konzentrieren: Infusion in eine Arterie, die in den Tumor führt oder über sogenannte „Liposome“, Nanoteilchen, die mittels Oberflächenmarkern nur an die Tumorzellen andocken und dorthin das Medikament abgeben. Vielleicht sogar mit lokaler Überwärmung. Gerade die Risiken dieser Liposomen sind noch lange nicht erfasst.

Chemotherapie zeigt Wirkungen und erhebliche Nebenwirkungen. Doch ist sie bisher nicht wirklich zielgerichtet und mit dem dadurch wahrscheinlichen Erfolg einzusetzen. Es fehlt eben an der dazu notwendigen Forschung. Doch liegen hier wenn auch nicht wirklich verlässliche für den Einzelfall statistische Daten vor. Für viele Patienten stellt das aber eine ernst zu nehmende Entscheidungsbasis für diese Therapie dar.

Für alternative Verfahren statt der Chemotherapie gibt es keine wirklich statistisch so „verlässlichen“ Zahlen. Es fehlt an Untersuchungen dazu, die objektiv und aussagekräftig sind. Damit ist es für einen Betroffenen viel schwerer, hierzu eine „begründbare“ Entscheidung zu treffen. Es ist ein Glücksspiel, da im Regelfall auch noch nicht einmal die tatsächlichen Wirkungen auf Tumorzellen bekannt sind.

Die Kombination von Chemotherapie mit „komplementären“ Maßnahmen, die die Nebenwirkungen reduzieren sollen, erscheinen fragwürdig. Die Nebenwirkungen sind die Folge der eigentlichen Wirkung und wenn man die Nebenwirkungen verringert, verringert man nicht die eigentliche gewollte Wirkung?

Mit „chemischen“ Nebenwirkungsunterdrückern wie Glucocortikoiden, kann man weniger Wirkminderung erreichen, „kauft“ aber Nebenwirkungen dieser Arzneien mit ein.

Die Idee, den Organismus so zu stimulieren, dass die Abwehr selbst den Tumor zerstören kann, hat seine Grenzen dort, wo der Tumor (schon bei seiner Entdeckung) eine Größe erreicht hat, bei der die Teilung der Tumorzellen mehr Zellen erzeugt, als die Abwehr in gleicher Zeit „auffressen“ kann. Die Abwehr „läuft“ sich dann irgendwann tot. Auch wenn in der Zeit (Abwehrstimulation bedeutet auch Stimmungsanhebung, Aktivierung durch Sympatikusanregung) eine besseres Selbstempfinden („Lebensqualität“) erlebt wird, einen tatsächliche Verlängerung der Lebenszeit konnte statistisch nicht belegt werden. Eventuell wäre sogar eine Verkürzung - bei aber besserem Befinden – möglich, wenn die lange aktivierte Abwehr dann zusammenbricht bei „Verkürzung der Sterbedauer“.

Auch die Statistik der in den vergangenen Jahren länger geworden Überlebenszeit und der gestiegenen Heilungsrate bei einer ganzen Reihe von Tumoren vermag keinen Beweis für die dafür „verantwortliche“ Therapie bringen. Es hat sich so vieles verbessert, angefangen von der Diagnostik bis hin zu Operationsmethoden und begleitenden „Symptomentherapien“.

Belege für eine Wirksamkeit alternativer Verfahren statt Chemotherapie liegen nicht vor. Es gibt Vermutungen, die sich aus mehr oder minder nur „Beobachtungen“ ableiten. Das Problem mit den wissenschaftlichen Studien wurde oben umrissen.

Studien, die Patienten nur mit alternativen Verfahren behandeln lassen wollen, werden aus ethischen Gründen (es gibt ja Verfahren, die statistisch eine gewissen Wirksamkeit erwarten lassen) gar nicht erlaubt. Studien dieser Art, ohne Erlaubnis durchführen, also Patienten im Grunde ohne als wirksam angesehene Therapie zu lassen bei lebensbedrohlichen Erkrankungen, wäre illegal und könnte zu strafrechtlichen Konsequenzen führen. Einzelfälle, bei denen Patienten jede andere Therapie einfach ablehnen, können keine Wirksamkeit im allgemeinen – eben nur in diesem Einzelfall – belegen (wenn denn eine wissenschaftliche Begleitung erfolgte). Es muss entsprechende dern Regeln eine repräsentative Patientenauswahl getroffen werden, mit eben der Bestimmung der von mir oben aufgezählten Parameter vorab und begleitend.

Da jemand, der trotz allem Patienten lediglich „alternativ“ behandelte, damit rechnen muss, ggf. auch strafrechtliche verfolgt zu werden, wegen Unterlassungen, ist zu erwarten und auch der Lebenserfahrung entsprechend, dass nur Fälle benannt werden, mit positivem Ausgang und alles, was „schief ging“ verschwiegen wird. Zum Teil werden Patienten (rechtlich fragwürdig) schriftlich dazu verpflichtet, auf jeden Anspruch gegenüber dem „Tester“ zu verzichten. Sie übernehmen das Risiko selbst. Und ob der, der seine Methode unter Beweis stellen will, hinreichend und umfassend auch über Alternativen aufklärt? Ob er überhaupt dazu etwas Ausreichendes weiß?

Da gleiche gilt für die Fürsprecher einer Chemotherapie. Haben die überhaupt das (umfassende) Wissen über den jeweiligen Patienten, um im jeweiligen Fall eine mit großer Wahrscheinlickeit zutreffende Aussage zu den vorgeschlagenen Methoden zu machen? Dazu siehe oben (wer zahlt denn solche Mühen).

Es bleibt für den Patienten immer die als Laie kaum lösbare Aufgabe, aus den gegebenen Informationen (die einseitig, unvollständig, lenkend sein können) eine Entscheidung für sich abzuleiten.

Und das ist der Boden, auf denen Geschäftemacher (auch in Kliniken nicht nur in „alternativen Krebspraxen) Unsicherheiten ausnutzen können.


Die Therapie mit eigens auf den Tumor zugeschnittenen Antikörpern erscheint vielversprechend. Doch die tatsächlichen späteren Folgen sind unbekannt. Und auch hier muss erforscht werden, warum so etwas bei Menschen NICHT zum Erfolg führt. Daraus kann man vielleicht bessere Informationen bekommen, als aus den Vermutungen (aus Theorie und Versuchen an isolierten Zellkulturen und mit eigens gezüchteten Mäusen) über die Wirkweise?


Zu 3.
Es ist bekannt, dass auch die beste Prävention (aufgrund rein statistischer in die Zukunft spekulierender Vermutungen) nicht vor dem Auftreten von Krebserkrankungen zu schützen vermag. Manchmal hat man die Idee, dass der, der Krebs bekommt, einfach Pech gehabt hat, trotz aller Bemühungen vorher.

Die ganzen Beobachtungen, dass in einer Region der Welt die Menschen sehr alt werden und weniger Krebsfälle auftreten als woanders, sind zwar interessant. Doch das darauf zurückführen zu wollen, dass der Verzehr bestimmter Pflanzen, Tees daraus oder einen bestimmte Trinkwasserzusammensetzung dafür positiv verantwortlich ist, ignoriert das Zusammenspielen vieler Faktoren zur Krebsentstehung. Produkte zu kaufen, aus diesen Dingen hergestellt, an anderen Orten der Welt, ohne die Lebensbedingungen genau anzupassen, unterstützt Geschäftemacher (mit der Angst vor Krebs), muss aber im Regelfall scheitern. Dazu kommt, dass Menschen in solchen Regionen oft einen ähnlichen (Nachfahren) „Genpool“ haben, der diese Art der Erkrankungen vielleicht weniger begünstigt. Manche Studien zu den Gesundheitsbesonderheiten solcher Regionen haben nur wenige Menschen als Grundlage, dann auch noch repräsentativ die gesünderen. In ganz großen Studien (die oft möglicherweise wesentliche Faktoren außer Acht lassen müssen), finden sich dann zumeist nur marginale Unterschiede.

Doch bei Menschen, die eine Krebserkrankung entwickelten, kann man recht individuell nach Faktoren suchen, die Ursache waren (selten wirklich zu finden), zumindest nach Belastungen der früheren und bisherigen Lebensweise usw. Es macht immer Sinn, die Rekonvaleszenz nach den Therapien (nicht statt dessen) zu fördern, mit allem, was – auch über Änderungen der bisherigen Lebensweise – hier unterstützen könnte. Im Regelfall sind dazu keine Mittel zuzukaufen. Nahrungsergänzung z.B. kann niemals eine „Nahrungsoptimierung“ ersetzen. Es ist eher kontraproduktiv, dem Betroffenen durch solche Dinge (Ergänzungen, Hilfsmittel) aufzuzeigen, dass er eben nicht aus sich heraus und mit den bestehenden natürlichen Möglichkeiten gesund werden und bleiben kann. Das fördert Geschäfte, nicht die Selbsterhaltungsfähigkeiten, das Selbstvertrauen, das Vertrauen (muss in vielen Fällen zurückgewonnen werden) in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten, trotz vielleicht Operations- oder Chemotherapiefolgen.

Abwehrkräfte auch gegen „Parasiten“ fördern, die wieder Ängste ausnutzen wollen, jemandem im Grunde krank erhalten, das muss auch Gegenstand einer psychoonkologischen Betreuung und Nachsorge sein. Auch wenn damit Geschäfte mit trügerischen Hoffnungen behindert werden.

Der Krebs (eine der vielen Arten) ist eine individuelle Sache, aus vielen auch individuellen und auf dieses (auf andere vielleicht nicht) Individuum „negativ“ wirkenden Einflüssen entstanden. Neben einer allgemeinen grundsätzlichen Therapie – weg mit dem entfernbaren Tumor, der entgegen den Interessen des Organismus und keinen Grund hat, sein Verhalten zu ändern – durch wenn mögliche chirurgischen Intervention, stellt sich die Frage, was zu tun ist, wenn eben Zweifel bleiben, ob nicht Reste des Tumor/Metastasen verblieben sind. Die Antworten darauf sind nur mit nicht wirklich verlässlichen Wissenshintergründen zu geben. Antworten darauf: Chemotherapie, Bestrahlung ja oder nein – im genau bekannten Individualfall vielleicht einigermaßen sicher zu geben -, oder, vielleicht weltanschaulisch begründet, alternative Verfahren, kann kein Patient bekommen. Er muss immer aufgrund der (vielleicht manipulativen) Informationen selbst entscheiden.

Nur eines kann man sagen: Wenn der Informierende, egal aus welchem „Lager“, immer darauf verweist, dass die anderen „Wahrheiten“ verschweigen, z.B. aus Profitgier, oder die anderen „Wahrheiten“ aus Quantenphysik oder geistigen Welten nicht anerkennen wollen, dann arbeitet er mit unerlaubten Manipulationsmitteln. Doch woher weiß der Laie, ob scheinbar neutral klingende Aussagen tatsächlich stimmen? Gerade, wenn sich auch wissenschaftliche Studien in ihren Interpretationen als parteiisch oder gar käuflich zeigten?

Woher weiß er, ob Kritiken an Studien tatsächlich berechtigt sind? Kann er diese Studien überhaupt lesen und dann fachlich verstehen?

Es ist Sache von (uns) Fachleuten, hier den „Manipulateuren“ und Geschäftemachern entgegen zu treten. Aber die haben oft die größeren Mittel, um Pressemeldungen zu beeinflussen und sogar genehme Fachpublikationen zu fördern. Z.B. indem gegen Bezahlung in einem renommierten Fachblatt eine Beilage bestellt wird, deren Inhalte nicht von der Fachredaktion geprüft (und wissenschaftlich mitverantwortet) werden - aber dann mit solchen Publikationen in der anerkannten Fachpresse werben. Solche können viel mehr Geldmittel (denn es werden ja Profite aus Verkauf, nicht aus Nichtverkauf gemacht) in Propaganda investieren, als die mahnenden Fachleute.

Es ist vielleicht eine Entscheidungshilfe, zu hinterfragen, wer Gewinne (neben der eingesetzten Arbeitskraft) aus vorgeschlagenen „Maßnahmen“ zieht. Direkt durch den Verkauf von Waren oder indirekt, weil jemand zum „Beratergremium“ der Profiteure gehört.

Mit den Hoffnungen Erkrankter lässt sich trefflich spielen.


Entscheidungen bleiben am Erkrankten hängen. Auch Fachleute stehen oft vor Publikationen (Pressemeldungen, Werbemitteilungen zu Präparaten und Verfahren), die das einen oder andere als besonders wirksam oder unwirksam darstellen. Wir Fachleuten können oftmals nicht die dahinter stehenden Interessen erkennen.

Wenn wir prüfen wollen, ab die angeblichen Ergebnisse von in Publikationen genannten Studien tatsächlich stimmen und zutreffend wiedergegeben wurden, stoßen auch wir an Grenzen. Viel zu oft müssen wird dafür bezahlen, den ungekürzten Text solcher Studien lesen zu dürfen und mit den angeblich daraus entnommenen Zitaten und Schlussfolgerungen zu vergleichen.

Letztlich können wir nur den Patienten unterstützen, durch umfassende Informationen zu einer Entscheidung zu kommen, die mit ihm gemeinsam getragen werden soll.



(C) Klaus-Uwe Pagel  11 2015 

Ein Beitrag aus Spiegelonline 


Darin die Aussage: "Wenn Ärzte bei der Mammografie etwas entdecken, heißt es nicht, dass die Frau Brustkrebs hat. In etwa 10 bis 25 Prozent der Fälle lautet die Diagnose: DCIS, kurz für duktales Carcinoma in situ. Es gilt als Brustkrebs-Vorstufe, doch es können viele Jahre vergehen, bis ein invasiver Tumor entsteht - und bei manchen Frauen würde es vermutlich nie passieren"

Und die Zusammenfassung des Beitrages:
" Zusammengefasst: Durch das Mammografie-Screening werden häufig DCIS entdeckt, die als Brustkrebsvorstufe gelten. Aktuelle Daten verdeutlichen, wie schwer es ist, die richtige Behandlung zu finden, da sowohl die Gefahr einer zu aggressiven Therapie als auch einer nicht ausreichend starken Behandlung vorhanden ist. Der Weg aus diesem Dilemma ist es, bessere Methoden zu entwickeln, die ungefährliche und gefährliche DCIS zuverlässig voneinander unterscheiden"

Was soll da eine Patientin sagen, wenn sie eine Entscheidung treffen soll? 


 

Sonntag, 13. September 2015

Prävention: Geschäfte mit der Krankheitsangst?

Prävention: Geschäfte mit der Krankheitsangst?

Können Vorbeugungsprogramme krank machen?


Wikipedia erklärt „Prävention“:

Prävention (lateinisch praevenire „zuvorkommen“) bezeichnet Maßnahmen zur Abwendung von unerwünschten Ereignissen oder Zuständen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreffen könnten, falls keine Maßnahmen ergriffen werden. Prävention setzt voraus, dass Maßnahmen zur Verfügung stehen, die geeignet sind, den Eintritt dieser Ereignisse zu beeinflussen. Der Begriff der Vorbeugung wird synonym verwendet. Prävention stellt meistenteils eine Form der Intervention dar.


Über Krankheitsprävention wird geschrieben:

Krankheitsprävention (lateinisch praevenire ‚zuvorkommen‘, ‚verhüten‘) bzw. kurz Prävention versucht, den Gesundheitszustand der Bevölkerung, einzelner Bevölkerungsgruppen oder einzelner Personen zu erhalten bzw. zu verbessern. Insbesondere in der Zahnmedizin und der Krebsmedizin wird synonym auch der Begriff Prophylaxe (griechisch προφύλαξις prophýlaxis ‚die vor etwas aufgestellte Wache‘, ‚Vorposten, ‚Schutz‘) verwendet.
Zentrale Strategie der Prävention ist es, die Auslösefaktoren von Krankheiten zurückzudrängen oder ganz auszuschalten.[1] In der Regel wird Prävention damit nicht nur als Aufgabe der Medizin verstanden, sondern erfolgt interdisziplinär unter Mitwirkung von Psychologie, Soziologie und Pädagogik. Präventive Maßnahmen sind langfristig angelegt und zielen auf langfristige Veränderungen der Einstellung, des Erlebens und des Verhaltens.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Krankheitspr%C3%A4vention

Zunächst einmal: Es ist durch nichts bewiesen, dass jemand nicht erkrankt ist, weil man mit einer Präventionsmaßnahme den Krankheitsausbruch zu verhüten versuchte. Das setzt voraus, zu wissen, dass jemand tatsächlich ohne diese erkrankt wäre. Der Ausbruch einer Krankheit ist nicht daran gebunden, dass bestimmte statistische Risiken für eine untersuchte Gesamtgruppe vorliegen müssen. Zu viele Erkrankungen treten konkret auch bei Personen auf, die ein solches Risiko nicht haben/hatten!
Und viele Menschen erkranken, trotz statistischem Risiko bei einem bestimmten Verhalten oder bestimmten Gegebenheiten dennoch nicht. Und die Zahl ist groß.



Das Problem mit Voraussagen aus Statistik

Es gibt - wie Wikipedia zutreffend schreibt -, nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass etwas zutreffen könnte. Diese Wahrscheinlichkeit wird rein statistisch ermittelt. Sie sagt über den Einzelnen nichts aus. Die Übertragbarkeit von statistischen Ermittlungen in einem Land auf die Menschen in einem anderen Land (wie es nicht selten geschieht) ist eingeschränkt. Sie hängt von so vielen weiteren Faktoren ab, als nur den untersuchten. Selbst bei den untersuchten Faktoren sind Zweifel zu erwägen. So gibt es Untersuchungen zu Ernährungsweisen und Krankheitshäufigkeiten in den USA. Dort ist gegenüber der Bundesrepublik Deutschland ein ganz anderes Gesundheitswesen und Gesundheitsbewusstsein gegeben. Schon die durchschnittliche Betreuung im Krankheitsfall – welche Einfluss auf die gesundheitliche Stabilität haben kann – ist auch wegen des fehlenden allgemeinen Krankenversicherungsschutzes anders. Menschen, die hier bereits bei geringen (beginnenden) Gesundheitsstörungen den Arzt aufsuchen und entsprechend frühzeitig Hilfe bekommen können, warten in den USA schon wegen der Kosten länger. Und wenn sie krank sind, sich auskurieren sollen, dann hilft hier die gesetzlich geregelte Lohnfortzahlung.

Ist also der durchschnittliche Gesundheitszustand in den USA mit dem hier vergleichbar? Gehen die Amerikaner so oft zum Arzt wie die Menschen hier? Das ist Voraussetzung, dass über tatsächliche Krankheitshäufigkeiten etwas gesagt werden kann. Wenn hier, wegen der besseren Bedingungen, so manche Erkrankung schon bei Beginn festgestellt werden kann (und dann vielleicht weitere Folgen gezielt vermieden werden können), so nimmt die Diagnosehäufigkeit zu. Manche Erkrankung wäre in diesem Stadium vielleicht wieder einfach so ausgeheilt, auch ohne das eine Diagnostik erfolgt sein müsste – und sie tauchte in der Statistik nicht auf ohne Diagnosstellung.

Das ist ein Problem z.B. bei der Früherkennung (das ist keine Vorbeugung/Prävention) von Brustkrebs. Die Zahl der früh erkannten Krebsfälle nimmt zu. Weniger werden so später erkannt. Aber früher hat man Krebse dann erkannt, wenn sie schon entsprechend entwickelt waren. Das bedeutet, dass es diese Krebsfälle früher wie heute in der Statistik gegeben hatte. Nun kommen aber Krebsfälle in der Statistik hinzu, die man früher nicht erkannt hätte. Eben deswegen, weil sie noch vom Körper selbst erfolgreich bekämpft worden wären.

Wenn man heute also wegen der Früherkennung mehr Krebsfälle findet als früher in die Statistik gekommen wären, heißt das, dass vielleicht heute statt bei 4 von 1000 nun bei 5 von 1000 Frauen Brustkrebs auftritt? Der Brustkrebs häufiger wird? Oder bedeutet das, dass einer von 5 Krebsen als „Frühkrebs“ ausgeheilt wäre? Ohne belastende Therapie? Ohne Ängste bei falsch als krebskrankverdächtig eingeschätzten Frauen? Und ist die Überlebenszeit besser geworden. Leben 5 oder 10 Jahre nach der Brustkrebsfrühdiagnose mehr Frauen noch als bei späterer Diagnose? Hat diese Frühdiagnostik (keine Vorbeugung sondern Feststellung von Krebs!) tatsächlich die Sterblichkeit gesenkt? Statistisch immer, denn der Anteil der „Selbstheiler“ an den festgestellten Krebsfällen (mehr wegen Frühdiagnose), die ja sowieso nicht gestorben wären aber früher nicht statistisch erfasst wurden, senkt die Sterblichkeit! Nur muss man berücksichtigen – statistisch meines Wissen nicht erfasst – wieviele davon, die nicht am Krebs gestorben wären, wegen der Therapie eine Lebensdauerverkürzung erleiden mussten.

Welchen Sinn macht so etwas wirklich? Wir haben diese Exkursion genommen, weil in Deutschland die durch Krankenkassen bezahlte (damit erschwingliche auch für ärmere Bevölkerungsschichten) Früherkennung von Brust-, Magen-, Darmkrebs wahrscheinlich von einem größeren Anteil an der Bevölkerung und häufiger (mit einmal ist es nicht getan!) vom Einzelnen wahrgenommen werden kann, als in den USA.

Zurück zur Ernährung: Die Qualität und Beschaffenheit der Lebensmittel könnten in den USA anders sein als in Deutschland. Die Grenzwerte für Schadstoffe sind dort meist höher. Medikamentengaben bei Tieren in Großmästereien (größer als in Deutschland) können höher sein. Vielleicht auch mehr Medikamentenrückstände in tierischen Produkten? Die Verwendung von Zusatzstoffen, die hier als bedenklich gelten, in der Nahrungsmittelfertigung kann von den Stoffen oder Stoffmengen her, ausgedehnter sein. Der Anteil von genveränderten Pflanzen und Tieren bzw. deren Fütterung mit „Genpflanzen“ ist wegen der einschränkenden Gesetze hier in den USA sicher höher. Folgen sind noch unbekannt, weil es in der Regel viele Jahre braucht, bis sich etwas zeigt was darauf zurückzuführen ist. Schleichende Vergiftungen töten eben langsam und lange Zeit unmerklich als solche. Das ist ihre Art.

Und dann will man, wenn man den Durchschnittsesser in den USA betreffend Krankheitshäufigkeiten mit dem vergleicht, der seine Nahrung gezielter und bewusster aussucht, an Bildung oft über anderer hinausragt, ein höheres Gesundheitsbewusst sein hat (nicht unbedingt mit dem hier vergleichbar), Daten erheben, die tatsächlich in die Praxis umzusetzen sein sollen? Als „Präventionsprogramme“, zur Vermeidung des Auftretens bestimmter Erkrankungen? Schon in den USA unterscheiden sich die Probandengruppen durch verschiedene Lebensgewohnheiten, Lebensbedingungen, Berufe usw. so weit, dass dadurch bedingt schon andere Krankheitswahrscheinlichkeiten auftreten könnten, wenn man diese mit erfasst. Und auch bei uns?
Nehmen wir die Bevölkerung, mit den Wurzeln in Afrika, die als Sklaven nach Amerika kamen. Mit anderen genetischen Voraussetzungen, mit anderen Anfälligkeiten für Krankheiten, insbesondere in Regionen, an die sich die Gene nicht anpassen konnten, angesiedelt. Es ist noch immer so, dass diese einen höheren Anteil (pro 1000 Menschen) an den eher ärmeren, bildungsferneren und sozial benachteiligteren Bevölkerungsanteilen haben.

Und „frische“ Einwanderer aus Asien oder Süd- und Mittelamerika? Wieweit werden in Statistiken in der USA hier Unterschiede gemacht und Unterauswertungen vorgenommen? Klar gibt es das Problem, dass sich solche Menschen vielleicht diskriminiert sehen können, wenn sie zusätzlich noch separat „ausgewertet“ werden. Doch ändert das an den Genen und zu manchen Krankheitsveranlagungen nichts.

Welchen Aussagewert haben Statistiken tatsächlich für das Leben und ggf. zu ändernden Lebensweisen eines Einzelnen? Einen konkreten individuellen Menschen hier. Nichts. Sie sprechen nur für eine anonyme Masse (die Studien werden ja meist anonym durchgeführt). Und wieviele der erfassten Fälle eindeutige große „Wahrscheinlichkeiten“ hatten und bei wievielen nur geringere vor lagen, ist nicht zu erkennen. Die Statisik leitet ihre Ergebnisse aus der Masse (Summe) von leichten und schweren Fällen ab und bildet irgendeinen Durchschnitt oder Median.

Das zeigt, wie gering der Wert von statistischen Zahlen für den individuellen Einzelnen gerade in der Vorausschau, zu welchen Erkrankungen er mit welcher persönlichen Wahrscheinlichkeit tendiert. Das bedeutet, ich wiederhole es, nicht, dass man sagen kann, dass er tatsächlich erkranken wird.



Problem der tatsächlichen Wirksamkeit von Vorbeugungsmaßnahmen

Mit der Zurückdrängung von (statistisch ermittelten) Auslösefaktoren ist eine Krankheitsvorbeugung nicht getan. Es geht nicht um eine anonyme Bevölkerungsgruppe. Es muss um den Einzelnen gehen, der hat ja sein Leben umzustellen, der hat bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen, bestimmte Stoffe einzunehmen oder zu meiden. Um den Einzelnen geht es aber nicht!

Wie hat Wikipedia geschrieben: „Prävention setzt voraus, dass Maßnahmen zur Verfügung stehen, die geeignet sind, den Eintritt dieser Ereignisse zu beeinflussen.“



Welche Maßnahmen gibt es tatsächlich, die geeignet sind, den Eintritt des Krankheitsereignisses zu verhindern? Wurde jemals nachgewiesen (da muss sich eine Eignung dran messen lassen), dass jemand, der Gewicht abgenommen ha,t tatsächlich länger lebt, als wenn er dick geblieben wäre? Dass vielleicht nicht eine andere Krankheit aufgetreten ist, die nicht aufgetreten wäre, wenn er nicht „Präventionsmaßnahmen“ befolgt hätte, anstelle der, der man vorbeugen wollte?

Welche Präventionsmaßnahme ist für den Einzelnen tatsächlich wirksam (und richtig für seinen Organismus)? Nachweise sind kaum da und wenn wieder mit statistischer Interpretationsbreite.

Gesetzliche Krankenkassen (GKV) finanzieren inzwischen Maßnahmen mit, die weit von Evidenzbasiertheit entfernt sind. Wenn aus der Statistik (unter Vernachlässigen vieler weiterer Faktoren) abgeleitet wird, dass jemand (statistisch Existierender) der leichter ist als der, den man vor einer bestimmten Erkrankung schützen will, eine bestimmte Erkrankung weniger wahrscheinlich bekommen würde als z.B. der Dicke, so muss der Nachweis vorliegen, dass die (bezahlten) Abnehmkurse tatsächlich die Erkrankung des Dicken wahrscheinlich verhindern wird.


Bei Therapien, bei Arzneien muss der Wirksamkeitsbeweis erbracht werden (auch wieder mit einer statistischen Wirkhäufigkeit bei einem Kollektiv), damit die Gesetzlichen Krankenkassen diese bezahlen dürfen. Nun will ein „Präventionsgesetz“ festlegen, dass ein bestimmter Anteil der Ausgaben der Kassen für nicht konkret wirksame Verfahren aufgewendet werden soll und eher allgemein die Lebensqualität verbessern können (Wellness)?

Prävention wird zum großen Markt. Die Anbieter möchten ein möglichst großes Stück vom GKV-Geldkuchen haben. Für die bloße Illusion, dass der Einzelne tatsächlich wegen einer Maßnahme vor Krankheit geschützt sein könnte?


Was ist die Voraussetzung, dass tatsächlich der Markt Geld einbringen kann? Es muss genügend Menschen geben, die mittels „Vorbeugung“ „Vorsorgen“ wollen. Die Geld in etwas stecken wollen, was ihnen vielleicht den Schutz vor Erkrankung bringen könnte. Geld, Zeit und vielleicht auch Lebensqualität (Änderung von lieben, vielleicht tatsächlich individuell richtigen Verhaltensweisen) geben.

Man kann für den Fall einer Erkrankung (die keiner sicher voraussehen kann), vorsorgen: Mitgliedschaft in einer Krankenkasse, Berufsunfähigkeitsversicherungen u.ä. Wenn der Fall eintritt, ist so eine gewisse finanzielle Sicherheit da. Aber vorbeugen, Krankheit verhindern? Man kann allenfalls ein statistisches Erkrankungsrisiko betreffend bestimmter Erkrankungen und angeblicher Risikofaktoren STATISTISCH vermindern.

Derjenige, der darauf vertraut, dass er an sich gesund ist, dass er – wie biologisch im Organismus individuell verankert – über sein Selbsterhaltungssystem im Falle einer Belastung von außen, sich darauf einstellen kann, der tut das für ihn Richtige. Es ist normal, dass sich Lebensbedingungen und -verhältnisse so sicher ändern werden, wie es die Jahreszeitenwechsel gibt. Dann, wenn es so weit ist. Und dafür ist der Organismus eingerichtet. Er hat Möglichkeiten, auch anhaltende Widrigkeiten auszugleichen. Es mag zwar sein, dass solche lebenserhaltenden Kompromisse mit den Realitäten unangenehm sind. Aber sie erhalten das Leben. Nur niemand kann dem Vorbeugen, kann Prävention ausüben, dass so etwas – Lebensnormales – nicht eintritt.



Die Fähigkeit, gesund bleiben zu können, nicht untergraben

Wie heißt es im Sinnspruch: „Du sollst die Brücke erst bauen, wenn Du am Fluss stehst“. Erst dann weiß man doch, was man an Material braucht, was an Konstruktion, was an Handwerkern. Mit dem Selbsterhaltungssystem ist dem Organismus die Fähigkeit gegeben worden, aus den eigenen Möglichkeiten im Falle der Notwendigkeit das nun Angemessene angemessen zu tun.

Es mag dann eine schwere Aufgabe sein. Doch kann man sie dann besser lösen, als wenn man Tonnen von Baumaterial, vielleicht gar eine fertige Brücke den ganzen Lebensweg (belastend) mitgeschleppt hätte. Es bedarf eben nur des Vertrauens in sich selbst. In seine eigene Lebensfähigkeit. Und es braucht das Urvertrauen, dass die unvorhersehbare Zukunft immer Lösungen bereit hält. Außer, man ist einfach biologisch individuell dran mit sterben. Das verhindert keine Prävention!

Urvertrauen, Vertrauen in sich Selbst und seine Fähigkeiten, lassen „frei“ leben.
Fehlen diese, so ist die Zukunft, das Morgen der Ort (die Zeit) der quälenden Ängste. Ängste die handlungsunfähig machen.



Zu diesem Thema habe ich eine Textreihe begonnen in meinem Heilkundeblog:
http://pagelsheilkundetexte.blogspot.de/2015/08/angst-krankmachende-folge-der.html

In diesem Blog habe ich zum Thema auch schon geschrieben:
http://heilkundeimkontext.blogspot.de/2015/01/unsicherheit-macht-krank.html



Wieviele Menschen fühlen sich verunsichert dadurch, dass Sie immer wieder lesen müssen, wie sie – rein statistisch – von Krankheiten bedroht sind? Sie müssen vielleicht lesen, dass sie diese Bedrohung vergrößern durch ein bestimmten Verhalten oder weil sie bestimmte Dinge nicht nehmen oder machen. Der Markt der Nahrungsergänzungsmittel speist sich daraus, dass Menschen die Idee haben könnten über bestimmte Stoffe ihre Gesundheit sichern zu können und Erkrankungen zu vermeiden. Wieviel Menschen können nicht mehr erkennen, dass es sich um reine „Kaffeesatzleserei“ handelt, was ihre persönlichen Bedingungen betrifft. Wieviele Menschen können nicht (mehr) erkennen, was Statistik tatsächlich für den Einzelnen bedeutet? Wie wenige können Statistiken richtig lesen/deuten und ihre Aussagefähigkeit überprüfen?

Aber, wohin wir schauen Werbung für „Präventionsangebote“, Kurse, Präparate, Apparate, Kuren usw., in denen immer auf die Erkrankungen eingegangen wird, die laut Statistik drohen. Und man durch die angebotenen Waren oder Dienstleistungen den Eindruck vermittelt, dass sie durch den Gebrauch vorbeugen könnten (vielleicht – leider fehlt zu oft der deutliche Hinweis darauf, dass es nicht sicher ist).
Bedrohungen durch Krankheiten (statistisch berechnet) wohin das Auge schaut. Was zu kurz kommt, ist der Hinweis darauf, dass so etwas ganz normal im Leben ist (Mißempfindungen, Krankheiten) und dass der Organismus aus sich in der Lage ist, vielem zu trotzen, vieles wieder zu richten. Und im Falle, dass das nicht geht – ein ganz konkreter Fall jeweils – gibt es Hilfe durch Heilkundige, die das, was zu heilen ist erkennen und behandeln sollten. Es ist so, wie immer bei der Angst: Nur das, was tatsächlich vorhanden ist, dagegen kann man was tun. Aber was man angstvoll befürchtet – und was nicht tatsächlich da ist, dagegen kann man nichts tun. Und das macht krank – auf Dauer – früher oder später.

Doch wer sich selbst vertraut, in sich vertraut, Urvertrauen in Leben hat, der ist kein Kunde für „Prävention“. Dem fehlt die Angst.


Wer Selbstzweifel daran hat, dass er in Ordnung ist und aus sich in Ordnung bleibt, der ist im Grunde jetzt schon krank, auch wenn er nicht konkret sagen kann, was er hat. Er ängstigt sich nur vor dem was, sein könnte. Damit ist er unbehandelbar, hilflos. Angst lähmt jetzt, hier, auch noch morgen, immer. Auch wenn das, wovor man Angst hat, gar nicht da ist.

Prävention aus Angst vor Krankheiten, die gar nicht da sind, vielleicht einmal kommen könnten - oder nie. Angst schränkt die Lebensqualität ein.

Da könnte die Hoffnung darin liegen, durch Prävention das, wovor man Angst hat, verschwinden zu lassen. Doch es bleibt, es ist ja nur die „Befürchtung“, dass man eine bestimmte Krankheit bekommen könnte. Prävention richtet sich immer gegen bestimmte Erkrankungen.

Und diese Angst begünstigt das Krankwerden allgemein. Hindert das gesunde Sich-immer-wieder-ins-Lot-bringen. Man kennt den Placeboeffekt. Hier wirken Arzneien/Therapien besonders gut – auch wenn nur eine Scheinarznei gegeben wird – weil der Betreffende daran glaubt, dass die Therapie/Arznei ihm helfen wird. Seine Selbsterhaltungsfunktionen bekommen so eine Unterstützung/Bestätigung. Sie können (wieder) mit Zuversicht gegen eine Störung regulieren.

Die Präventionsmaßnahmen können das nur beschränkt. Denn sie müssen ja voraussetzen, dass zunächst einmal das Vertrauen in die Selbsterhaltung (ohne Mittel) gemindert wird. Zweifel an den eigenen Kräften geweckt werden, Misstrauen statt Urvertrauen herrscht. Dann sagen diese Maßnahmen: „Wenn Du mich nimmst, dann wird das Manko ausgeglichen. Nur dann kannst Du widerstehen.“

Braucht eine Prävention zunächst die Verunsicherung? Braucht sie das Bedrohungsszenario einer statistischen Krankheitswahrscheinlichkeit (ohne Nachweis der tatsächlichen Kausalitäten)? Braucht sie die Krankheitsangst als Verkaufsmittel? Ist das die Marktvoraussetzung für einen Präventionsmarkt, für „neue“ Präventionsberufe?

Auch mit diesem Text habe ich aus einer anderen Sicht das Thema angerissen:
http://heilkundeimkontext.blogspot.de/2015_05_01_archive.html

Nachsatz
Das ist kein Plädoyer für ungesundes Leben!

Das ist ein Plädoyer für die Besinnung darauf, wie man Gesundheit erhalten kann, nicht was man tun muss bestimmten Krankheiten zu entgehen. Das erste ist positiv und motivierend, das andere ist Angstmacherei. Man kann aus einer Statistik eher ableiten, wie man gesünder leben kann, als die Aussage, welche konkreten Krankheiten man vermeiden/verhindern kann.



(C) K-U Pagel 09.2015












Sonntag, 31. Mai 2015

Aufgaben der Heilkunde

Heilkundeausübung und Gesundheitserhaltung - 2 Paar

Schuhe



Samuel Hahnemann (der „Erfinder“ der Homöopathie) hat es im § 1 des Organons der Heilkunde auf den Punkt gebracht:


>Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt

Ausübung der Heilkunde richtet sich an den bereits kranken Menschen. Das ist derjenige, der sich nicht mittels seiner Selbsterhaltungskräfte an die natürlicherweise immer wieder anderen/sich ändernden (auch zyklisch wie Sommer und Winter, Tag und Nacht, Arbeit und Ruhe) Einflüsse der Umwelt und Gesellschaft anpassen kann. Der daraus auch Schaden nehmen kann bzw. Schaden genommen hat. Es geht also nicht um den statistischen Durchschnittsmenschen, der z.B. eine Infektion mittels seiner Regulationsfähigkeit (wenn auch mit unangenehmen Aufwand) "besiegt". Es geht um den, der das, warum auch immer nicht kann.

Einschub: Natürlich ist es bequem, wenn man die Unangenehmheiten eines (gesunden) Kampfes gegen Erreger gegen Geldzahlung (Medikamente kaufen) los werden kann. Wenn man trotz Fieber, welches der Körper an sich für nötig hält, zur Arbeit gehen kann (und dort andere ansteckt!). Wenn man den natürlichen Schmerz eines "Heilungsvorganges" (der eben zum Schonen und Kräftesparen anregen soll) - auch auf Kosten der Heilung selbst - einfach hinter Tabletten verstecken kann. Es gehört zum gesunden Selbsterhalt, dass dieser auch Mühe und Unbehagen machen kann. Der Heilkundeausübende wird aus Hygienegründen schon dafür plädieren, dass der Infizierte sich ausruht um Sich nur auf seine Genesung zu konzentrieren. Also nicht arbeiten gehen muss und damit auch die Infektion weiter trägt.

Man wird nicht krank, weil man sich nicht gesund verhält – ist keine Garantie gegen Krankheit.

Es gibt nur eine durchschnittliche, nicht auf den individuellen Einzelnen abgestimmte "Verhaltenstendenz" wieder, wie man sich ernähren oder bewegen sollte, wenn man eben nicht wegen Krankheit (körperlicher Besonderheiten, die die Anpassungsfähigkeit einschränken) etwas davon Abweichendes braucht oder meiden sollte. Wer Gluten nicht verträgt, sollte es meiden, doch ist dem, der es verträgt nicht davon abzuraten. Nicht die Kranken bestimmen im Grunde, was der Gesunde tun sollte.

Aber leider sind es unter anderem auf Gewinn abzielende Menschen, die es gerne hätten, wenn eben möglichst viele - auch die, die es nicht brauchen - ihre "Alternativangebote" oder gar "Therapien" kaufen. Dann kann es schon mal sein, dass die "Maßstäbe", wann etwas normal ist und ab wann die Behandlungsbedürftigkeit (auch ohne Symptome!) beginnt - siehe Blutdruck oder Cholesterinspiegel - zugunsten der Erweiterung des Absatzmarktes verschoben werden. Dazu geben sich auch mal Heikundler her.
Hier bedeutet das Verkaufs- und Gewinninteresse nicht gleichzeitig, dass es Heilen helfen kann, es kann seinerseits zum krankmachenden Faktor werden.

Wie schreibt Hahnemann im § 3:

>Sieht der Arzt deutlich ein, was an Krankheiten, das ist, was an jedem einzelnen Krankheitsfalle insbesondere zu heilen ist (Krankheits-Erkenntniß, Indication), sieht er deutlich ein, was an den Arzneien, das ist, an jeder Arznei insbesondere, das Heilende ist (Kenntniß der Arzneikräfte), und weiß er nach deutlichen Gründen das Heilende der Arzneien dem was er an dem Kranken unbezweifelt Krankhaftes erkannt hat, so anzupassen, daß Genesung erfolgen muß, anzupassen sowohl in Hinsicht der Angemessenheit der für den Fall nach ihrer Wirkungsart geeignetsten Arznei (Wahl des Heilmittels, Indicat), als auch in Hinsicht der genau erforderlichen Zubereitung und Menge derselben (rechte Gabe) und der gehörigen Wiederholungszeit der Gabe: - kennt er endlich die Hindernisse der Genesung in jedem Falle und weiß sie hinwegzuräumen, damit die Herstellung von Dauer sei: so versteht er zweckmäßig und gründlich zu handeln und ist ein ächter Heilkünstler.

Das bedeutet, Arzneien sind dem anzupassen, auch in der Frage, ob sie überhaupt eingesetzt werden müssen, was im INDIVIDUELLEN Fall (es kommt ja kein statistischer Durchschnittsmensch zum Heilkundeausübenden!) überhaupt notwendig und angebracht ist. Und das völlig unabhängig davon, ob man die Homöopathie präferiert oder etwas anderes.
Dem steht in der Heilkunde inzwischen die auf Statistik, also dem Durchschnittsmenschen - wer immer das ist - basierende Leitlinienmedizin entgegen. Da bestimmen Heilkundler, ab wann etwas als behandlungsbedürftig gelten soll und mit was die Behandlung erfolgen soll. Sie bestimmen also mit über die Umsetzung von Gewinninteressen. Und sie profitieren persönlich davon, dass die Profiteure sie z.B. als Referenten bezahlen, wenn sie deren Produkte im Absatz fördern helfen. Das ist einfach Fakt! Und so etwas findet sich auch in der "alternativen Heilkunde".

Bekannt ist, dass gerade aus dem Gewinnstreben Einzelner Nachteile bis hin zu schwerwiegenden (Umwelt-) Schäden für Viele entstehen können. Gerade das Gewinnstreben hat somit besondere Gefahren für die Gesundheit auch Vieler in sich. Wir kennen das aus den vielen "Lebensmittelskandalen". Und wir wissen, dass sich die Täter nicht an Regeln halten, solange keine Gefahr des Entdecktwerdens besteht oder solange man einfach wegsieht. Wir wissen auch, dass sie nicht von Strafen abgeschreckt werden - sie versuchen sich eben so zu verhalten, dass man ihnen nichts nachweisen kann oder, wenn doch, dass sie "gnädige" Richter finden. Wir wissen, dass auch versucht wird, auf die Regeln einzuwirken (Grenzwerte für Schadstoffe z.B.).

Und hier liegt die andere Aufgabenverteilung: Die Förderung der Gesundheit (ist nicht Heilkunde) soll dafür sorgen, dass die Lebensbedingungen für (gesunde) alle möglichst so verlaufen, dass es allen dient. Hier gibt es eine Reihe beratender Berufe, die das fördern und einen ganze Sparte (Lebensmittelerzeuger z.B. aber auch Firmenchefs) in der Wirtschaft, die für gute Bedingungen sorgen. Berufe: "Die die guten Äpfel im Korb polieren". Um mal ein Bild zu verwenden. Sie haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Gute eben durch das Polieren (Abreiben von Schimmelsporen) gut bleibt. Leider versagen hier immer wieder zu viele - eben wegen der Verlockung der Gewinne. Vielleicht verkaufen sie sogar den verdorbenen Apfel (Schimmel abgewischt und Wachs draufgerieben)?

Im § 4 gibt Hahnemann dem Heilkundeausübenden hier eine andere Aufgabe:

>Er ist zugleich ein Gesundheit-Erhalter, wenn er die Gesundheit störenden und Krankheit erzeugenden und unterhaltenden Dinge kennt und sie von den gesunden Menschen zu entfernen weiß.

Er kümmert sich nicht um die Dinge, die gut laufen sollten, um Gesund zu bleiben. Er schaut auf das, was krank macht und sorgt für die Entfernung. Das nennt man Hygiene.
Die Erhaltung und Schaffung der möglichst besten Lebensbedingungen für den gesunden Menschen ist das Eine: die Aufgabe der gesundheits(erhaltungs)beratenden Berufe. Der Berufe, die dem "Durchschnittsmenschen" helfen sollen, im "normalen" Leben möglichst gut zu bestehen. Deswegen ist auch alles, was unter diesen, den persönlichen Lebensvorteil fördernden Bereich fällt, wie eine Ware der Umsatzsteuerpflicht unterworfen.
Die Heilkundler haben zu erkennen, wenn ein fauler Apfel im Korb ist, sie haben zu verhindern, dass Fäulnis auftreten kann und eben die guten Äpfel verdirbt. Sie haben Kraft ihres Wissens eben Krankheit/Fäulnis zu erkennen und von "nicht ungesunden Besonderheiten des Lebens" zu unterscheiden.

Das unterscheidet auch die Sichtweise und daraus resultierende "Sprache". Der eine schaut auf das, was Gut ist und will es fördern. Der andere hat die Aufgabe, zu erkennen, was krank machen kann (auch individuelle Einzelne) und darauf hinzuweisen, damit es entfernt werden kann und das Gute nicht schädigt. Der faule Apfel verdirbt eben den ganzen Korb. Und er muss auch mahnen, wenn der Blick auf die guten Äpfel gelenkt wird, damit die faulen (die Krankheit) sich weiter halten und ausbreiten kann (oder verkauft werden). Dann auch das macht krank: Mängel nicht sehen wollen (können).

Ich bin Heilkundausübender und muss daher aus meiner Sicht und Aufgabe die Dinge ansprechen. Denn ich bestimme so mit, was die "Gesundheits(erhaltungs)förderer" letztlich beachten. Z.B. ist Ernährungswissenschaft KEINE Heilkundewissenschaft. Auch wenn sie aus dem Wissen der Medizin, Wissen der Heilkunde (warum und wie jemand individuell krank wurde) vieles ableitet, ohne dieses Wissen nicht funktionieren kann.

Ich kann nicht beide Sichtweisen zu meiner Handlung machen: Denn, was die "Masse" gesund halten kann - ihr zumindest nicht schadet und entsprechend vermarktet wird, muss immer für den Einzelnen als potentiell krankmachend betrachtet werden, denn es ist ja nicht auf den einzelnen Menschen mit seinen Besonderheiten (aus denen Krankheiten wachsen könnten) und Bedürfnissen zugeschnitten. Auch wenn ich mich an den guten Äpfeln erfreue ist es meine Aufgabe als Heilkundeausübender, die faulen zu erkennen und zu entfernen.
Ich muss - immer mit dem Blick darauf, dass scheinbar den "Durchschnittsmenschen" gesundhaltende Dinge den Einzelne krank machen können - kritisch hinschauen und ggf. bewußt machen.

Das ist die Folge der notwendigen Rollentrennung.


Copyright K.-U. Pagel 05 2015

Mittwoch, 6. Mai 2015

Suggestion - Programmierung des Empfinden und Handelns



Wie geht Suggestion – oder die Wirkung umgesetzter Gedanken/Behauptungen


Der „Volksmund“ erzählt vom Trinker, der infolge seines Suffs im Hirn die Halluzination, Wahrnehmung ohne nachweisbare Reizgrundlage, eines rosa Elefanten produziert. Diesen sieht er mitten in seinem Wohnzimmer stehen. Was tut er? Er geht selbstverständlich um ihn herum, nicht hindurch. Dazu muss er aber das Sofa und den Coachtisch verstellen, sonst hat er keinen Platz dazu. Der halluzinierte Elefant hat damit indirekt „Wirkungen“ auf das Zimmer ausgeübt. Fragt nun ein Besucher, warum er sein Wohnzimmer so eigenartig gestaltet hat, so bekommt er zur Antwort, dass das wegen des rosa Elefanten so notwenig ist. Und der Besucher wird aufgefordert, nicht quer durch das Zimmer zu gehen, sondern schön am Rande entlang.

Nun kann man das auch anders erzeugen. Man stellt sich einfach nur vor, dass dort ein rosa Elefant stehen könnte und verhält sich entsprechend (absichtlich). Man setzt die reine „Idee“ in Handlungen um. Auch wenn man das Wohnzimmer entsprechend umräumt, um am gedachten rosa Elefanten vorbei zu kommen, ist dieser nicht da und „materialisiert“ sich auch nicht. Das Zimmer wurde allerdings verändert, es zeigt die Wirkungen des gedachten Elefanten. Auch verändert sich das Verhalten des „Sich-Einen-Elefanten-Vorstellers“. Er geht andere Wege in diesem Zimmer.

Man kann aus einer Gruppendynamik heraus oder auch wegen Beziehungen zu anderen Menschen übernehmen, dass diese – warum auch immer, vielleicht als imaginäre Gottheit  - einen rosa Elefanten als Zentrum ihres Wohnzimmers sehen wollen. Vielleicht, weil sich die Gruppe oder der das Übernehmende dann „sicherer“ fühlt.

Das ist auch ein Teilaspekt des „Placeboeffekts“. Man fühlt sich beim Behandler „wohl“. Man möchte diesem nicht negatives als „Lohn“ geben. So ist man bereit, sich erst einmal darauf „einzulassen“, dass  die Beschwerden (egal mit welcher Therapie) besser werden. Darauf stellt sich  die „Bewertung“ der eigenen Wahrnehmung ein.

Gerade bei bewusst (auto-) suggestiven Therapien wie Hypnose ist die Herstellung einer „angenehmen entspannten (Wohlfühl-) Atmosphäre“ wichtig.

So wie umgekehrt der beste Fachmann mit der besten Arznei weniger Erfolge erzielen kann, wenn der Patient diesem sehr misstraut, ihm vielleicht keinen „Erfolg“ gönnt.

Wenn die Bereitschaft da ist, in das eigene Denken, in die eigene Vorstellung das zu übernehmen, was der andere (zu dessen Gruppe man vielleicht gehören will oder dessen „Liebe“ man sucht)  vorgibt, und wenn man bereit ist, dass ins Denken, Fühlen und Handeln zu übernehmen, dann zeigt es Wirkungen z.B. über das Verhalten.

Ein „kollektives Bewusstsein“, eine kollektive Vorstellung, vermag auf den, der zum Kollektiv gehört (darauf ist es beschränkt) auch heilsame Wirkungen zu entfalten. Das ist ein Hintergrund, warum die Zugehörigkeit zu Glaubensgemeinschaften schon „heilenden Charakter“ haben könnte.

Es ist dann Sache dessen, der solche „Suggestionen“ setzt, was er bewirken will und vor allem auch, zu wessen Nutzen. Der Handelsvertreter, der dem potentiellen Kunden den Gedanken in den Kopf setzen will, dass sein angebotenes Produkt Nutzen für den Kunden haben soll, vielleicht schon im Kunden ein Wohlgefühl bewirkt indem sich dieser einen Nutzen vorstellt, hat seine Provision im Kopf. Der überzeugte Geistliche, der einen Ratsuchenden seinen Glauben mitteilt, will dem Ratsuchenden dadurch, dass dieser die Ideen übernehmen soll, ohne eigenen Gewinngedanken helfen.

Aber, es bleibt immer rein subjektiv bei dem, der den „Gedanken setzen möchte“, aus welchem Zweck das geschieht. Bei vielen solcher zu übernehmenden Suggestionen, Angeboten, Gedanken, Vorstellungen kann der „Empfänger“ mitbestimmen, wieweit er sich darauf einlässt und zum Handlungsmuster macht. Doch hängt das von seinem „Leidensdruck“ mit ab, von seinen Hoffnungen, etwas als Leiden-Machend-Empfundendes, los zu werden, gepaart mit der diesem gegenüber empfundenen eigenen Hilflosigkeit. Wer Leidensdruck hat (oder bei dem bei dem man suggestiv Leidensdruck geschaffen hat) glaubt leichter, ist suggestibler.

 Copyright K.-U.Pagel  05.2015

Donnerstag, 23. April 2015

Homöopathiekritik - Spreu von Weizen trennen

Merkwürdige Homöopathiearten -Psiram liegt gar nicht ganz verkehrt


Psiram (früher EsoWatch) versorgt Sie mit dem notwendigen Realismus zu den Themen Esoterik, Religion, Gesundheit, und hilft Ihnen dabei, Ihren Geldbeutel zu schonen. Psiram präsentiert falsche Prediger, Ideologen, Scharlatane und Betrüger. Psiram versteht sich als kritischer Verbraucherschutz vor scheinheiligen, nutzlosen und wirkungslosen Produkten, Therapien und Ideologien.


So stellt sich eine Internetplattform dar, die in gewisser Weise an Wikipedia erinnert. Nur fehlt hier im Impressum ein Seitenverantwortlicher. Die einzelnen Beiträge zu den Themen haben sich über gewisse Zeit aus Einzelbeiträgen, Korrekturen; Veränderungen dazu durch verschiedene anonyme Autoren entwickelt.

Psiram hat sich in einem längeren Artikel mit Homöopathie beschäftigt. Ich schreibe Homöopathie ohne „die“ davor, denn es werden viele teils recht abenteuerliche Ideen, denen man die Bezeichnung „Homöopathie“ irgendwie zugefügt hat in einen Sack gesteckt und dann mit dem Knüppel darauf geschlagen. Aber es steckt viel Wahres dahinter. Darum soll mir der Beitrag dazu dienen, hier mal Spreu (Nachahmer und Neuerfinder, Trittbrettfahrer der Interesse weckenden Bezeichnung) vom Weizen, tatsächlichen Hintergrund gemäß den Lehren von S. Hahnemann zu trennen.



Psiram leitet ein:

Die Homöopathie ist eine pseudowissenschaftliche Methode zur Behandlung praktisch aller Erkrankungen, die von dem sächsischen Arzt und Okkultisten Samuel Hahnemann etwa um 1800 begründet wurde und heute nahezu unverändert (als klassische Homöopathie nach Hahnemann) existiert.“

Samuel Hahnemann war kein Okkultist, sondern ein echter Wissenschaftler in seiner Zeit. Eine Quelle für solche Angaben „Okkultist“ wird nicht genannt. Auch nicht, was damit gemeint sein soll. Mir ist bekannt, dass da unter anderem „Christliche“ Sektiererlehren dahinter stehen. Ich selbst bin früher Ziel von Bekehrungsversuchen, weg von der „Bösen Geisterbeschwörerei Homöopathie“ zu kommen, gewesen. Ich habe die vielen Schriften gelesen, die mir zugeschickt wurden, habe die Tonbandkassetten mit den „Predikten“ dazu abgehört. Man hat für mich gebetet – wurde mir berichtet – um die Dämonen, die man auf meine Schultern sitzen sah, zu vertreiben. Lauter Schriften ohne jeden Bezug zu Hahnemann, seine Schriften usw. nur zu „von guten Engeln und Geistern“ eingegebenen Gewissheiten zur Teuflichkeit der Homöopathie. Inzwischen hat sich daraus eine „Akademie für christliche Psychologie“ entwickelt. So etwa könnte man das nennen.

Aber etwas weiter unten (Geschichte der Homöopathie) wird dann entsprechend eingeräumt

Der Homöopathie kann man zur Zeit der Entwicklung durchaus "wissenschaftlichen" Charakter (nach damaliger Definition) zugestehen. Immerhin ging Hahnemann empirisch vor und überprüfte seine Thesen an Selbstversuchen.
Die Thesen und Überlegungen von Hahnemann standen im Konsens der wissenschaftlichen Biologie, Physik, Chemie seiner Zeit, z.B. Newton. Er kannte die Entwicklungen recht gut, da er ein Zubrot (ohne Krankenkassen waren viel Ärzte damals recht einkommenschwach) schon seit Studentenzeiten durch Übersetzungen von solchen wissenschaftlichen Publikationen verdiente und als „Bibliothekar“ zu einem reichen Schriftenschatz Zugang hatte.

Wenn es dann noch heißt:

Aus heutiger Sicht nach über zwei Jahrhunderten enormen Wissensgewinns kann man vermuten, dass selbst Hahnemann, würde er noch leben und über das heutige Wissen verfügen, seine Apologeten verspotten würde.

Das trifft sicher nicht zu. Verspotten würde er all die Pseudohomöopathen, die seine grundlegenden Neuerungen in der Medizin nicht verstanden haben und eigene Ideen, die teils fernab jeder heilkundlichen Vernunft stehen, als Homöopathie verkaufen.

Dann wird hervorgehoben, dass er in einer Loge (Freimaurer) Mitglied war.

Bei Psiram unter der Rubrik: Samuel Hahnemann (7).

Christian Friedrich Samuel Hahnemann (10. April 1755, Meißen - 2. Juli 1843, Paris) war ein sächsischer Arzt, Autor, Übersetzer, Okkultist und Freimaurer der Loge "Minerva zu den drei Palmen".

Gemäß dem freimaurerischen Prinzip der Brüderlichkeit kümmerten sich die Logenmitglieder auch um soziale Belange, Armenfürsorge und Waisenunterstützung. (6) Heute gibt es den Lionsclub“, „Rotaryclub“ u.a.

Nun war auch Goethe Logenmitglied ( Loge "(Anna) Amalia zu den drei Rosen") (7). Mozart und Churchill ebenso. Logenmitglieder waren/sind sehr ethische Menschen.


In der Einleitung heißt es:

Die Homöopathie stützt sich auf zwei allgemeine Grundprinzipien. Erfinder Hahnemann legte seinerzeit fest, dass nach dem Simile-Prinzip der Homöopathie jede Krankheit durch Stoffe geheilt werde, die beim gesunden Patienten ähnliche Symptome hervorrufe. Ebenso verkündete Hahnemann, dass nach dem Prinzip der Potenzierung die homöopathischen Mittel um so stärker wirken sollen,...

Falsch. Das trifft lediglich für einen kleinen Aspekt zu. Hahnemann sah das als Grundlage für Arzneiwahl und -Zubereitung für chronische Krankheiten an, die anders nicht behandelt werden mussten (zumindest zu Therapiebeginn), wenn andere Dringlichkeiten, Lebensgefahr z.B. vorlagen oder die Reaktionsunfähigkeit des Patienten dagegen sprach. Er therapierte nicht einfach drauf los. Er wog sehr genau ab.

Denn Homöopathie nach seinem Grundlagen war und ist keine Spielerei, sondern ein Instrument des zur Heilkundeausübung berechtigten Profis. Und dazu gehört mehr.

Wenn behauptet wird:

Homöopathiegläubige sind bewusst oder unbewusst häufig pauschal skeptisch gegenüber der wissenschaftlichen Medizin:
so trifft das auf viele zu, die Homöopathie nach irgendwelchen geschäftemachenden „Neuerfindern“ glaubig in sich aufnehmen. Geschäftemachend, weil so manches da mit Zusätze zur Bezeichnung „Homöopathie“ als Markenzeichen eingetragen wurde und oft mit dem Verkauf von Kursen, Lizenzen zur Ausübung, Computerprogrammen u.ä. verbunden wird.

Der Heilkundige, der Heilberufler im Sinne von Hahnemann (ob Arzt oder Heilpraktiker) versteht sich als Bestandteil der Medizinausübung insgesamt. Auch andere Therapie neben der Verabreichung von Kügelchen, sind nicht nur bekannt sondern werden neben einer breiten Diagnostik einbezogen. Leider gibt es davon (diesen Hahnemann-Homöopathen) nicht mehr so viele. Die „Neuerungen“ werden mit ziemlichen Werbetamtam angepriesen. Wonach soll ein Patienten denn „die Spreu vom Weizen“ trennen können? Gerade auch im Internet werden viele Beiträge zu den „Anderen, besseren, moderneren Homöopathien“ regelrecht werbend untergeschoben. In den Medien lässt man gerne Vertreter dieser Richtungen sprechen und schreiben, weil es ja interessant klingt – und so märchenhaft, und man sich gut „das Maul darüber zerreißen“ kann. Mit erheblichen (Ruf)Schaden für die „echte hahnemannn'sche Homöopathie“ und ihre Vertreter.

Homöopathie ist nicht gleich Homöopathie.

Psiram macht es ja deutlich, dass es die Homöopathie nach Hahnemann kaum noch gibt. Da heißt es:

Es haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Varianten der ursprünglichen klassischen Homöopathie nach Hahnemann herausgebildet. So unterscheidet man Niederpotenzler von Hochpotenzlern, Monotherapeuten von Polypragmatikern, homöopathische Phytotherapeuten von anthroposophischen Homöopathen usw.

Und es werden dann eine ganze Reihe von anderen „Homöopathien“ aufgelistete. Denen ist im Grunde eines gemeinsam: Da hat jemand ,aus einer anderen, meist philosophischen, spirituellen, spiritistischen, okkultistischen usw. kommend, Ideen von Hahnemann, teil unter wortklauberischen Verdrehungen, teils entgegen den Aussagen von Hahnemann, teils mit frei erfundenen angebliche Hahnemannzitaten in seine eigene Lehre übertragen. So R. Steiner. Es ist dann plötzlich statt der Wissenschaft eine „Weltanschauung“ daraus gemacht worden.

Da werden sogar absurde Lehren mit Verweis auf die Homöopathie als glaubwürdig erklärt.

Psiram hat solche „Eigentümlichkeiten“ erkannt und prangert diese richtig an, jedoch unterscheidet es nicht von der Homöopathie nach Hahnemann.

Aus dem Organon (1), dem „Gesetzeswerk“ zur Homöopathie von S. Hahnemann herausgenommen:

Er mahnt gerade diejenigen, die aus der Homöopathielehre der Medizin „Geschwätz“ machen, philosophische Ergründungen vortragen in seinem § 1

Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt 1).
1) Nicht aber (womit so viele Aerzte bisher Kräfte und Zeit ruhmsüchtig verschwendeten) das Zusammenspinnen leerer Einfälle und Hypothesen über das innere Wesen des Lebensvorgangs und der Krankheitsentstehungen im unsichtbaren Innern zu sogenannten Systemen, oder die unzähligen Erklärungsversuche über die Erscheinungen in Krankheiten und die, ihnen stets verborgen gebliebene, nächste Ursache derselben u.s.w. in unverständliche Worte und einen Schwulst abstracter Redensarten gehüllt, welche gelehrt klingen sollen, um den Unwissenden in Erstaunen zu setzen,..

Was finden wir da an Ideen: Da soll die Krankheit etwas lehren, da soll sie Folge „geistiger“ Fehler sein, das sollen Vorleben diese bedingen oder gar vielleicht schon Verstorbene Verwandte mit ihrem Zorn diese auslösen. Da helfen die Kügelchen zu höheren Einsichten, lassen einen neuen Menschen entstehen, da wabern „Freie Energien“, Informationen aus welchem Diesseits oder Jenseits auch immer als Wirkprinzipien herum. Da wird die Quantenphysik bemüht. Alles das hat mit Hahnemanns Lehren nichts zu tun.

Im § 3 verlangt er genaues Hinsehen bei Krankheiten, verlangt er, dass man erkennt, was überhaupt vorliegt. Ob überhaupt eine Therapie und, wenn ja, wie zu erfolgen hat:

Sieht der Arzt deutlich ein, was an Krankheiten, das ist, was an jedem einzelnen Krankheitsfalle insbesondere zu heilen ist (Krankheits-Erkenntniß, Indication), 


Aus seiner Tätigkeit als Stadtarzt (eine Art Amtsarzt für Hygiene usw.) war im klar (§4):

Er ist zugleich ein Gesundheit-Erhalter, wenn er die Gesundheit störenden und Krankheit erzeugenden und unterhaltenden Dinge kennt und sie von den gesunden Menschen zu entfernen weiß.

Es mag sein, dass Psiram recht hat mit der Einschätzung:

Gegen die Homöopathie sprechen die fehlenden Wirksamkeitsnachweise, der pseudowissenschaftliche-dogmatische Charakter der Homöopathieschulen (die tatsächliche Schulmediziner sind), die völlig fehlende Prävention der Krankheit ...

Hahnemann will gerade die Krankheitsprävention fördern. Wer als Heilkundler Hahnemann folgt, wird das beherzigen. Vielleicht die anderen eben nicht. Im Geistheilen usw. hat Prävention keinen Platz aber solche Schulen, die besondere Heilslehren verbreiten, Weltanschauungen, im Zusammenhang mit dem Begriff Homöopathie gibt es leider. Und es ist dann das Wesen, dogmatisch arbeiten zu müssen. Glauben abzuverlangen.Nehmen wird die Bachblüten(Therapie?). Da hat ein an sich zum Homöopathen ausgebildeter Arzt, in einer entsprechende Klinik tätig, die Wissenschaftlichkeit und Genauigkeit der Homöopathie als nicht zu ihm passend empfunden. Viel mehr verließ er sich auf seine Intuition und Sensitivität und begründete einen entsprechend neue Richtung energetischer Heilkunde. Manche halten diese Bachblüten für eine Homöopathievariante. Auch hier sind „Jüngerschaften“ entstanden.

Hahnemann taugt nicht dazu, so etwas entstehen zu lassen. Er ist viel zu „handfest“ im materiellen hier und jetzt verbunden. Er ist auch Physiologe (mit dem Wissen seiner Zeit).

§6 ist eindeutig:

Der vorurtheillose Beobachter, - die Nichtigkeit übersinnlicher Ergrübelungen kennend, die sich in der Erfahrung nicht nachweisen lassen, - nimmt, auch wenn er der scharfsinnigste ist, an jeder einzelnen Krankheit nichts, als äußerlich durch die Sinne erkennbare Veränderungen im Befinden des Leibes und der Seele, Krankheitszeichen, Zufälle, Symptome wahr, das ist, Abweichungen vom gesunden, ehemaligen Zustande des jetzt Kranken, die dieser selbst fühlt, die die Umstehenden an ihm wahrnehmen, und die der Arzt an ihm beobachtet. Alle diese wahrnehmbaren Zeichen repräsentiren die Krankheit in ihrem ganzen Umfange, das ist, sie bilden zusammen die wahre und einzig denkbare Gestalt der Krankheit 

Das unterscheidet Hahnemann'sche Homäopathie von so vielen „Neuerfindeungen“, die Psiram zu recht bemängelt. Aber leider vermischt.

Hahnemann wendet sich auch vehement gegen die Behauptung, dass Homöopathie die Selbstheilungkräfte anrege.

Im § 22:

...bloß instinktartigen, verstandlosen Lebenskraft nachahmen und sie befördern zu wollen, welche unserm Organism nur anerschaffen ward, um, solange dieser gesund ist, unser Leben in harmonischem Gange fortzuführen, nicht aber, um in Krankheiten sich selbst zu heilen. Denn besäße sie hiezu eine musterhafte Fähigkeit, so würde sie den Organism gar nicht haben krank werden lassen. Von Schädlichkeiten erkrankt, vermag unsere Lebenskraft nichts anderes, als ihre Verstimmung durch Störung des guten Lebens-Ganges des Organism's und durch Leidens-Gefühle auszudrücken, womit sie den verständigen Arzt um Hülfe anruft, und wenn diese nicht erscheint, so strebt sie durch Erhöhung der Leiden, vorzüglich aber durch heftige Ausleerungen sich zu retten, es koste, was es wolle, oft mit den größten Aufopferungen, oder unter Zerstörung des Lebens selbst. Zum Heilen besitzt die krankhafte verstimmte Lebenskraft so wenig nachahmenswerte Fähigkeit, daß alle von ihr im Organism erzeugten Befindens-Veränderungen und Symptome ja eben die Krankheit selbst sind! 

Seine Lehre kennt so etwas wie Selbstheilungskräfte nicht. Der Heilkundler übernimmt die Verantwortung für sein Tun.

Homöopathie ist mehr als nur Kügelchen geben.

Was seine Lehre ausmacht, ist es verschiedene Krankheitsformen zu unterscheiden und die gemäß den Notwendigkeiten zu behandeln. Dazu gehören auch „handfeste“ Eingriffe bei von Außen entstandenen Beschwerden. Vom Messer in den Bauch über das gebrochene Bein bis – er hätte die Erkenntnisse der Infektionslehre und Mikrobiologie entsprechend wohl einbezogen – Angriffe von Bakterien und Viren von außen. Hier sieht er keinerlei Sinn im Einsatz homöopatischer Kügelchen. Er würde sich auch niemals Antibiotika verschlossen haben. Das tut auch kein Homöopath nach Hahnemann. Chronische Erkrankungen, die der Hintergrund sind für immer wieder auftretende Infektionen würde er separat davon betrachten und behandeln. Ebenso bei akuten Krankheiten die Anstrengungen des Körpers zu heilen, sich gegen Angreifer zu widersetzen, unterstützen. Und zwar dann, wenn es notwendig erscheinen würde.

Eine ganz wichtige Arbeit ist es, zu erkennen, om Umstände im Lebensumfeld usw. vorliegen, die dem Organis bestimmte Reaktionen, die sich in Symptomen zeigen, bewirken. Diese werden entfernt, nicht mit „Kügelchen weggeschossen“! Und der Patient soll lernen, solche, wenn es geht, zu meiden. Das ist Prävention par excellence.

Zu den Arten der Krankheiten gemäß der Lehre Hahnemanns habe ich einen kleinen Beitrag geschrieben (2).

Immer gehört zur Fallaufnahme die vollständige Erfassung aller Fakten, die der Heilkundler am Patienten erheben kann. Das bedeutet Diagnostik mit allen Mitteln, die es inzwischen seit Hahnemann neu gibt. Dabei wird der echte hahnemann'sche Homöopath typischerweise immer schwerwiegende Erkrankungen und Verläufe erkennen, wenn er eine entsprechende heilkundliche Ausbildung hat und nicht als Laie „homöopatisiert“.

§84 Der Kranke klagt den Vorgang seiner Beschwerden; die Angehörigen erzählen seine Klagen, sein Benehmen, und was sie an ihm wahrgenommen; der Arzt sieht, hört und bemerkt durch die übrigen Sinne, was verändert und ungewöhnlich an demselben ist.

Der Arzt .. bemerkt durch die übrigen Sinne: Das ist vom Tasten über Abhören bis eben dem Einsatz der „modernen Sinne“ des Röntgen, Labor usw.

Zur Fallaufnahme gibt es ebenfalls von mir Texte (3)(4)

Die auch bei Psiram hervorgehobene Bedeutung der Fallaufnahme wird darin beleuchtet. Nicht nur als zwingend notwendig zur Erkennung, was vorliegt und was zu behandeln sei und wie. Sie stellt eine wichtige Therapieform dar. Auf diese wird in der Schulmedizin leider fast immer verzichtet. Hahnemann hat ein Vorgehen beschrieben, welche später Rogers in seiner personenzentrierten Gesprächstherapie weiter entwickelte. Übrigens war Rogers längst die Homöopathie in den USA bekannt gewesen. So neu ist die Methode dann doch nicht.

Die von Psiram zitierte Studie zur Placebowirkung des Gespräches, leider zu geringe Probandenzahlen und eingeschränkt verwertbare Methodik, gibt aber einen Hinweis darauf, dass seine /Rogers) Therapiemethode wirksam sein kann, wie eben auch die Fallaufnahme.
Jedoch stellt die Schlussfolgerung der Studie Missverstehen dar. Rheuma ist eine chronische Erkrankung, die in der Homöopathie ihre Heilungszeit braucht.Viel zerstörtes Gewebe wird nicht wundersam wieder heil sein.Doch Ziel ist, in einem Zeitraum, der eben nicht absehbar ist, einen Stillstand zu erzeugen und es dem Patienten zu ermöglichen, mit dem was ist OHNE Medikamente zu leben. Die Schulmedizin ist außer Stande anzugeben, in welcher Zeit sich ihre Medikamente überflüssig gemacht haben könnten Nicht selten müssen sie lebenslang genommen werden oder immer wieder neu wiederholt werden. Das versucht die Homöopathie anders zu machen. Braucht aber auch Zeit. Wenn Hahnemann im §2 schreibt:

Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen.

spricht er von einem Idealfall und bei chronischen fortgeschrittenen Erkrankungen kann schnell durchaus 2 Jahre sein. Dazu ein Text von mir (5)


Was Psiram anprangert ist nicht die Homöopathie nach Hahnemann. Es sind die vielen „parahomöopathischen Wunderverfahren“. Verfahren, denen das Wort „Homöopathie“ zugefügt ist.


Der echte Homöopath von hier wird auch nicht versuchen, Menschen in Afrika mit homöopathischer Behandlung zu beglücken, um die Wirkung beweisen zu wollen. Er spricht in der Regel weder die Sprache (hinreichend) noch kann er die regionalen Besonderheiten auch die Lebensbedingungen, Denkweisen, Vorerkrankungen usw. mit den Arzneiprüfbildern hinreichend vergleichen können. Denn, wenn er Hahnemann beachtet, spielen diese alle wichtige Rollen bei der Fallaufnahme und die individuell passende Arznei ist kaum zu finden.

Homöopathie nach Hahnemann ist eben nicht: „Bei … nehme man“. Das ist eher die nicht-heilkundliche Laienhomöopathie, die Komplexmittelhomöopathie, die klinische Homöopathie. Doch ganz viele der „neuen“ Homöopathiezweige gehen nicht nach dessen Regeln vor. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sie gar nicht wirklich verstanden worden sind, weil sie und die dahinter stehende physiologische Sichtweise auch der Psyche (nach Hahnemann (9, 10)) vielen dieser „Philosophiehomöopathen“ nicht passt. Denen einfach zu schwierig ist und eben gute allgemeine Grundkenntnisse der Heilkunde voraussetzen, die manchen fehlen, einfach nicht gelernt werden, weil man glaubt in der Welt der „geistigen“ Homöopathie, des „Homöopathieokkultismus“ so etwas nicht zu brauchen. Homöopathie ist einfach so aus der jeweiligen Weltanschauung verständlich, meinen so manche.

Wenn eine kleine Gruppe angeblicher Homöopathen (sicher nicht nach Hahnemann) eigenartige Ansichten zur Homosexualität äußern, einfach notwendige Untersuchungen unterlassen, für den jeweiligen Patienten notwendige andere Therapie einfach so negieren, ist das sicher nicht typisch für die Homöopathie, sondern typisch für Sektierer und Verantwortungslose. Die finden sich auch in der „Schulmedizin“.

Wenn es um die Frage von Studien zur Wirksamkeit geht, muss sich die Schulmedizin immer wieder damit auseinandersetzen, dass sich Studien in ihrem Bereich als „passend gemacht“, oder sonst wie falsch erweisen. Dennoch lange als „Lehrmeinung“ kursierten. Wie oft änderte sich diese schon.

Bei der Homöopathie nach Hahnemann handelt es sich um einen streng individualisierte Heilweise. Nicht nur was die lange Beschäftigung mit dem Patienten und seinen Lebensumständen, aus denen das Leiden gekommen sein kann, betrifft.

Hahnemann hat mit den, wie er sie nennt, unechten chronischen Krankheit schon ganz lange vor den heutigen Lehrmeinungen der Schulmedizin gerade das gesamte Umfeld, seine beruflichen Belastungen, Ernährung, Suchtverhalten usw. in den Focus der Tätigkeit des Homöopathen gerückt. Sozusagen längst das, was heute als Risikofaktoren genannt wird, als zu erkennen und beseitigen angestrebt.

Bei den meisten der „Homöopathievarianten“, die Psiram so aufzählt, spielt das nicht diese große Rolle. Mit der Beseitigung, soweit möglich, dieser – auch - Heilungshindernisse beginnt jede medikamentöse Therapie (wenn eine solche dann noch nötig ist) nach Hahnemann.

Schon da scheitern randomisierte Doppelblindstudien mit Placebokontrolle. Auch wenn es manchen evidenzbasierten Statistikjünger ärgern mag: Es gibt nicht den Durchschnittspatienten, auch bei solchen Studien gibt es eine ganze Bandbreite von Wirkungen, Nebenwirkungen, Nichterfolgen usw. Diese helfen dem individuellen Patienten nicht weiter. Woher soll er wissen, ob er bei der (meist kleinen) Gruppe sein wird mit besten Erfolgen oder bei den „Loosern“. Ob er zumindest auch keine negativen Wirkungen haben wird, oder ob diese ihn „zerreißen“, mit oder ohne irgendeinen positiven Erfolg.

Hahnemann hat eine Strategie entwickelt, Heilkunde so zu betreiben, dass es den individuell möglichst besten Erfolg bringen kann. Wenn diese Heilweise beherrscht wird. Wenn nicht irgendwelche Pendel und Apparate zur Arzneifindung dienen (auch wenn man gar keine brauchen würde), wenn nicht nach irgendwelchen Einflüssen der „geistigen Welt“ gesucht wird, Aura vermessen oder „wuptizitäre Quantulationen“ (oder was man sich sonst noch so ausdenken könnte) über astralleibliche Verbeulungen zum Mittel weisen sollen.

Man muss einfach mal wieder abgrenzen.

Wenn das die „Evidenzbasierte Medizin“ doch auch könnte! Individuell, nach genauem Hinsehen, die Arznei auszuwählen. Statt in die Statistik zu schauen. Übrigen ist in dieser Statistik auch immer die Zahl der Fälle von Placebowirkung herauszurechnen. Wenn bei 40 % das Placebo gewirkt hat, wieso sollte es nicht auch bei 40% von den 80 % die das Verum bekommen haben, das eigentliche Wirkprinzip gewesen sein? Bei 80 % „Erfolg“: 40 % durch Placebowirkung und 40 % durch Verum.

Methoden der einen Richtung sind nicht auf die andere übertragbar. Darum sind Studien, die das versuchten, nicht wirklich für die Homöopathie nach Hahnemann als Metastudien auswertbar.

Sofern Georgos Vithoulkas als Sprecher für Homöopathen nach Hahnemann bei Psiram mit Aussagen über Wirksamkeiten zitiert wird, vermag ich nicht zu erkennen, ob er eine Ausbildung in Medizin hatte, die dem anderer „Hahnemann-Homöpathen“ gleich kommt. Was hat er in Bombay gelernt, was ihn in Griechenland berechtigt haben sollte, tatsächlich eigene Erfahrung in der Heilkunde zu machen? Dazu hat er eigene „Modernisierungen“ eingebracht. Er mag zwar Menschen begeistern, aber das kann ein guter reiner Theoretiker (Ausbilder) auch, wenn er nur den „Nerv“ seines Publikums trifft. Geschäfte gehen gut.

Da schließt sich der Kreis mit der Frage, was Psiram denn unter Homöopathie verstehen will. Alle zum Teil sehr merkwürdigen „Neuerfindungen“, die es aufzählt oder die Homöopathiearbeit, die den Regeln von Hahnemann entspricht, bei denen die Arzneigabe nur am Ende eines langen Prozesses steht, wenn sie denn dann überhaupt noch nötig ist? Und es ist gut, wenn schon die richtige Fallaufnahme Wirkungen zeigt. Die daraus resultierende „Überdenkung der Lebensumstände“, ihres dazu beiträgt und schließlich die richtig gewählte Arznei das übrige tut – wenn nicht anderes dringend nötiger ist.






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